Zur Diskussion über den Tunnelbau bei Kauerndorf erreichen uns folgende Zuschriften:

Seit 50 Jahren kämpfen die Kauerndorfer für ihre Umgehung. Jetzt plötzlich, da die ersten Bäume gefällt worden sind, ist auf einmal Alarm im grünen Lager. Bezeichnenderweise sprach sich auf dem Weg der Genehmigung sogar der Kreistag einstimmig für dieses Projekt aus, dem ja bekanntlich auch die Grünen angehören.

Und überhaupt: den Tunnel brachte 1986 erst der Bund Naturschutz (BN) ins Gespräch, da er seiner Meinung nach die landschaftsschonendere Lösung gegenüber der damals schon diskutierten Hangtrasse wäre: "der Tunnel, die Lösung für Mensch und die Natur", hieß es.

In einem aktuellen Interview ließ nun aber der Vorsitzende des BN, Herr Vollrath, wissen, dass "dies seine Vorgänger entschieden hätten und ich noch nicht aktiv gewesen bin". Wechselt der BN etwa immer seine Meinung, wenn es einen neuen Vorsitzenden gibt? Ich kann nicht verstehen, dass der BN und auch die Grünen plötzlich ein Umsiedeln inklusive großzügiger Abfindungen befürworten, nur um eine Röhre durch den Berg zu vermeiden.

Noch dazu möchten die Grünen den Betroffenen einen Bauplatz in der Gemeinde zur Verfügung stellen, wo aber derzeit kaum Platz zum Bauen vorhanden ist. Es müssten ein neues, sehr großes Baugebiet inklusive Zufahrtsstraße erschlossen und damit wieder frische Fläche versiegelt werden.

Zusätzlich zu der offenen Trassenführung, die ohnehin schon massig Fläche versiegelt! Und: eine offene Trasse wird den Lärmpegel nicht mindern, sondern noch mehr Lärm ins Schorgast-Tal bringen. Wo bleibt hier der grüne Gedanke der Nachhaltigkeit?

Aus Sicht eines abgelegen wohnenden Siedlungs- und Einöd-Bewohners ist der Tunnel wahrscheinlich trotz allem sinnlos. Die grünen Fantasten scheinen daher vor allem Verzögerung im Sinn zu haben. Abseits des "Naturschützer"-Lagers ist man sich wenigstens einig, dass dringend etwas passieren muss.

Überregional betrachtet ist aus Kauerndorf längst ein Verkehrs-Nadelöhr mit ständigen Stauungen geworden. Kulmbach und das "Oberland" benötigen dringend eine durchgängig ausgebaute B 289, damit der ganze Berufs-, Ausflugs-, Lkw-/Liefer- und Einkaufsverkehr von und nach Kulmbach bewältigt werden kann. Von Rothwind bis zur tschechischen Grenze gibt es nur noch zwei geschlossene Ortschaften. Bad Berneck und: Kauerndorf!

Daher sind die Opfer der neuerlichen grünen Debatte all diejenigen Menschen, die die Straße täglich befahren oder an/bei ihr wohnen müssen. Letztere haben hartnäckig auf die Tunnel-Lösung hingearbeitet, haben dafür gekämpft und mussten lange auf die jetzt amtlich genehmigte Maßnahme warten.

Oder hat das grüne Lager in der Vergangenheit den Tunnel nur deswegen favorisiert, damit dieser hoffentlich nie genehmigt werden möge?

Alexandra Bittermann

Kulmbach