Anette Schreiber Am Mittag des sonnigen Juni-Donnerstags ruht das schmucke Dorf im östlichsten Teil des Landkreises friedlich vor sich hin. Die bunte Mitfahrbank am Dorfplatz bleibt auch heute unbesetzt, das öffentliche Telefon ohne Telefonate. Ein paar Männer machen sich im Feuerwehrgerätehaus zu schaffen. In dem Teil, in dem bis Donnerstagmorgen bei der VR-Bank Geld abgehoben und Kontoauszüge gedruckt werden konnten. Doch seit 4.20 Uhr geht da gar nichts mehr: Unbekannte haben den Geldautomaten gesprengt.

Zwei Männer gesehen

Nicht alle Bewohner des idyllischen Dorfes haben den lauten Knall gehört. Doch die wenig später einsetzende Sirene hat dann doch einen Großteil der 187 Menschen zählenden Bevölkerung aus dem Schlaf gerissen. Die am schnellsten an den Fenstern oder im Freien waren, haben dann noch zwei Männer auf einem motorisierten Untersatz - entweder einem Motorrad, oder dem schwarzen Motorroller - der wenige später gefunden wurde, wegfahren sehen.

Als dann eine Vielzahl von Feuerwehreinsatzfahrzeugen am Dorfplatz anrückte, konnte kaum noch jemand schlafen. Auch nicht die zehnjährige Lea, die normalerweise erst um sieben Uhr aufstehen muss.

Wie es später im Bericht der Polizei heißt, die mit etlichen Streifen und dann mit dem Landeskriminalamt vor Ort war, hatten die Täter den Geldautomaten der Bankfiliale mit Gas gesprengt.

Eben das Gassorgte dafür, dass die Räume zunächst nicht betreten werden konnten. Die Art des Vorgehens, so Pressesprecher Steffen Schorr vom Polizeipräsidium Bayreuth, zeuge von einer gewissen Professionalität.

Die Technische Sondergruppe des Bayerischen Landeskriminalamtes hat den Tatort untersucht und unterstützt die Ermittlungen des Fachkommissariats der Kriminalpolizei Bamberg.

Bis Mittag war eine Vielzahl von Spezialisten am Tatort. Mehr auswärtige Autos als sonst prägten das Zentrum des Dorfes.

Wie im Ort zu erfahren ist, war die Filiale bis vor einem Jahr mit Mitarbeitern des Geldinstituts besetzt. Seitdem bedient man sich selbst. Weil es in den umliegenden Dörfern keine Geldautomaten gibt, war der in Stadelhofen ein vielbesuchter.

"Es kamen immer Autos, auch nachts", berichtet eine Frau. Eine andere erklärt das auch damit, "weil man so gut vor der Bank parken kann." Vielleicht ein Aspekt, den die Verbrecher in ihr Kalkül gezogen hatten. Auch von der Autobahn A 70 ist es ein Katzensprung, gerade gerade mal ein Kilometer nach Stadelhofen.

Umgekehrt werden die Stadelhofener Bürger jetzt einen ungleich längeren Weg in Kauf nehmen müssen, wenn sie ihre Bankgeschäfte erledigen - in Scheßlitz oder Hollfeld.

In diesem Jahr, so hat die Nachfrage bei der Polizei ergeben, ist es mit Stadelhofen bereits der dritte Fall in der Region, bei dem ein Geldautomat gesprengt wurde.

Der erste Fall ereignete sich im Februar am Bamberger Troppauplatz, der nächste im Mai in Bayreuth und jetzt eben in Stadelhofen. Ob die Taten in irgendeinem Zusammenhang stehen, lässt sich nicht sagen. Steffen Schorr sieht hier jedenfalls kein regionaltypisches Phänomen: Automatensprengungen gebe es immer wieder und in allen Bundesländern.

Bei dem Überfall auf die VR-Filiale in Stadelhofen haben die Täter Sachschaden in der Höhe von rund 10 000 Euro angerichtet und Beute im mittleren fünfstelligen Bereich gemacht.

Vorraum zerstört

Wie etliche weitere aus dem Schlaf gerissene Bewohner hat auch Lea gesehen: "Der ganze Vorraum war zerstört."

Nun vermuten die Einwohner, dass es wohl dauern werde, bis alles wieder instand gesetzt ist.

Wann genau man in Stadelhofen wieder an einem VR-Automaten Geld abheben und Kontoauszüge holen kann, weiß derzeit auch der Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Bamberg, Ulrich Stock, nicht zu sagen. "Wir halten grundsätzlich am Standort Stadelhofen fest", betont er jedoch. Nun müsse erst das Gebäude begutachtet werden. Auf Nachfrage erklärt er auch, dass es relativ schwierig ist, Automaten gegen derartiges Vorgehen zu schützen, die Methoden und Mittel seien sehr komplex.

Im Rahmen ihrer Fahndung fand die Polizei gestern Vormittag im Solarpark bei der A 70 einen schwarzen Motorroller, der als Tatfahrzeug in Frage kommt. Möglicherweise haben die Täter ihre Flucht dann mit einem weiteren Fahrzeug fortgesetzt.

Zeugen gesucht

Die Polizei bittet um weitere Zeugenhinweise und fragt: Wer hat in den frühen Morgenstunden des Donnerstag verdächtige Personen oder Fahrzeuge rund um den Dorfplatz bei der Bankfiliale gesehen? Wer hat möglicherweise die Flucht der beiden Täter auf dem Motorroller beobachtet? Wer hat etwas Verdächtiges der Anschlussstelle Stadelhofen, am Solarpark oder auf dem Pendlerparkplatz wahrgenommen? Hinweise bearbeitet die Kripo Bamberg unter Telefonnummer 0951/9129-491.