"Wo befinden Sie sich?"  Gute Frage. Wer im Wald unterwegs ist, sei es als Mountainbiker, Spaziergänger, Jäger/Treiber oder als Waldarbeiter kann leicht in die Lage kommen, dass er Hilfe braucht: ein schwerer Sturz mit dem Rad in unwegsamem Gelände, ein Infarkt nach anstrengendem Aufstieg auf eine Anhöhe oder ein Unfall bei Aufräum- und Säge-Arbeiten.

Oft verstreichen wertvolle Minuten, bis professionelle Hilfe vor Ort ist. Dass sofort ein Notruf an die 112 abgesetzt werden muss, ist jedem bekannt und auch nicht das Problem. Doch bei der Frage "Wo befinden Sie sich?" wird es oft schwierig. Einheimische wissen wohl, auf welcher Gemarkung sie sich befinden, wie der Flurname ist, oder wie man zum Einsatz- oder Unfallort kommt. Sie können auch meist den Zufahrtsweg  genau beschreiben. Ortsunkundige hingegen können sich orientieren, wenn ein sogenannter Rettungspunkt in der Nähe ist, der Daten zum Standort trägt.

Zuständig dafür ist in Bayern im Staats-, Kommunal- und Privatwald die Bayerische Forstverwaltung. Sollte sich der Verunfallte in unbekanntem Terrain aufhalten (oder kein Rettungstreffpunkt in der Nähe sein) so besteht die Möglichkeit, den Teilnehmer mittels Handyortung zu lokalisieren. Viele Mobiltelefone senden bei der Wahl der Notrufnummer 112 die Standortdaten des Teilnehmers, diese werden ins Einsatzleitsystem übertragen und bei der Definition des Einsatzortes herangezogen, so Michael Jeschor, stellvertretender Leiter der Integrierten Leitstelle Coburg.

Dann werden - soweit möglich - alle wichtigen Informationen abgefragt, um die für die Situation erforderlichen und geeigneten Rettungsmittel einsetzen zu können. Dabei kommt nicht selten die Bergwacht (Bergwacht Bamberg, Region Frankenjura), Feuerwehr, THW oder ein Rettungshubschrauber zum Einsatz. In Bayern werden 15 Rettungshubschrauber betrieben, für den Raum Lichtenfels ist der Rettungstransporthubschrauber aus Bayreuth Christoph 20 im Einsatz.

Polizei bei Unfall immer dabei

Jürgen Hagel, Polizeihauptkommissar der Inspektion Lichtenfels, informiert außerdem: Die Polizei und die Einsatzzentrale der Rettungsleitstelle (ILS in Ebersdorf) arbeiten Hand in Hand, sei es bei der Ortung von GPS-Daten des Handys des Notrufenden, oder wenn weitere Einsatzkräfte wie Feuerwehr oder Bergwacht alarmiert werden müssen. "Die 112 klärt, wen sie noch braucht", erklärt er. Und: Bei Unfällen kommt immer auch die Polizei in den Wald. "Nicht selten sind wir den letzten Kilometer zu Fuß zum Einsatzort gelaufen", ergänzt Hagel.

Thomas Schwarz, Kommandant der FFW Uetzing, erinnert sich an einen Einsatz vor wenigen Jahren in der Serkendorfer Flur: Bei Waldarbeiten stürzte ein Baum auf einen der Waldarbeiter, klemmte ihn ein und verletzte ihn. Die beiden Begleitpersonen riefen die Notrufnummer 112 an, schilderten den Unfall und nannten die Gemarkung. Die Leitstelle schickt daraufhin die Feuerwehren aus Uetzing, Ebensfeld und Bad Staffelstein mit je einer Rettungsschere in den Wald. Eine Person wartete beim Rettungstreffpunkt und wies die Helfer ein. Der Rettungswagen fuhr auf dem Forstweg so weit wie möglich, konnte dann aber nicht mehr weiter. Der Notarzt stieg um zur Feuerwehr. Auch die kam nicht ganz bis zum Unfallort, der sich in einer unwegsamen Hanglage befand. So legten die Helfer den letzten Weg im Bulldog eines Waldarbeiters und schließlich zu Fuß zurück. Mit dabei hatten sie eine Schleifkorbtrage (eine Art Wanne). Nachdem die Feuerwehrleute den umgestürzten Baum abgesägt und beseitigt hatten, konnte der Verletzte geborgen und versorgt werden. Kommandant Thomas Schwarz: "Er hatte Glück, er war bewusstlos und hatte mehrere Verletzungen, aber er lebte!"

Der Rettungstreffpunkt

Die Rettungstreffpunkte sind den Leitstellen bekannt. Die Schilder sind in Deutschland aber nicht genormt und regional sehr unterschiedlich gestaltet, beklagt das Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF). Es werden verschiedene Symbole, Layouts, Größen, Farben und Informationstexte verwendet. Diese Vielfalt erschwert nicht nur die Handhabung für Rettungsdienste und Nutzer, sondern reduziert auch den Wiedererkennungswert. Die Anzahl von Rettungstreffpunkten ist im Wesentlichen abhängig von der Waldausdehnung und der Struktur. Eine grobe Orientierung bietet die Zeitregel, dass von jeder Stelle im Wald innerhalb von zehn Minuten ein Rettungstreffpunkt erreicht werden soll. Ein weiterer Anhaltspunkt besagt: drei bis fünf Rettungstreffpunkte je 1000 Hektar in großen geschlossenen Waldgebieten oder sechs bis acht Rettungspunkte je 1000 Hektar in kleinen isolierten Gebieten. Sie sollten an öffentlichen Straßen  liegen, vorzugsweise an Waldeingängen und Wanderparkplätzen, da sie ganzjährig auch bei schlechter Witterung von Rettungsfahrzeugen erreichbar sein müssen. Sollte eine Ausweisung im Wald notwendig sein, sind markante Punkte wie Wegekreuzungen, Wanderhütten o.Ä. an ganzjährig befahrbaren Forstwegen zu wählen. Mobilfunknetz-Empfang sollte möglichst vorhanden sein.