Was macht sozialer Wohnungsbau mit Mietern? Mit diesem Forschungsprojekt der Bamberger Joseph-Stiftung und der Hochschule Coburg für angewandte Wissenschaften war Studienleiter Marcus Hentschel betraut. Der frühere Wirsberger, der nach wie vor über einen sehr engen Kontakt zu seiner Heimatgemeinde verfügt, sieht in dem Projekt erste vielversprechende Ergebnisse und auch ein großes Potenzial für eine breit angelegte wissenschaftliche Studie. Der 50-jährige Studienleiter, der auch schon mehrere Publikationen veröffentlicht hat, lebt mit seiner Familie in Kulmbach, hat sich in der Region auch als Schauspieler auf der Naturbühne Trebgast einen Namen gemacht und ist in dem Verein für die Kassengeschäfte verantwortlich.

Mit der Wohnraumförderung trägt der Freistaat Bayern entscheidend dazu bei, das Angebot an preisgünstigem Wohnraum zu erhöhen. Wohneigentum ist in ländlichen Gebieten auch Haltefaktor gerade für junge Familien. Gegenstand der Programme der Wohnraumförderung des Freistaats Bayern sind die Bildung von Wohneigentum sowie der Bau und die Modernisierung von bedarfsgerechten Mietwohnungen.

Marcus Hentschel lehrt als Wirtschaftswissenschaftler an der Hochschule Coburg unter anderem Investitionsrechnung und Finanzierung für verschiedene Studiengänge. Mit einer Gruppe Studierender aus den Studiengängen Soziale Arbeit und Betriebswirtschaftslehre hat er zwei Semester lang die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung von Sozialwohnungen untersucht.

Zentrale Frage

Die zentralen Fragen waren dabei, welchen - über reine Rendite hinausgehenden - Mehrwert generiert sozialer Wohnungsbau? Und ist es möglich, diesen Mehrwert zu messen und wenn ja, wie? In einer ersten Erhebung kommt Hentschel mit seinen Studierenden zum Ergebnis: "Soziale Arbeit hat das Menschenwohl im Fokus, die Betriebswirtschaftslehre den unternehmerischen Gedanken. Es ging darum, beides zu verbinden und im Zentrum der Untersuchung stand die Frage, ob sich sozialer Wohnungsbau lohnt."

Gäbe es den sozialen Wohnungsbau nicht, würden der Gesellschaft aber in anderen Bereichen Kosten entstehen. Untersucht wurde auch die Frage, was sozialer Wohnungsbau der Gesellschaft bringt. Die Zinsen sind niedrig, Immobilien gelten als gute Investition und die Preise steigen weiter. Aber Wohnraum ist nicht nur ein Finanzobjekt, wie Marcus Hentschel feststellt: "Leider bleiben soziale Auswirkungen beim finanziellen Renditekalkül außen vor." Soziale Projekte und Maßnahmen erzeugen einen gesellschaftlichen Mehrwert -und diese Vorteile werden in Geld bemessen.

Übertragen auf den sozialen Wohnungsbau bedeutet das beispielsweise, dass die Menschen in einer angemessenen Wohnsituation seltener krank werden als unter schlechten Bedingungen. Und das vermeidet Kosten im Gesundheitssektor, wie in dem Forschungsprojekt festgestellt wurde.

Bewohner befragt

In Bamberg und Nürnberg befragten die Studierenden Bewohner und Bewohnerinnen von Sozialwohnungen der Joseph-Stiftung, um herauszufinden, wie sich sozialer Wohnungsbau auswirkt. Im Mittelpunkt stand die Frage: Was wäre, wenn es keine Sozialwohnungen gäbe? Das Ergebnis war klar: Die Bewohner hätten weniger Geld, weniger Möglichkeiten für Konsum, ein selbstbestimmtes Leben - und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben wäre erschwert. Sie wären weniger zufrieden.