Für Jäger ist der Mai der ersehnte Auftakt der Jagdsaison auf Rehwild. In diesem Jahr liegt aber auch über dem Weidwerk der Schatten von Corona. Denn anders als in anderen Jahren ist es schwierig geworden, Rehfleisch zu vermarkten. Es fehlt vor allem die Nachfrage aus der Gastronomie. Was schon für Privatjäger ein Problem ist, stellt den Forstbetrieb Coburg der Bayerischen Staatsforsten mit einer Fläche von rund 8500 Hektar noch vor eine ganz andere Herausforderung. "Der Abschussplan sieht 480 Stück Rehwild vor", sagt Betriebsleiter Albert Schrenker. Zu erlegen ist diese Zahl pro Jahr. So viel Wild will erst einmal vermarktet sein.

Für die Statistik sei erwähnt, dass die Abschusszahl sich nicht auf die gesamten 8500 Hektar bezieht, sondern nur auf die Regiejagden (auf denen der Forstbetrieb selbst jagt oder jagen lässt) sowie angegliederte Jagdgebiete. Die Abschussquote liegt bei etwa zehn Stück Rehwild je 100 Hektar. Am Ende sind es aber 480 Rehe, die den Weg in die regionalen Küchen finden sollen.

Das sollte gar nicht so schwer sein, angesichts einer Umfrage, die der Deutsche Jagdverband in Auftrag gegeben hat. Demnach schätzen 84 Prozent der Deutschen Wild als Nahrungsmittel. 1999 hatte eine ähnliche Umfrage des Verbands nur 70 Prozent Wildliebhaber im Land attestiert.

Was das Image von Wildbret aufpoliert, liegt auf der Hand. Bedenken wegen der Art der Haltung entfallen. Wild wird nicht mit Medikamenten behandelt, nicht durch die Gegend transportiert und leidet im Idealfall wenig bis gar nicht beim Abschuss. Jäger und Förster haben also gute Argumente für das Produkt aus heimischen Wäldern.

Wenn nun gerade wenig Wild verkauft werden kann, wäre es ja am einfachsten, auch keines zu erlegen - bis die Beschränkungen wegen der Corona-Krise wegfallen und die Restaurants wieder Reh, Hirsch und Wildschwein auf die Karte setzen können. Doch so einfach ist es nicht. Die Jagdzeiten sind begrenzt und von der praktischen Durchführung her ist eben nicht immer eine geeignete Zeit für die Jagd.

"Wir müssen Rehwild schießen und wir müssen es verwerten", steht daher auch für Albert Schrenker fest. Dass der Absatz dann über den Preis befördert werden muss, ist eben so. Denn, dass erlegtes Wild auch verwertet werden muss, steht für den Betriebsleiter fest. Es gilt also zu werben. Argumente gebe es ja genug für ein gesundes Produkt aus der Region, das so "bio" ist, wie es nur eben sein kann.

Im Forstbetrieb finden Jäger, die kein eigenes Revier haben, die Möglichkeit, auf die Jagd zu gehen. Damit sie das Wildbret verarbeiten können, stellt der Betrieb extra Räume zur Verfügung, die wie ein kleiner Fleischereibetrieb ausgestattet sind.

Einer dieser Jäger ist Dr. Hubertus Habel. Gerade zerlegt er in einem dieser Zerwirkräume ein Stück Rehwild, das er am Vortag erlegt und dann im Kühlraum aufbewahrt hat. Sauber vakuumverpackt stapelt er verbrauchergerechte Portionen. "Ich habe viele Kollegen und Bekannte, die Wildfleisch abnehmen", sagt er. Direktvermarktung im besten Sinne. Aber alles, was im Forstbetrieb anfällt, kann eben doch nicht auf diese Weise abgesetzt werden. Und nicht jeder, der beim Forstbetrieb eine Jagdgelegenheit findet, kann oder will alle erlegten Stücke selbst verwerten oder vermarkten.

Vertriebswege erschließen

"Wir suchen auch nach Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit lokalen Fleischereien", sagt Albert Schrenker. Zudem plant der Forstbetrieb, eine eigene Verkaufsstelle für die Direktvermarktung einzurichten. Wege, die nach Corona nicht unbedingt wieder zurückgebaut werden müssen.

Unabhängig von der Vermarktung gehört die Jagd für Albert Schrenker untrennbar zum Berufsbild des Försters dazu. "Wir verfolgen einen integrativen Ansatz, der gesetzlich, betrieblich, ethisch, sozial und tierschutzgerecht viele Aspekte umfasst", erklärt der Betriebsleiter. Einerseits geht es darum, den Wildbestand der Lebensgrundlage Wald so anzupassen, dass er gesund und artenreich bleibt, wie es das Jagdgesetz fordert - was gerade mit der drohenden Ausbreitung der afrikanischen Schweinepest beim Schwarzwild hohe Bedeutung hat. Andererseits stellt der staatliche Forst, wie die private Jagd, so auch ein wertvolles Nahrungsmittel zur Verfügung.

Dass Wildfleisch mehr Möglichkeiten in der Küche bietet als Rehrücken und Wildschweinkeule als Festtagsbraten möchte der Deutsche Jagdverband über die Internetseite www.wild-auf-wild.de vermitteln. Verbraucher finden dort moderne Rezepte zum Nachkochen und können per Postleitzahl nach Anbietern von Wildbret oder Restaurants in ihrer Nähe suchen.