Wer lange sitzt muss rosten: Diese Zeile aus dem Frankenlied ist nicht nur Teil der inoffiziellen Franken-Hymne. Sie ist auch ein Glaubensbekenntnis des Wanderers. Und zeitgemäßer waren die Verse Joseph Victor von Scheffels zur Melodie von Valentin Eduard Becker nie, denn was gibt es in Corona-Zeiten Gesünderes als frische und reine Luft?

Wandern. Schlafen unter dem Himmelszelt. Das ist im Jahr 2020 die Alternative zum gestrichenen Flug, zum geschlossenen Hotel und zum ausgebuchten Campingplatz. Die Schuhe geschnürt, den Rucksack gepackt, mit Zelt und Iso-Matte immer der Nase nach. Das ist natürlich kein Ersatz für vier Sterne und Alles inklusive, aber es kann eine schöne Abwechslung sein, ein Abschied vom Alltag mit wenigen kleinen Schritten. Was ist dabei zu beachten?

Die Rechtslage

Die Bayerische Verfassung regelt es: "Der Genuss der Naturschönheiten und die Erholung in der freien Natur, insbesondere das Betreten von Wald und Bergweide, das Befahren der Gewässer und die Aneignung wildwachsender Waldfrüchte ... ist jedermann gestattet."

Klingt zu schön, um ohne ein großes "Aber" wahr zu sein. In der Realität schränken diverse Rechte und Verbote den "freien" Naturgenuss ein: Private Grundstücke (die als solche nicht immer gleich erkennbar sind) darf man nicht ohne weiteres betreten, der Naturschutz setzt dem Genuss ebenfalls enge Grenzen, was etwa das Verlassen von Wegen betrifft.

Darf man also im Freien zelten? Die Antwort ist ein eindeutiges Jein: Zelten im Freien ist in Bayern zwar nicht ausdrücklich verboten, aber eben auch nicht überall erlaubt. In einem bayerischen Wald zum Beispiel darf man übernachten, man darf aber weder ein Zelt aufschlagen noch eine andere Behausung errichten, und sei sie noch so primitiv. Übernachten ohne alles kann aber auch im Wald verboten sein, wenn es sich um einen privaten Forst handelt oder der Naturschutz entgegen steht.

Auf der sicheren Seite ist man, wenn man in der freien Flur, etwa auf einer schönen grünen Wiese, zeltet. Vorher aber den Eigentümer ausfindig macht und dessen Einwilligung einholt. Das, wohlgemerkt, gilt nur in Bayern. Wandert man ins Nachbarland Thüringen, sind die Regeln strenger: Zelten in freier Natur ist dort untersagt. Hier wie da gibt es "amtliche" Plätze für Freiluft-Camper unter anderem im Frankenwald, im Spessart und im Steigerwald. Nicht mehr ganz wilde Pampa, aber nicht allzu viel Komfort (www.trekking-bayern.de)

Die Ausrüstung: das A und O

Wer sich fürs "Wandern pur" entscheidet, umläuft Supermärkte und Gastwirtschaften weiträumig und trägt alles im Rucksack, was er/sie zum Überleben in der "Wildnis" braucht. Das ist sportlich, aber machbar. Das Gewicht des Gepäcks sollte man aber im Auge behalten, weil ein Rucksack, und ist er anfangs noch so leicht, nach spätestens sechs Stunden Fußmarsch gnadenlos die Wirkung der Schwerkraft vermittelt.

Als Faustregel gilt: Die Tagestour macht man mit einem Rucksack, der 25 Liter Volumen hat und acht Kilogramm wiegt. Für die Zwei-Tages-Tour sollte man 35 Liter Volumen und zehn Kilogramm Gepäck einplanen. Mehrtagestouren fordern 40 bis 45 Liter Stauraum, zwölf bis 14 Kilogramm trägt man dann zusätzlich mit sich herum.

Klingt nach viel, ist aber schon beim Packen eine Herausforderung beim Weglassen: Ein robustes Zwei-Mann-Zelt (in dem man alleine halbwegs bequem schlafen kann), schlägt alleine mit etwa fünf Kilogramm zu Buche. Der Rucksack selbst wiegt 1,5 bis zwei Kilogramm, für den Schlafsack muss man mit einem Kilogramm rechnen. Ersatzklamotten, Toilettenartikel, die Wanderausrüstung und natürlich Verpflegung und ausreichend Wasser/Getränke komplettieren das "Ränzlein". Da wird schnell klar, dass man auf den Gaskocher und das Campinggeschirr doch verzichten kann ... und auch den neuesten Stephen King zuhause lässt.

Die wichtigste Regel

Es sollte selbstverständlich sein, ist es aber nicht, deshalb noch einmal ausdrücklich: Wer in der Natur unterwegs ist und in der Natur campiert, hinterlässt die Plätze, die er besucht hat, genau so, wie er sie vorgefunden hat. Das heißt: Abfall mitnehmen, offenes Feuer nur unter ständiger Aufsicht und in Grillschalen oder befestigten Feuerplätzen, für das große "Geschäft" ein Loch graben ... mit einem Satz: keine Spuren hinterlassen!