Zu einem mit zahlreichen Bildern untermalten Vortrag zum Thema "Geschichten & Geschichtchen über den Wein in unserer Heimat" unterhielt der SPD-Ortsverein zahlreiche Sander in der "Hümmer-Scheuern". Ludwig Leisentritt aus Zeil fand große Aufmerksamkeit, wie aus einer Mitteilung der Sander SPD hervorgeht. Vorsitzender Paul Hümmer bedankte sich bei dem Heimathistoriker und früheren SPD-Geschäftsführer Leisentritt dafür, dass er ein Stück Heimatgeschichte zusammengestellt hat.
Mönche des Bamberger Klosters Michelsberg betrieben den Weinbau im Zeiler Bereich schon vor 1000 Jahren. Auf dem Zweidlerplan von 1598 kann man sehen, wo überall Wein angebaut worden ist - im Prinzip überall dort, wo die Sonnenlage sehr gut war. Die erste urkundliche Erwähnung von Sand geht auf das Jahr 1139 zurück, und der Text handelt vom Wein und einem Weinberg. Später wurden Weingärten in rund zehn Sander Flurgemarkungen erwähnt.
Weinbergslagen in der Großlage Zeiler Kapellenberg - die auch die gegenüber liegenden Weinlagen umfassen - weisen so fromme Namen auf wie Kapellenberg, Mönchshang, Pfarrerspflöcken, Abtsleite, Pfaffenberg, Nonnenberg und Himmelreich (Krum).
In einem Rechtsbuch des Bischofs von Bamberg aus dem Jahr 1348 werden schon brache Weinberge genannt. Fritz Leisentritt, ein Vorfahr des Referenten, zahlte damals für so einen brachen Weinberg an den Bischof sechs Heller Steuer.
Das Wort Wein kommt in der Bibel unzählige Male vor. Eines der bekanntesten Gleichnisse von Jesus ist die Geschichte von den Arbeitern im Weinberg: Der Weinbergbesitzer gibt allen Arbeitern genau den Lohn, der in damaliger Zeit notwendig war, um eine Familie einen Tag lang ernähren zu können. Auch Arbeiter, die später zu arbeiten angefangen hatten, erhielten den gleichen Betrag. Das ist durchaus ein Schritt zu der im Gleichnis angesprochenen Forderung des Rechts auf ein Existenzminimum für alle. Und es deckt sich in etwa mit der Forderung der SPD, jeder Arbeitnehmer müsse von seiner Arbeit leben können. "Sollte Jesus wieder auf die Welt herabsteigen, müsste er eigentlich Sozialdemokrat werden", meinte Ludwig Leisentritt in fester Überzeugung.
Auch in der Dichtung spielte der Wein stets eine Rolle. Wein und Weiber nannte Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe in einem Zug, als er frivole Sprüche niederschrieb. In der Abt-Degen-Stube in Ziegelanger steht diese moderatere Version: Wein galt lange Zeit als eine Art Zahlungsmittel. Aus dem Wein bezogen die geistlichen und weltlichen Herren einen Teil ihrer Einkünfte. Zahlreiche Dienste in der Kommune sind mit Wein entlohnt worden, auch Tätigkeiten im kirchlichen Bereich.
Anfang des 19. Jahrhunderts gab es einen Niedergang des Weinanbaues. Bier war das Getränk der Zukunft. Auf den Hängen rund um Zeil baute man nun immer häufiger anstelle der Weinstöcke Hopfen und Klee an: Hopfen für die Bierdurstigen, Klee für die Rindviecher. Von Ebelsbach gibt es noch ein Foto von einem Hopfengarten, auf dem man das heute dort eher seltene Gewächs sehen kann. Ende des 19. Jahrhunderts überwog im Raum Zeil der Hopfenanbau, berichtete Leisentritt.
Inzwischen erlebte der Wein in der Region aber einen großen Aufschwung. Neben dem Schritt zum Qualitätsweinbau waren zwei Faktoren dafür maßgebend: Die Gründung der Winzergenossenschaften und die Weinberg-Flurbereinigungen.
Ein Riesenschritt nach vorne wurde mit der Gründung des "Abt-Degen-Weintales" durch die Initiative von Bürgermeister Bernhard Ruß (Sand) gemacht. Damit wurde die Vermarktung laut Leisentritt auf ein erfolgreiches Fundament gestellt. red