Beim Schlappenschuster-Workshop erfuhren die Kinder mehr über die Schuhstadt und das Stadtmuseum, aber auch über die aufwändige Herstellung von Schuhen. Im Anschluss konnten sie sich ihre eigenen Schuhe entwerfen, zusammennähen und als Erinnerung mit nach Hause nehmen.

Aufgrund der Corona-Auflagen waren nur sechs Plätze zugelassen, als erstmals seit dem Lockdown wieder ein Workshop im Stadtmuseum angeboten werden konnte. Die Kinder zwischen acht und elf Jahren, drei Mädchen und drei Jungen, nutzten die letzte Woche ihrer Sommerferien, um spielerisch mehr über die Schlappenschuster-Tradition ihrer Stadt zu erfahren.

Ein einst typischer Beruf

Eine Führung durch das Stadtmuseum konnte erste Einblicke liefern. Doch noch lebendiger und authentischer wurde es, als zwei waschechte Schlappenschuster, die sich längst im verdienten Ruhestand befinden, beim Workshop vorbeischauten. Mit Leidenschaft und großer Anschauungskraft berichteten die beiden ehemaligen Schuhfabrikarbeiter Georg Seeberger und Robert Keller über ihr für Herzogenaurach einst so typisches Berufsleben.

Seeberger hatte bei Orth & Kaltenhäuser gelernt und später bei "der" Puma gearbeitet. Robert Keller war jahrzehntelang Mitarbeiter der Oberfränkischen Schuhfabrik Körner in der Tuchmachergasse gewesen. Ausführlich gingen sie auf den Werdegang von Schlappen, "Dappen" und anderem Schuhwerk aus ihrer Schuhstadt Herzogenaurach ein.

Einige Arbeitsgänge führten sie sogar mit Zwickzange und Schusterhammer vor. Die alten "Schlappenschuster" hätten früher dabei die Nägel für die Sohle, die so genannten "Täcks", sogar im Mund gehabt, damit das Aufnageln schneller von der Hand ging. Ab und zu hätten sie dabei aus Versehen auch einen Täck verschluckt. Es sei aber zum Glück nie etwas passiert. Die Kinder sollten dies aber auf keinen Fall nachmachen, ermahnten Seeberger und Keller ihre Zuhörer mit einem Augenzwinkern.

Die Kinder waren begeistert von den Vorführungen und informierten sich über weitere Methoden wie das später aufkommende Verleimen, oder über den Wandel, der im Laufe der Zeit bei den Obermaterialien eintrat. Sie erfuhren über die vielen Firmen, die es früher vor Ort gab, und dass in einer großen Herzogenauracher Schuhfabrik bis zu 4000 Paar Sportschuhe am Tag produziert wurden.

Stolze kleine Schuster

Ihr neues Wissen nutzten die Kinder im anschließenden praktischen Teil. Simone Voit vom Generationen.Zentrum und die Ferienarbeiterin Laura Emrich gaben Tipps und Hilfestellung bei den einzelnen Schritten der Schuhproduktion. Es galt ein Obermaterial zu wählen, dieses mit Schablone zuzuschneiden und auf die bereitgestellten Espadrilles-Sohlen aufzunähen. Schließlich konnten die Oberstoffe noch individuell bemalt oder beschriftet werden.

Am Ende waren alle kleinen Schlappenschuster erfolgreich. Stolz nahmen sie ihre selbstgefertigten Hausschuhe mit nach Hause.