24 Millionen Nordmanntannen kommen jeden Januar in die Müllverbrennung. Wieviel CO2 die ausgedienten Weihnachtsbäume da in die Luft blasen, will man gar nicht wissen. Und der Kollateralschaden beim Entsorgen der Geschenkeverpackungen! Das ist ja nicht nur Papier, plastikbeschichtete Schleifen und Tesafilm, der das Ganze zusammenpappt, versauen die Ökobilanz von Weihnachten gewaltig. Das demonstrierte Rainer Dohlus jetzt mit seinem Programm "Weihnachdsalbdraum" im Stadtsteinacher Frankenwaldtheater.

Freilich macht er damit nur Kabarett, oder, landläufig gesagt, "bleeds G'schmarr". Was er hinter der Glitzerfassade von Weihnachten auf diese Weise hervorzerrt, muss den Tatsachen trotzdem nicht ferner sein als die

idyllische Sicht auf das Fest der Liebe. Denn was Dohlus, im realen Leben Professor für Lasertechnik in Coburg, seinem Publikum in allerbestem Fränkisch vorrechnet, wird schon Hand und Fuß haben. Zumindest amüsiert hat er sein Publikum damit auf das Allerhöchste.

Dem Ökotrend folgt er mit Verbesserungsvorschlägen: Geschenke in Zeitungspapier einpacken ist der neue Trend. Aber immer noch problematisch. Schließlich muss die ausgewählte Zeitung ja auch zur politischen Grundeinstellung des Beschenkten passen. Oder man nimmt bestimmte Rubriken aus der Zeitung: die Bekanntschaftsanzeigen für Singles, die Kreuzworträtselseite für Tüftler. Auch nachhaltig bleibt Weihnachten also trotzdem Stress, sinniert Dohlus.

Doch wie kann man Weihnachten entschleunigen? Dohlus hat einen "Xmas-Antistresskoffer" entwickelt. Darin ist alles vorbereitet, was für symbolische, also gut gemeinte Geschenke taugt: Socken, Krawatten und eine Literflasche Duftwasser.

Geschenke haben auch eine ökonomische Dimension. Diese Erkenntnis ist nun auch "da oben" angekommen, führt Dohlus als Weihnachtsmann 2.0 vor. Der neuzeitliche Nikolaus-Darsteller kommt nämlich nicht mehr mit einem Sack voller Geschenke, sondern mit Laptop. Dort findet er in der Datenbank jeden und auch, was ihm als Geschenk zusteht.

Weihnachtsmann muss handeln

Allerdings muss der neuzeitliche Weihnachtsmann den Wert des Geschenks herunterhandeln - im eigenen Interesse. Er ist nämlich nicht mehr fest angestellt, sondern jetzt auf Provisionsbasis unterwegs; der Unterschied zwischen Wunsch und tatsächlichem Geschenk bleibt sein Verdienst. Auch "da oben" haben sich also die Zeiten geändert.

Früher war das anders - ist allerdings meist auch blöde gelaufen. "Wie lang es gedauert hat, bis die Kinder herausgefunden haben, dass du es bist und nicht der Nikolaus", wollte er mit jemandem aus dem Publikum demonstrieren. Und geriet an Heinrich Witzgall, der sich mit 45 Jahren Nikolaus- und 40 Jahren Theatererfahrung nicht vorführen ließ, sondern sämtliche Nikolaus-Sprüche parat hatte.

Als Nächstes hat Dohlus ein Heimspiel: Am Mittwoch, 24. November, tritt er mit dem gleichen Programm ab 14 Uhr im Paulusheim in Presseck auf. Für diese Theatermatinee gelten 2G-Regeln (nur geimpft oder genesen mit Nachweis). Karten gibt es an der Abendkasse oder unter Telefon 09222/711.