Familiengeld, Elterngeld, Kindergeld, Wohngeld, Unterhaltszuschuss, Kinderzuschlag, Krippengeld, Kindergartenzuschüsse - die Politik wirbt um Familien und tatsächlich werden auch die finanziellen Hilfen seit Jahren immer wieder aufgestockt und ergänzt.

"Aber es ist alles so verwirrend. Die Eltern wissen eigentlich gar nicht, was ihnen alles zusteht", sagt Imke Böger-Troll von der Schwangerenberatungsstelle des Diakonischen Werkes in Coburg. Zusammen mit ihren Kolleginnen Ulrike Heinze-Zelger und Anja Kellerhoff berät sie junge Familien aus Coburg, Kronach und Lichtenfels in allen Angelegenheiten rund um die Schwangerschaft und das Elternsein. Ganz wichtig sind dabei finanzielle Unterstützungsangebote, von denen viele Betroffene gar nichts wissen, wenn sie in die Beratungsstelle kommen.

Vorteile in Corona-Zeiten

Ein Beispiel: Ein Kind, das im März in Coburg geboren wird, kann erst im September des darauffolgenden Jahres in die Krippe gehen. Das Elterngeld läuft nach einem Jahr aus. Das heißt, die Familie muss etwa ein halbes Jahr finanziell überbrücken. "Für diese Zeit kann Wohngeld und Kinderzuschlag beantragt werden", erläutert Ulrike Heinze-Zelger. Darauf muss sie ganz oft hinweisen, weil das viele gar nicht wüssten, wie sie sagt.

Was auch neu ist: Durch Corona wurden viele Hürden bei der Antragstellung heruntergesetzt. So ist der Kinderzuschlag jetzt vermögensunabhängig. Außerdem reicht der Einkommensnachweis vom letzten Gehaltszettel aus. Vor Corona-Zeiten mussten Nachweise über die letzten sechs Monate eingereicht werden.

Für Leistungsempfänger von Hartz IV gelten ebenfalls Corona-Sonderregelungen. Es wird beispielsweise nicht mehr geprüft, ob die Wohnung "angemessen" groß ist. Auch wer in Kurzarbeit ist, hat gegebenenfalls neue Möglichkeiten auf Zuschüsse.

"Die meisten Anträge können online gestellt werden", sagt Imke Böger-Troll, die genau wie ihre Kollegin seit über 30 Jahren junge Eltern berät. Doch die Krux liegt oft im Detail. Da müssen beispielsweise beim Kindergeld Anlagen mit ausgedruckt und ausgefüllt werden. Das werde oft übersehen. Die beiden Sozialpädagoginnen ermuntern Schwangere, Mütter und Väter, den Kontakt in die Beratungsstelle zu suchen. "Wir sind da, haben geöffnet." Auch da sei eine große Unsicherheit zu spüren. "Die Leute wissen ja gar nicht mehr, wer offen hat, wo man hingehen kann, welche Behörde ansprechbar ist", so ihre Erfahrung.