"Konsequenzen für die Landwirtschaft aus der Corona-Krise" standen im Mittelpunkt eines Meinungsaustausches der EU-Agrarminister vom 30. August bis 1. September in Koblenz. In diesem Zusammenhang lud der Bayerische Bauernverband (BBV) Bamberg-Forchheim in Hirschaid zu einem Gespräch der Landwirte beider Landkreise mit Andreas Schwarz (MdB, SPD) und Holger Dremel (MdL, CSU) ein. Motto des Treffens: "Ernährungssicherheit voranstellen". Und Corona war natürlich auch hier ein vordringliches Thema. Gastgeber waren der BBV-Bezirkspräsident und Kreisobmann aus Forchheim, Hermann Greif, und Edgar Böhmer, Kreisobmann aus Bamberg.

Das Treffen war eine Gelegenheit, näher auf die Kernpositionen der bayerischen Bauernfamilien zur EU-Agrarpolitik einzugehen. "In der Corona-Phase konnten alle Landwirte weitermachen. Im Land hat man wieder geschätzt, einheimische Produkte, eine sichere Versorgung zu haben", betonte Hermann Greif eingangs.

Praxisfremd?

Einmal mehr prangerte der BBV-Bezirkspräsident die Düngemittelverordnung an. Und auch die Messstellen, die teilweise nicht in gutem Zustand seien. Das Raster müsse für konkretere Aussagen, auch zu den Verursachern, regional verfeinert werden. Unter anderem sprach Böhmer das Verbot für das Ausbringen von Gülle oder Mineraldünger bei Minusgraden in der Zeit von Februar bis Mai an. "Gut gemeint, aber praxisfremd und ohne Sachverstand", so der Obmann. Gerade Kleinbetriebe könnten die Auflagen, wie etwa teure Maschinen, oft nicht mehr erfüllen, stellte dazu Landesbäuerin Anneliese Göller fest. Als Problem wurde auch die Ausbringung von Gülle bei gefrorenem Boden thematisiert.

MdB Andreas Schwarz versprach den Landwirten Unterstützung in Berlin. Bedarfsgerechter Pflanzenschutz, die Düngung zur Sicherung der Ernte und gemeinsame Standards im gemeinsamen Markt waren weitere Forderungen seitens der BBV-Vertreter.

Es geht ums Tierwohl

Kritisch hinterfragte Reinhard Friedrich, stellvertretender BBV-Kreisvorsitzender aus Forchheim, den Umgang mit Ausgleichsflächen. Schwarz sieht auch die ständige Ausweitung von Baugebieten kritisch und verlangt "ökologisch intelligente Bebauungspläne". Es gelte, möglichst den Altbestand in die Überlegungen miteinzubeziehen, auch wenn Lobbyisten andere Ziele verfolgen würden.

Das Thema Tierwohl und die dazu erfolgten oder angedachten Maßnahmen erregten ebenfalls die Gemüter. Momentan leben in Bayern noch 50 Prozent der Milchkühe in Kombi- oder Anbindehaltung, oft auch vorgegeben durch die begrenzte Lage im Dorf. Kleinbauern mit 15 oder 20 Rindern werden ihren Milchbetrieb einstellen, wenn die Anbindehaltung für Kühe nicht mehr erlaubt würde. 0,7 Großvieheinheiten pro Hektar in Oberfranken bzw. 0,3 in Unterfranken stellten längst keine Belastung für die Umwelt dar, so der Tenor der Versammlung.

Ärger um neue Verordnungen

Immer schwieriger werde auch die Genehmigung beim Bau von Schweineställen. Dazu kämen problematische kurzfristige Änderungen. So sei kurzfristig der vorgeschriebene Raum für ein Mutterschwein vor der Deckung von 4,1 Quadratmetern auf fünf Quadratmeter geändert worden. Modernste Betriebe der Schweinezucht seien verunsichert. Sie hätten teilweise einen neuen Stall noch nicht bezogen und sollen ihn nun wieder umbauen. Greif bezeichnete die neue Verordnung als völlig überzogen und unausgereift: "Damit ist man auf dem besten Weg, die Letzten aus dem Markt zu drücken. Wenn das so gewünscht ist, wandert die Produktion ab." Andreas Schwarz verwies darauf, dass für den artgerechten Umbau der Ställe 300 Millionen Euro im Bundeshaushalt reserviert sind.

Eine echte Herausforderung für die Tierhalter bleibt nach wie vor die extrem strenge Kennzeichnungspflicht. Generell, so Greif, werde der Tierschutzspielraum immer enger. Zu den strengen Auflagen gehört auch, dass die Tierschlachtungen auf den Dörfern praktisch verschwunden sind. "Ein Metzger auf jedem Dorf wäre mir lieber als ein Tönnies", bedauerte auch MdB Schwarz die Situation.

Ein weiteres Thema, das den Landwirten auf den Nägeln brennt: der Tierschutz. "Der Biber ist wohl nicht mehr auszurotten und der Wolf wird kommen", bilanzierte Hermann Greif. Einst habe der Kormoran die Fischweiher geleert, davon habe man gelernt. "Der Mensch muss Vorrang haben und regulierend eingreifen", erwiderte Andreas Schwarz. Ein Wolf müsse gegebenenfalls entnommen, ein Biber umgesiedelt werden. Maßnahmen, die in der Gesellschaft momentan offensichtlich schwer umzusetzen seien.

Sorge um den Wald

Große Sorgen macht man sich um den Wald. Vor allem Fichte und Kiefer seien in Gefahr. Nach drei Jahren extremer Trockenheit werde die Situation immer schwieriger. Auch der Laubwald sei inzwischen gefährdet. Schädlinge fänden einen gedeckten Tisch. Eine Folge: Der Holzmarkt ist im Überangebot zusammengebrochen. Holzverkauf lohnt sich nicht mehr. Holz nutzen und verbauen, die energetische Nutzung fördern mit Pelletheizung oder Hackschnitzel, das waren einige Anregungen der Anwesenden. Eine weitere Idee: Kohlekraftwerke durch Holzkraftwerke ersetzen. Greif mahnte schnelle Hilfe an. Fast jeder Bauer habe Wald. Die Prognosen beim Umbau seien unsicher. "Was ist in 30 Jahren?" Frost, Hitze Kälte seien eine schwierige Mischung. Dabei müsse der Mensch regulierend eingreifen.

Die Besucher erlebten eine fundierte Diskussion aus Praktikerhand - ohne Polemik, aber mit Emotion. Der Bevölkerung erklären, warum Landwirtschaft so denkt, ist das Ziel. "Wir wollen Menschen ernähren. Naturschutz will man auch, kann davon allein aber nicht leben", so Hermann Greif in seinem Resümee einer komplizierten Materie. gal