Der Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge will Vorreiter bei der Prävention von Radonbelastungen werden. Nach einem Beschluss der Staatsregierung wird der Landkreis im Februar als erste Region in Bayern als sogenanntes Radon-Vorsorgegebiet ausgewiesen. In einem solchen Gebiet gelten strenge Vorgaben für Neubauten und Messpflichten an Arbeitsplätzen im Erd- und Kellergeschoss.

Seit Jahren ist bekannt, dass Oberfranken und damit auch das Coburger Land zu den am höchsten mit Radon belasteten Gebieten in Deutschland gehört. Getan wurde von offizieller Seite bisher wenig. Es blieb Hausbesitzern (vor allem von älteren Häusern mit Keller) beziehungsweise Bauherren vorbehalten, selbst Maßnahmen zu ergreifen, etwa Risse im Kellerboden zu schließen oder im Neubau die Bodenplatte zum Erdreich hin gut abzudichten.

Überall vorhanden

"Radon ist ein radioaktives Gas, das Lungenkrebs verursachen kann. Es ist überall vorhanden: Es entsteht im Erdreich und gelangt von dort an die Luft. Draußen verfliegt es schnell. Gelangt Radon aus dem Boden in Gebäude, kann es sich dort sammeln und Personen in den Gebäuden atmen es ein", erklärt Anja Lutz, Pressereferentin des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) auf Tageblatt-Nachfrage. "Hält man sich längere Zeit in Räumen auf, in denen die Radon-Menge in der Luft erhöht ist, steigt das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken." Berechnungen zufolge gehen in Deutschland jährlich etwa fünf Prozent der Lungenkrebs-Todesfälle auf Radon zurück.

Radon entsteht im Boden als Folge des radioaktiven Zerfalls von natürlichem Uran, das im Erdreich in vielen Gesteinen vorkommt. Wie viel Radon im Boden vorkommt, unterscheidet sich von Region zu Region. Laut Anja Lutz sei die Radon-Situation in Coburg "uneinheitlich, bewegt sich aber im für Deutschland durchschnittlichen Rahmen".

Auf einer Karte auf der Homepage des Bundesamtes (https://www.bfs.de/DE/themen/ion/umwelt/radon/karten/boden.html) sieht jedoch vor allem der nordwestliche Landkreis Coburg besorgniserregend dunkelrot aus (über 100 000 Becquerel pro Kubikmeter). Ja, sagt Anja Lutz, grundsätzlich steige die Wahrscheinlichkeit für erhöhte Radon-Werte, je dunkler die Karte eingefärbt ist. Das heißt aber nicht, dass die Radon-Werte in einem Gebäude im betroffenen Gebiet tatsächlich erhöht sein müssen. Die entscheidende Rolle spiele die Bausubstanz, so Lutz.

Neue Erkenntnisse

Die Karte des BfS entstand 2006 im Rahmen einer Studie. Nach neueren Erkenntnissen beruhe die dunkle Einfärbung der Karte im Landkreis Coburg wohl auf einer Bodenluft-Messung, die für die Geologie in der Region nicht repräsentativ sei, erläutert Anja Lutz. Dem BfS lägen Messwerte vor, die keine Auffälligkeiten zeigten.

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann in der eigenen Immobilie eine Radon-Messung vornehmen (siehe Infokasten unten). "Im besten Fall bringt die Messung die Gewissheit, dass alles in Ordnung ist und man sich nicht wegen Radon sorgen muss", sagt Anja Lutz. "Werden erhöhte Radon-Werte festgestellt, kann man aktiv etwas dagegen tun und die eigene Gesundheit schützen."

Laut Strahlenschutzgesetz hätten die Bundesländer eigentlich bis Ende 2020 ermitteln müssen, in welchen Regionen eine hohe Konzentration in den Häusern zu erwarten ist, um dann Radon-Vorsorgegebiete ausweisen zu können. Ab diesem Zeitpunkt besteht eine Messpflicht an allen Arbeitsplätzen, die sich im Keller oder Erdgeschoss eines Gebäudes befinden und gleichzeitig in einem Radon-Risikogebiet liegen.

Verzögerung wegen Corona

Doch passiert sei in diese Richtung bisher nichts, wie die SPD dem bayerischen Umweltministerium dieser Tage vorgeworfen hat. Als Reaktion auf die Kritik teilte ein Sprecher des Umweltministeriums mit, es sei wegen der Corona-Krise zu Verzögerungen beim Abschlussbericht zu den Bodenluftmessungen gekommen. Als erstes Vorsorgegebiet wurde nun Wunsiedel ausgewiesen. Die Ausweisung weiterer Gebiete sei in Bayern aber vorerst nicht nötig, hieß es am Dienstag aus dem Umweltministerium. uso/dpa