Dieses Silvester war toll. Einzigartig. So ein Silvester hatte ich noch nie. Es war anders, ich war irgendwie rebellischer als an all den vorherigen Silvestern.

Man kennt das ja mit Silvester schon von Kindesbeinen an. Die Menschen freuen sich auf die Feierlichkeiten, im Fernseher tanzen Revue-Girls, der Schnaps kommt auf den Tisch und Freddie Frinton serviert das in England völlig unbekannte "Dinner for one".

Als Kind fieberte ich diesem Tag immer entgegen, weil man so lange wach bleiben durfte und auch wegen all der Revue-Girls im Fernsehen, die manchmal barbusig, immer aber langbeinig waren.

Wenn man unbeteiligt zu tun verstand, konnte man verstohlen hinschauen.

Was mich aber bei den Kindersilvestern immer ärgerte, war, dass mein Cousin den schöneren Silvesterhut aufgesetzt bekam. Er hatte die Würde eines weißen Clowns, ich hingegen die des ollen August. Aber das sind vergangene Zeiten und man muss die Vergangenheit ruhen lassen.

Seitdem sind viele Silvester herangezogen, alkoholische, tänzerische, es gab Flirts und Geselligkeit, Fondue und sonst was.

Vor allem aber gab es auch Feuerwerke und reichlich Glimmer und Dezibel. Auch gelacht wurde dabei viel.

Aber was ich nun erlebte, das schlug dem Fass die Krone aus oder wie das heißt. Es war so anders, so ganz anders als all das, was ich zu Silvester bislang durchlebte. Ich möchte fast sagen, es war traumhaft schön, obwohl es schon fast eine Unverfrorenheit darstellte.

Es war im Grunde eine Bettgeschichte, wie ich noch keine zu Silvester hatte. Also ich lag da so in meinem Bett, ich meine, ich lag da natürlich nicht einfach so da, sondern in meinem besten seidenen Pyjama. Ums Bett herum alles verteilt, was man so zu Silvester braucht: Portwein, teure Schokoladen und was vom Chinesen.

Und natürlich der Wecker, der mir Bescheid geben sollte, wann es Zeit zum Aufstehen, Ausgehen und Lärmen sein würde. Immerhin erwartet man von einem ja, dass man sich in die gute Laune stürzt. Oder wenigstens in die Verwandtschaft.

Was soll ich sagen: Ich habe es verschlafen und es fühlte sich irgendwie gut an. Anderntags dachte ich mit einigem Stolz so bei mir: Ha! Da habe ich Silvester aber mal so richtig die kalte Schulter gezeigt. Oder wie ein Freund von mir es ausdrückte: "Du wirst alt."