"Studiert nach dem Abitur und geht unbedingt für einige Zeit ins Ausland. Mit Engagement und einer Portion Glück kann man dann schnell Karriere machen", so das Fazit von Ralf Guntermann von der Division "Energy Management" der Siemens AG. Vor kurzem gab der hochkarätige Redner und Wirtschaftsmanager den Schülern des Gymnasiums Höchstadt ganz persönliche Einblicke in sein Handeln und Wirken in der Chefetage des Weltkonzerns. Die Elftklässler nahmen aus dem gelungenen Vortrag jede Menge für ihre eigene Zukunftsplanung mit.
Ralf Guntermann ist ein großer Name in der Wirtschaftswelt. Siemens gliedert sich heute in insgesamt neun Divisionen, eine davon wird von Guntermann kaufmännisch geleitet. Der Umsatz nur für seine Division lag im vergangenen Geschäftsjahr bei 12,3 Milliarden Euro. Durch die langjährige persönliche Bekanntschaft der Elternbeiratsvorsitzenden Birgit Völker mit dem Wirtschaftsboss konnte Guntermann für den Vortrag in der Aula in Höchstadt gewonnen werden.
Mit Spannung wurde der Referent vom Publikum der vollen Aula erwartet. Die Schüler hatten schon vorab viele persönliche und berufliche Fragen für den Siemens-Manager ausgearbeitet. Zunächst begann der interessante Vortrag mit dem beeindruckenden Werdegang des 60-Jährigen. Schon seit 1978 ist Guntermann erfolgreich in der Industrie tätig, arbeitete bis heute jedoch nur für zwei Arbeitgeber.


Von Mannesmann zu Siemens

Er war einer der führenden Köpfe des Mannesmann-Konzerns, als Vodafone den Telekommunikationsanbieter um die Jahrtausendwende aufkaufen wollte. Über Monate hinweg wurde der Kampf um die damalige Nummer Eins des Mobilfunks ausgetragen, bis das Unternehmen im Jahr 2000 für 190 Milliarden Euro an Vodafone verkauft wurde. Bis heute sei dieser Zuschlag eine Rekordsumme geblieben, erfuhren die Gymnasiasten.
Guntermanns Karriere ging schließlich bei der Siemens AG weiter, wo er derzeit als CFO (Chief Financial Officer) der Division "Energy Management" tätig ist. Er kümmert sich in dieser Funktion erfolgreich um erneuerbare und nachhaltige Energiemöglichkeiten und steht heute in der Firmenhierarchie direkt unter den acht Siemens-Vorständen.
Doch neben seiner bloßen Bilderbuchkarriere konnte er den wissbegierigen Schülern noch viel mehr mit an die Hand geben. Laut Guntermann ist die gesamte Industrie derzeit im Wandel. "Wir haben ungeahnte Möglichkeiten im Internet", erklärt er bei seinem Vortrag am Gymnasium. Demnach sei die Digitalisierung 4.0 eine rasante Entwicklung, die es überall zu bewältigen gilt. "Wer sein Unternehmen heute nicht digitalisiert, wird große Probleme haben", erklärte der studierte Betriebswirt. Doch der Top-Manager denkt weiter: "Die Industrie 4.0 ist nicht das Ende, sondern nur einer der nächsten Schritte."
Bei seinem Aufgabengebiet Strom sieht er in Deutschland derzeit noch das große Problem der Transportwege. Denn erneuerbare Energien, wie beispielsweise große Windkraftanlagen, stehen häufig in Norddeutschland. Über Trassen wird der Strom dann zwar im Land verteilt, doch davon gebe es aktuell noch viel zu wenige. Trotzdem sank die Anzahl der Gasturbinen in den letzten Jahren auf 100 Stück. "Wind- und Solaranlagen produzieren so viel Energie, dass wir heute tatsächlich viel weniger Gasturbinen brauchen."
Guntermann hat viel in seinem Leben erreicht, musste aber in seiner Karriere auch Rückschläge hinnehmen. "Das gehört natürlich dazu, und man lernt aus jeder Erfahrung, egal wie bitter sie ist", gab er motivierend an die Gymnasiasten weiter. In der Karriereplanung gebe es manchmal schnelle Aufzüge, die einen weiterbringen, oft werde man jedoch auch ins kalte Wasser geworfen. Der Siemens-Boss erläuterte zudem den jungen Zuhörern, worauf es in der modernen Berufswelt ankommt: "Ein anständiger Studienabschluss ist einfach unabdingbar. Da kann ich mich nur wiederholen. Auslandserfahrung ist einfach immer von großem Vorteil. Ich habe selbst auch in Großbritannien und den USA gelebt. Mit der nötigen Portion Glück hat man dann den Schlüssel zum Erfolg", resümierte er.
Die beeindruckten Schüler der Siemens-Partnerschule bedankten sich mit einem donnernden Applaus und nahmen für ihre persönliche Laufbahn einiges mit. "Ich wollte eigentlich erst mal eine Ausbildung machen nach dem Abi. Aber wenn ich das jetzt gehört habe, bin ich mehr als überzeugt: Ich werde studieren", sagte eine der begeisterten Elftklässlerinnen.