Eine Woche lang war der Prozess um Drogeneinfuhr ausgesetzt, weil es noch einer Antwort bedurft hatte. Als der Mann, der diese Antwort liefern sollte, von der Polizei beigebracht wurde, fiel sie unglaubwürdig und lapidar aus. Den Schuldspruch berührte das nur bedingt.


Zum Drogenkauf nach Eger

Silvester 2011 - drei Männer fuhren zum Kauf von Crystal Speed und Marihuana nach Cheb in Tschechien. Meinte die Anklage. Der 23-jährige Lichtenfelser, der sich im Schöffenverfahren unter Vorsitz von Richter Ortwin Jaunich zu verantworten hatte, war einer von ihnen und distanzierte sich dennoch von dieser Beschuldigung, denn er gab an, dass er über die Kaufabsichten der beiden Begleiter nicht im Bilde gewesen sei.
Lediglich den Fahrdienst ins Nachbarland habe er übernommen und für willkommen erachtet, weil er sich in Cheb günstig mit Zigaretten und Krachern habe eindecken können.


"Hab eh Zigaretten gebraucht"

Aber wie es zu der Fahrt gekommen ist, klang in der Schilderung des Mannes kurios: "Ich sollte gar nicht fahren, ich wurde geweckt." Als die beiden Mitfahrer "im Zimmer gestanden" waren, sei es zum Fahrtentschluss gekommen. "Hab eh Zigaretten gebraucht", erklärte der wegen Beihilfe zur Einfuhr unerlaubter Betäubungsmittel angeklagte Arbeiter.
Das sah der Belastungszeuge am ersten Prozesstag komplett anders. Bei ihm handelte es sich um einen derzeit in Haft befindlichen 27-Jährigen, der nicht selten zu Drogenverfahren von der Polizei ins Amtsgericht gebracht wird.
"Mit 240 Euro hat er sich an der Einkaufsmenge beteiligt", bemerkte er zum Angeklagten. Mehr noch: Seiner Einlassung zufolge wäre Überlassung von Marihuana und Crystal Speed Fahrtbezahlung gewesen. Dass der 23-Jährige nicht gewusst haben soll, wozu diese Fahrt dient, dementierte er. "Ja ja, wir haben ihm ja vorher gesagt, dass er was kriegt."
Vom zweiten Mitfahrer seien ihm aus einer Menge von 15 Gramm Crystal Speed zwei Gramm zugegangen. Doch wie würde sich dieser zweite Mitfahrer dazu äußern? Dies interessierte auch Anwalt Manfred Glöckner, der die Glaubwürdigkeit des ersten Belastungszeugen bezweifelte.
Darum Prozessverschiebung, darum der Auftritt des 28-jährigen Michelauers am Donnerstag. Doch was der aussagte, sollte nicht nur von Staatsanwalt Matthias Schmolke für unglaubwürdig bewertet werden: Er sei bei dieser Fahrt gar nicht dabei gewesen. "Merkwürdig", befand Jaunich diese Einlassung, weil selbst der Angeklagte vom Dabeisein des Leugners sprach.
Da sein eigenes Strafverfahren schon längst abgeschlossen war, hätte der Zeuge sogar ohne Folgen für sich ein Dabeisein zugeben können. Aber er tat es nicht. Für des Angeklagten Beteiligung und Beihilfe zur Einfuhr forderte Schmolke eine Geldstrafe von 1500 Euro. Dass es mit einer Geldauflage sein Bewenden haben könne, befürwortete er. Glöckner rief dem Gericht den Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten" in Erinnerung, anspielend auf den Umstand, dass nicht erwiesen wurde, ob sein Mandant wirklich in Crystal Speed für Fahrdienst bezahlt wurde. Nach 40-minütiger Beratung die Urteilsverkündung: 300 Euro Geldstrafe.