Am heutigen Dienstag stehen voraussichtlich alle Busse der Stadtwerke Bamberg still. Denn ab 4.30 Uhr ruft die Gewerkschaft Verdi zum bundesweiten Warnstreik auf. Es ist der erste großflächige Streik seit Jahrzehnten, bei dem es um den Rahmentarifvertrag Nahverkehr geht, der deutschlandweit einheitlicher geregelt werden soll: 30 Tage Urlaub im Jahr, eine bessere Überstundenregelung sowie eine bessere Gestaltung der Zuschläge sind die Ziele von Verdi. Der bundesweite Arbeitgeberverband hat sich entschlossen, diese Frage in den Ländern zu entscheiden, und verweigert momentan Gespräche dazu.

"Wenn sich nicht zügig etwas für bessere Arbeitsbedingungen bewegt, haben wir bald keinen Nachwuchs mehr", gibt der Gewerkschafter Dirk Schneider, bei Verdi Oberfranken-West zuständig für den Fachbereich Verkehr und kommunale Arbeitgeber, zu bedenken. In den kommenden zehn Jahren werden bundesweit 100 000 neue Fahrer gebraucht. Um dem Nachwuchsproblem beizukommen, stehen deshalb im speziellen Tarifvertrag Nahverkehr in Bayern weitere Forderungen, denen mit dem Warnstreik Nachdruck verliehen werden soll: eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich sowie höhere Zuschläge für Nacht- und Sonntagsfahrten und weitere Verbesserungen.

Aktuell fallen krankheitsbedingt immer wieder Linien aus, und allein die Beschäftigten in Bamberg schieben 10 000 Überstunden vor sich her.

Elternverbände informiert

Für den Vormittag ruft die Gewerkschaft zur Versammlung auf dem Betriebshof der Stadtwerke in der Georgenstraße. Die Belegschaft umfasst 160 Menschen, von denen 60 gewerkschaftlich organisiert sind. Die Stimmung im Vorfeld des Streiks sei gut. Eltern- und Schulverbände seien bereits per Brief informiert worden, dass auch die Schüler am Dienstag nicht von den Stadtwerke-Bussen befördert werden. "Wir wollen klarmachen, dass unsere Streiks nicht gegen die Schüler gerichtet sind, sondern den Schulbeförderungsverkehr langfristig erhalten können", erklärt Schneider. Deshalb hält er diese Vorgehensweise für weitsichtig, da in den vergangenen 20 Jahren zu viel am Personal gespart worden sei.

Weil mehr Nachwuchs auch eine höhere Taktung und damit einen Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs zulässt, könnten wichtige Klimaschutzziele besser erreicht werden, wenn dadurch in Zukunft mehr Autos stehenbleiben. Die Klimaschutzbewegung Fridays for Future sowie die Organisation Attac sind deshalb seit Beginn der Tarifverhandlungen auf der Seite der Gewerkschaft und werden auch in Bamberg bei der Kundgebung von Verdi vor Ort sein.

Private Linie nicht betroffen

"Wir sind dabei, unsere Fahrgäste auf allen möglichen Kanälen zu informieren", schildert Jan Giersberg die Bemühungen der Stadtwerke. Der Pressesprecher freut sich über die rechtzeitige Information durch die Gewerkschaft, damit sich die Kunden für eine andere Fortbewegungsart entscheiden können. Giersberg betont das grundgesetzlich verbriefte Recht, sich als Gewerkschaft zu vereinen, und hält fest: "Wir werden den Kollegen nicht im Weg stehen." Geschätzt 30 000 Fahrgäste müssten im Laufe des Tages auf Busfahrten verzichten. Nicht betroffen seien alle anderen Sparten der Stadtwerke wie Energie oder Internet. Zudem sind die Anruflinientaxis und die privat betriebenen Buslinien im Landkreis vom Streik ausgenommen.

Für den 19. Oktober ist die nächste Verhandlungsrunde mit den Arbeitgeberverbänden in Bayern angesetzt. Gewerkschafter Schneider gibt sich kämpferisch: "Wenn die Arbeitgeber sich weiter nicht bewegen, sind auch weitere Streiks denkbar."