JOsef Hofbauer Zahlen, Daten Fakten beherrschen zunehmend das Zusammenleben. Für nachvollziehbare Entscheidungen spielen verifizierbare Tatsachen und Gegebenheiten eine immer größere Rolle. So beschlossen die Mitglieder des Kreisausschusses auf Anregung von Wirtschaftsförderer Andreas Rösch nun, sich an einem EU-Förderprogramm zu beteiligen. Dessen Ziel: Auswirkungen des Klimawandels auf regionale Natur- und Kulturgüter besser abschätzen zu können.

Daten der Copernicus-Satelliten sollen dafür genutzt werden, die Indikatoren zu Wind, Wasser und Temperatur zu sammeln und zu analysieren. Dieses Zahlenmaterial soll mit den Messergebnissen aus anderen Regionen in Italien, Slowenien, Ungarn und Österreich verglichen werden. Aus den Ergebnissen ließen sich "Risikokarten" erstellen, aus denen Folgen des Klimawandels für den Süßkirschenanbau in der Fränkischen Schweiz, die Wässerwiesen, den Streuobstbestand oder den Umbau des Waldes abgeleitet werden könnten.

Kosten: 109 000 Euro

Das auf 109 000 Euro veranschlagte Projekt, das von der Europäischen Kommission mit 80 Prozent der förderfähigen Kosten unterstützt wird (87 076 Euro), sei ergebnisoffen, erklärte Rösch. Die Messmethode gebe der italienische Partner vor. Die Daten als solches seien für jedermann frei verfügbar, jedoch interpretationsbedürftig.

Für die Zukunftsprognosen sei das nationale Institut für atmosphärische Daten in Italien zuständig. Aus den präzisen Daten ließen sich in enger Absprache mit dem Klimaschutzmanagement des Landkreises gezielte Strategien und Maßnahmen ableiten. Auch einen Datenaustausch mit dem Geschäftsbereich Bauen und Umwelt hielt Andreas Rösch für sinnvoll und wünschenswert.

Manfred Hümmer (FW) sah in den Zusatzdaten eine Möglichkeit zur Evaluation des Klimakonzeptes. Auf die Auswertung der Ergebnisse könne der Kreistag dann haushalterisch reagieren. "Das wird ein riesiges Paket werden, das enorme Summen verschlingt."

Baustein, Ziele zu erreichen

Reiner Büttner (SPD) sah in dem Förderprogramm einen Baustein, die selbst gesteckten Klimaziele des Landkreises wirklich zu erreichen."Das passt in unsere Strategie", urteilte er. Karl Waldmann (Die Grünen) zeigte sich erfreut, dass dieses Projekt bisherige Daten ergänzen werde. Allerdings dürfe man sich nicht zurücklehnen. "Damit ist noch keine Maßnahme in die Wege geleitet, keine einzige Tonne CO2 eingespart", mahnte Waldmann, der seinen Kollegen in Sachen Klimawandel ins Stammbuch schrieb: "Wir haben kein Wissens-, sondern ein Handlungsdefizit!"

Auch Jürgen Schleicher (JB) mahnte, dass die Daten nicht nur auf einem Server abgespeichert werden dürften. Vielmehr müssten daraus konkrete Handlungsanleitungen an die Kreisräte abgeleitet werden. In diesem Sinne forderte auch Rudolf Braun (FW) konkrete Zielsetzungen. "Wir müssen ehrlich mit den Daten umgehen, die wir in Auftrag gegeben haben."