Was sagt das politische Kulmbach zum Ergebnis der Ermittlungen? Der künftige Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) - am 1. Mai beginnt seine Amtszeit - meinte lapidar: "Ich habe erwartet, dass das Verfahren eingestellt wird." Wegen einer Sitzung im Kulmbacher Klinikum war der noch amtierende OB Henry Schramm (CSU) nicht erreichbar.

"War wahlschädigend"

Für die CSU stellte Stadtratsfraktionsvorsitzender Michael Pfitzner fest: "Ich bin froh, dass es so ausgegangen ist. Ich hätte mir auch nicht vorstellen können, dass so etwas im Rathaus passiert, da ich den Wahlleiter Uwe Angermann sehr schätze und weiß, wie seriös er arbeitet." Die Affäre habe sich letztlich "wahlschädigend für Henry Schramm" ausgewirkt.

Stadtrat Thomas Nagel (FDP) meinte: "Die Verfahrenseinstellung wird zur Wiederherstellung des Rufes von Henry Schramm beitragen. Es war mit ausschlaggebend, wie die Wahl ausgegangen ist. Das ist im Nachhinein sehr bitter. Jetzt müssen wir nach vorne schauen."

"Fader Beigeschmack"

Auch nach Abschluss der Ermittlungen bleibe "ein fader Beigeschmack", erklärte der neue SPD-Fraktionssprecher Matthias Meußgeyer. Der Vorgang um die geschredderten Wahlunterlagen "war der unrühmliche Höhepunkt des OB-Wahlkampfes".

Die näheren Umstände der Verfahrenseinstellung seien ihm nicht bekannt, sagte WGK-Fraktionschef Ralf Hartnack, "und ich vertraue der guten und zuverlässigen Arbeit der Staatsanwaltschaft sowie unserem Rechtssystem." Nun gelte es, mit voller Konzentration und Blick nach vorne die politische Arbeit in einer schwierigen Zeit aufzunehmen und den positiven Trend sowie die vielversprechenden Entwicklungen der Stadt Kulmbach erfolgreich fortzuführen.

Von ungeklärten Fragen im Zusammenhang mit den Ermittlungen sprach die Grünen-Fraktionsvorsitzende Dagmar Keis-Lechner. Es gebe Irritationen, die nicht ausgeräumt wurden. Zum Beispiel: Wenn Wahlleiter Uwe Angermann wusste, dass es sich um überzählige Unterlagen handelt, dann hätte er keine Anzeige erstatten müssen. Sie nehme das Ermittlungsergebnis des Staatsanwalts zur Kenntnis.

"Führt zu Hofhaltungen"

"Ich bin kein Staatsanwalt, ich kann es nicht besser wissen", sagte der künftige Stadtrat Georg Hock (AfD). Aber: "Ein Gschmäckle bleibt." Der Fehler liege im System. Er sprach sich für Amtszeitbegrenzungen aus. Was man im Rathaus beobachten konnte, entstehe dadurch, dass Politiker zu lange in gehobenen Positionen sind. "Das führt zu solchen Hofhaltungen."