Steffen Vogel zeigte sich "wirklich überrascht" vom großen Zuspruch. Das macht nach Ansicht des Landtagsabgeordneten deutlich, "dass die Hütte brennt. Die Demonstration mit dem grünen Kreuz finde ich richtig, um auf die aktuellen Schwierigkeiten der Landwirtschaft hinzuweisen", sagte er beim Diskussionsabend "Zukunft der heimischen Landwirtschaft", zu dem nahezu 200 Teilnehmer in den Saal Goger nach Augsfeld gekommen waren.

Vogel sagte, dass die Hütte nicht erst seit gestern brenne, sondern schon seit dem Aufkommen des Volksbegehrens "Rettet die Bienen". "Wir von der CSU hätten es nicht gebraucht und auch nicht gewollt. Für uns war dann aber die Aufgabe, wie wir mit dem runden Tisch umgehen. Wir hatten die Hoffnung, alles im Rahmen der Gespräche vernünftig hinzubringen. Das war aber nicht möglich und von manchen war eine Einigung auch nicht gewollt." Auch einem Teil der Bevölkerung, so Vogel, sei anscheinend nicht bewusst, dass die Landwirtschaft einen entscheidenden Beitrag leiste für die Versorgung mit Nahrungsmitteln und für eine richtige Landbewirtschaftung. Im Landkreis Haßberge sei die Landwirtschaft mit 1200 Betrieben ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Vogels Kollege, der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel, der stellvertretender Vorsitzender im Landwirtschaftsausschuss des Landtags ist, stieß ins gleiche Horn. Die große Resonanz "zeigt uns, wie groß die Probleme sind und welche Wirkung durch die Demonstrationen ausgelöst wurde".

Er bezeichnete die Situation der bäuerlichen Betriebe als "derzeit extrem schwierig. Viele stehen vor der Entscheidung, wie und ob es überhaupt in ihrem Betrieb weitergeht." Die Preise seien für die Landwirte seit vielen Jahren gleich, aber die Kosten stiegen dramatisch nach oben. "Wir brauchen eine Folgeabschätzung, wie viele Betriebe das überhaupt noch umsetzen können." Aber auch die Gesellschaft und die Politik müssten ihr Verhältnis zur Landwirtschaft klären. Selbst könne man nur versprechen, die Probleme in München einzubringen und für die Bauern zu kämpfen, versprach der CSU-Politiker.

Er riss einige Themen an. Bei der Anlagenverordnung für Güllegruben und Fahrsilos gebe es Änderungsbedarf, "denn ich habe noch keine Güllegrube gesehen, die ausgelaufen ist, wenn sie einbetoniert ist." Hier habe man schon einiges erreicht, aber die Anlagenverordnung in Berlin müsse komplett zurückgezogen werden, forderte er. "Auch beim Insektenpaket müssen wir uns in Berlin sehr einspreizen, weil es sonst dramatische Auswirkungen gibt." Die Schweinehaltung nannte er eine riesige Baustelle.

Der Kreisobmann des Bayeri-schen Bauernverbands, Klaus Merkel, hielt mit seiner Kritik nicht hinter dem Berg und betonte, dass man von Ministerpräsident Markus Söder und Ministerin Michaela Kaniber immer wieder höre, wie wichtig die Landwirtschaft sei. "Ich konstatiere aber, dass von den Worten fast nichts umgesetzt wurde." Dies wurde mit großem Beifall quittiert.

Viele Diskussionsteilnehmer machten ihrem Ärger Luft. Die Diskussion dauerte mehr als dreieinhalb Stunden.

Ein Beispiel: "Wenn ich Erbsen anbaue und keine Herbizide einsetzen darf, dann brauche ich den Bauernverband nicht. Es kann nicht sein, dass wir als Bauern benachteiligt werden gegenüber Österreichern. Man darf uns nicht für dumm verkaufen, wenn nur wir die Erbsen nicht spritzen dürfen. Der Bauernverband steckt hier anscheinend mit den Schwarzen unter einer Decke." Solche Vorwürfe saßen.

Bauer Diehm aus Zeil hält es mit Blick auf Düngevorgaben nicht für notwendig, beim Nitratwert immer weiter nach unten zu gehen. "Unter 30 Milligramm pro Liter wäre gar nicht nötig. Dieses Streben ist überholt und nur eine Ideologie von Wasserwirtschaftsämtern", rügte er. Aktuell liegt der Grenzwert bei 50 Milligramm pro Liter.

Auch Sigi Mantel haderte mit der Düngeverordnung und den sogenannten roten Gebieten. Beim ihm sei ein Messpunkt in nur zwei Metern Tiefe. "Daneben habe ich einen Brunnen, der zwei bis drei Milligramm Nitrat aufweist. Warum fließt dieser gute Wert nicht in die Wertung der übrigen Werte mit ein?"

Rudi Ruß aus Sand erinnerte mit Blick auf die Gänseplage im Maintal daran, dass die Landwirte in den letzten Jahren eine Entschädigung von 50 Prozent bekommen hätten und dies nach dem Ministerwechsel nun nicht mehr der Fall sei und sie selbst dafür aufkommen müssten.

Bauer Diehm aus Zeil hielt es für unverschämt, dass die Politik jetzt den Landwirten zumute, 2500 Gänse zwischen Schweinfurt und Bamberg zu dulden. Es sei auch nicht hinnehmbar, erst 50 Prozent anzubieten und nach einiger Zeit nichts mehr zu geben, schimpfte er.

Landrat Wilhelm Schneider stellte dazu klar, dass normalerweise für solche Schäden in Bayern gar nichts bezahlt werde. Allerdings habe man es vor fünf Jahren in eine Pilotregion geschafft mit dem Ziel, alles zu unternehmen, um die Population der gefräßigen Tiere nicht anwachsen zu lassen. Auch Schneider versteht den Wegfall der Entschädigung nicht.

Fragwürdige Praxis

Staunen lösten bei den Zuhörern Berichte von Kontrollen auf den Höfen aus. Klaus Schneider aus Bischofsheim sprach von einem Schweinebetrieb, der von 19 Beamten umstellt worden sei, "weil ein größerer Schweinebetrieb eine größere Gefahr ist". Mit anständigen Landwirten könne man so etwas nicht tun, sagte er. Wenn einer etwas gemacht habe, dann dürfe man doch nicht alle Schweinehalter an die Wand stellen. "Wir Landwirte haben dies satt. Wir machen anständige Arbeit und haben einen fairen Umgang verdient."

Milchvieh-Landwirt Reinhold Wolf hat Ähnliches erlebt, wie er schilderte. "Als ich früh hinausging, standen 13 Leute auf meinem Betrieb verteilt. Ich bin mir vorgekommen wie der größte Verbrecher. Das war der Gipfel und da wirst du einfach kriminalisiert. Ich habe mein Leben lang aufgebaut und das macht man an einem Tag kaputt." Landrat Schneider sprach bei diesem Betrieb anschließend von einem Vorzeigebetrieb; es könne nicht sein, dass hier wie mit einem Überfallkommando kontrolliert werde.

Florian Schuler aus Gädheim, der 3,5 Millionen Euro in seinen Betrieb investiert hat, sprach die Bürokratie an, die einen Großteil der Arbeitszeit abverlange.

Andere Redner mahnten die Behörden und forderten einen größeren Auslegungsspielraum. "Lassen Sie die Kirche im Dorf, sonst hören wir auf!"