F ürchtet euch nicht!" Mit diesen drei Worten beginnt der Engel des Herrn seine weihnachtliche Botschaft an die Hirten vor Bethlehem. "Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird." Und dann berichtet er von der größten Geschichte, die die Menschheit jemals erlebt hat, dass der allmächtige Gott als kleines Kind in die Welt der Menschen gekommen ist.
Wie alle Jahre warten wir auf die Wiederholung dieser Botschaft, wenn das Fest der menschgewordenen Liebe Gottes in allen Kirchen dieser Welt und in unzählig vielen Häusern gefeiert wird.
Klingen diese Worte aber in diesem Jahr nicht wie Hohn? Hören wir den Aufruf zur Furchtlosigkeit angesichts der schrecklichen Ereignisse am vergangenen Montag in Berlin überhaupt noch? Regieren nicht doch schon die Angst vor weiteren, ähnlichen Geschehnissen und die Diskussion darüber, wie sie sich hätten verhindern lassen und zukünftig vermeidbar seien? Sind wir unterwegs zur Bunkermentalität? Haben diejenigen die Lufthoheit über unsere Gedanken errungen, die uns verunsichern, ängstigen und zu gegenseitiger Ablehnung und Hass treiben wollen?
Nein, "fürchtet euch nicht" sagt der Engel, damals wie heute. Gott hat sich als kleines Kind in unsere Hände gegeben und wir sind in seinen Händen geborgen und nichts, aber auch gar nichts kann uns trennen von dieser Liebe Gottes.
Wir alle trauern um die Getöteten, fühlen mit den Hinterbliebenen und hoffen für die Verletzten. Aber dies alles nicht aus einem fatalistischen Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit heraus. Wir wissen sicher, dass trotz allen Leides Gott uns Menschen nicht alleine lässt, im Leben wie im Sterben, und dass wir neben unserer geografischen Heimat eben auch eine himmlische Heimat haben.
Zugegeben, es gibt zu viele Kräfte auf dieser Welt, die diese Lebenssicherheit stören oder gar zerstören wollen, deren Ziel es ist, die Liebe durch Gleichgültigkeit oder gar Hass zu ersetzen, die ihre diebische Freude daran haben, wenn Menschen nur noch sich selber und ihre Interessen sehen. Leider sind wohl viel zu viele diesen mannigfaltigen Hasspredigern auf den Leim gekrochen.
Wir aber haben die menschgewordene Liebe Gottes und können völlig zurecht ein wirkliches Fest der Liebe feiern.
Gesegnete Weihnachten! - und "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden, bei den Menschen seines Wohlgefallens!" Trotzdem - trotz alledem - und jetzt erst recht!

(Wolfgang Scheidel ist evangelischer Pfarrer in Ditterswind.)