Aller guten Dinge sind drei. "Dass Sie ein Jahr lang durchgehalten haben, zeigt Ihr Musikverständnis", zollte Hans Moos, Vorsitzender der Kulturinitiative Trebgast, den Besuchern in der Johanneskirche Respekt, die nach zwei Absagen nun doch noch ein bemerkenswertes Konzert mit dem Thema "Wagner und Beethoven" genießen durften. Mit dem Wagner-Zitat "Verachtet mir die Meister nicht" gab er den Altarraum für die zwei Künstler frei.

Hans Martin Gräbner, ein Trebgaster Eigengewächs, Komponist, Pianist, Dirigent und Musikwissenschaftler, beschäftigt sich seit 30 Jahren mit den Werken Richard Wagners. Nicht zuletzt durch seine Einführungsvorträge bei den Festspielen hat er sich in Bayreuth und weit darüber hinaus als Experte einen Namen gemacht. Schon bei seinem "Intro" verunsicherte er das Publikum, als er fragte, von wem diese Einleitung wohl gewesen sein könnte. "Das war fast etwas gemein", gab er gleich zu, denn es waren Ausschnitte aus drei Stücken von Wagner und Beethoven, die Gräbner "zusammengebaut" hatte. Er wollte damit gleich die große Geistesverwandtschaft der beiden großen Komponisten aufzeigen.

Gesche Geier, Sopranistin, in Rostock geboren, ist an vielen Bühnen in Deutschland bekannt. Die Presse attestiert ihr "eine Stimme wie eine Naturgewalt". Die Besucher konnten sich davon überzeugen, dass das nicht übertrieben ist.

Der Abend war eigentlich zum Beethovenjahr 2020 geplant. Musik von Ludwig van Beethoven (Klaviermusik, ausgewählte Lieder, Arie) und Richard Wagner (Klaviermusik, Opernausschnitte, Melodram) wurde kombiniert mit Wagners fiktiver "Pilgerfahrt zu Beethoven", die sich wie ein roter Faden durch das Programm zog. Da stellte sich zwar kurz die Frage: Geht es um den Komponisten der Musik oder um Richard Wagner als Poeten? Es bestand aber kein Zweifel, das Thema des Abends war die Musik, und zwar eine besondere Musik. Ob bei Beethovens Kunstlied "Adelaide" oder bei Wagners "Einsam in trüben Tagen" - Gräbner und Geier reizten ihr Potenzial bis an die Grenzen ganz aus. Ein Höhepunkt war sicher die "Arie der Leonore" aus Beethovens "Fidelio". Mit immenser Sicherheit, reiner und leuchtender Stimme meisterte die Sopranistin makellos auch die höchsten Töne und nahm mit der Intensität ihres Vortrags die Zuhörer gefangen.

Die Stimmen nach dem Konzert bestätigen das: "Die beiden Künstler haben für uns ein Schatzkästchen geöffnet" oder "Man muss kein Wagner-Fan sein: Das ist verehrungswürdige Musik. Heute wurde sie verständlich gemacht. Ein Hochgenuss nach Corona-Zeiten."

Der erste Glückwunsch des Abends gebührte zweifellos den beiden Künstlern. Der zweite geht an die Kulturinitiative, weil sie an der Verwirklichung dieses Konzerts festgehalten hatte.