Lea Winkelmann Die Sonne scheint, es ist ein beinahe schwüler, nur leicht bewölkter Julinachmittag - die optimalen Bedingungen für eine Turmbesteigung mit Chancen auf einen guten Weitblick!

Idyllisch vom Waldrand umsäumt liegt die berühmte Basilika Vierzehnheiligen - nach Organist Georg Hagel wie eine Art Achsenverlängerung, im 90 Grad Winkel auf Banz ausgerichtet. "Der Bezug der zwei Kirchen zueinander ist kennzeichnend für den Gottesgarten am Obermain", so Hagel. Diese Beziehung sei auch durch Architekten Balthasar Neumann zu erklären, welcher die Architektur der Stiftskirche Banz gut kannte und Vierzehnheiligen durch die spezielle Ausrichtung zur selbigen in Bezug gesetzt hätte. "In Kombination mit dem Staffelberg bilden die beiden Kirchen eine Art fränkisches Dreigestirn", führt Hagel aus.

Nun dann, los geht der Aufstieg auf den zweiten Eckpunkt dieses Dreigestirns! Die Türme der Basilika messen eine Höhe von 75 Metern. Festes Schuhwerk ist angeraten bei diesem sportlichen Vorhaben. Über eine Hintertür unter der Orgelempore betreten wir den quadratischen Treppenaufgang. Über knarzende, alte Holzstufen beginnt der Aufstieg im Viereck. Da die Türme momentan aufgrund von Bauarbeiten an der Außenfassade eingerüstet sind, klettern wir schließlich über ein Fenster auf das Außengerüst. Auf Eisenstufen geht es nun in luftiger Höhe weiter.

Oben angekommen bietet sich schließlich ein Weitblick in entgegengesetzter Richtung wie zuvor in Banz. Von hier aus können wir jetzt sogar die in etwa 26 Kilometern entfernte Veste Coburg, das ca. 20 Kilometer entfernte Schloss Hohenstein und das in etwa 30 Kilometern entfernte Schloss Callenberg in Coburg sehen.

Die Glockenstühle

In den letzen zwei Jahren sei für die Glockentürme je ein neuer dreistöckiger Holzglockenstuhl mit neuem Balkenrost und Betonringanker eingebaut worden, nachdem die Haltebänder einer Glocke gerissen waren. Im Zuge dieser Renovierungsarbeiten wurden auch die historischen Glocken teilweise durch neue ersetzt, um die wertvollen Exemplare zu schonen. Glänzend setzen sich diese Glocken von den matten Zeitzeugen ab. Der Neuguss von sechs Glocken konnte zu großen Teilen über Spenden und durch den bayrischen Staat finanziert werden. Des Weiteren wurden die verbauten Stahlträger und Glockenjoche komplett durch Holz ersetzt, was besser für die Statik sei, denn: "Wo nichts metallisch ist, kann auch nichts rosten", erklärt Hagel.

Während wir den neuen Glockenstuhl im Nordturm mit seinen neun Glocken besichtigen, schreckt uns ein plötzlicher Glockenschlag auf, der hier oben einen ganz anderen, ungewohnten Klang mit langem Nachhall erzeugt.

Vom Blitz getroffen

Durch einen Verbindungsgang betreten wir anschließend den Südturm, in welchem ein besonders altes Glockenpaar hängt. "Nachdem 1835 nach einem Blitzeinschlag in den Südturm beide Türme gebrannt haben, wurden auch die Glocken zerstört. Nach dem Brand wurde dieses Glockenpaar von der Gießerei Lotter aus Bamberg angefertigt, welches das einzige noch verbliebene Großglockenpaar dieser Gießerei überhaupt ist", so Hagel.

Jede der insgesamt elf Glocken hat ihren eigenen Namen und Tonhöhe. Ebenso wie in der Pfarrkirche Banz würden auch in der Basilika Vierzehnheiligen selten alle Glocken gleichzeitig geläutet. "Für jede Glocke gibt es einen eigenen Anlass. Der Läuteplan gibt vor, welche Glocken wann zu läuten sind", erzählt Hagel. Über eine elektronische Anlage werde dieser Läuteplan durch den Messner eingehalten. Der Messner sei neben dem Fachpersonal der Wartungsfirmen und Glockengießer auch die einzige Person, welche die Türme in regelmäßigen Abständen beginge, um nach dem Rechten zu sehen. Diese schöne Aussicht aus der Vogelperspektive wird somit nur wenigen Leuten zuteil.