Es sah nach einer guten Gelegenheit aus, endlich ein neues Kneippbecken zu bekommen, das nicht regelmäßig bei Starkregen mit Schlamm verunreinigt wird. Das Bayerische Wirtschaftsministerium hatte für das "Kneipp-Jahr" 2021 (anlässlich des 200.Geburtstags von Sebastian Kneipp) das Sonderprogramm "Touristische Infrastruktur - Kneipp-Anlagen" aufgelegt. Mit dem Förderprogramm sollten Kommunen beim Aufbau, Ausbau oder bei der Modernisierung von Kneipp-Anlagen unterstützt werden.

Coburg besitzt eine Kneippanlage, schon seit 33 Jahren. Doch ihr Standort ist problematisch. Am Geh- und Radweg zwischen Seidmannsdorf und Ketschendorf gelegen, läuft bei Starkregen der Schlamm von den Feldern nebenan ins Becken. Die Reinigung ist aufwendig und die Mitglieder des Kneipp- und Naturheilvereins können diese alleine nicht stemmen.

Dorothea Schaal, Vorsitzende des Vereins, hatte sich deshalb im vergangenen November an die zuständigen Stellen der Stadt Coburg gewandt und darum gebeten, sich um die Kneipp-Förderung zu bemühen. Ihr Traum wäre ein neues Kneippbecken an einer weniger problematischen Stelle gewesen. Die Höhe des Förderbetrags war davon abhängig, wie viel Geld die jeweilige Kommune in eine Kneipp-Anlage investieren würde und auf maximal 18 000 Euro gedeckelt. Zehn Prozent der Summe hätten aus Eigenmitteln finanziert werden müssen.

Bei der Stadt Coburg habe man den Wunsch eingehend geprüft, wie Stadt-Pressesprecher Louay Yassin auf Anfrage berichtet. Allerdings habe sich Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) letztlich gegen das Förderprogramm und damit gegen einen Neubau entschieden, so Yassin.

Haaresquelle nicht geeignet

Als möglicher Standort für eine neue Kneipp-Anlage sei unter anderem die Haaresquelle (am Waldrand zwischen Lützelbuch und Seidmannsdorf) im Gespräch gewesen. "Sie ist weitgehend naturbelassen, liegt aber sehr weit draußen", sagt Yassin. Rechne man die Kosten für den Abbruch der alten Anlage an der Dr.-Walter-Langer-Straße und den Bau eines neuen Beckens, so bliebe am Ende trotz Förderung noch eine ordentliche Summe übrig, die die Stadt selber zahlen müsste. Yassin spricht von "mehreren Zehntausend Euro".

Das sei für OB Sauerteig aber keine Option gewesen, gerade vor dem Hintergrund, dass die Stadt sparen müsse und auch noch große Brocken wie die Sanierung des Aquaria zu stemmen habe. Hier müsse man auch die Relation sehen, sagt Yassin: Das Kneippbecken nutzten im Jahr vielleicht 200 Besucher, das Aquaria "zigtausend".

Aber, auch das betont Louay Yassin, der OB habe keine Entscheidung gegen die Kneippianer getroffen, "sondern eine Vernunftentscheidung".

Seit Monaten nichts gehört

Dorothea Schaal hat von der Absage der Stadt erst jetzt durch das Tageblatt erfahren. "Das macht mich gerade sprachlos", sagt sie, hörbar enttäuscht, am Telefon. Sie habe seit Monaten nichts mehr von der Stadt gehört, sagt die Vorsitzende des Kneipp- und Naturheilvereins.

Nach ihrer Anfrage im November habe sie als Reaktion nur die Auskunft bekommen, dass die Anfrage weitergeleitet worden sei. Und es habe ein Gespräch mit Bernhard Ledermann gegeben, von dem sie sich einiges erhofft hatte. Der Chef des Coburger Grünflächenamtes sei ihr damals sehr engagiert erschienen. Was Dorothea Schaal auch sehr enttäuscht: Sie sei gar nicht weiter zu dem Thema befragt worden. "Dabei hat man doch Ideen, die man hätte diskutieren können." Zudem habe ihr Ledermann gesagt, es gebe noch bessere Möglichkeiten, aus anderen Fördertöpfen Geld zu bekommen. "Die ganze Zeit lebt man mit dem Gefühl, da tut sich vielleicht doch noch was", ärgert sich Dorothea Schaal. Das Argument, die Stadt müsse sparen und habe kein Geld für eine neue Anlage, sieht sie kritisch, "denn über Kosten reden kann man doch erst, wenn man einen Plan hat".

In weite Ferne gerückt

Genau den hat es bisher nicht gegeben, dafür aber einige Ideen. Aus dem Stadtmarketing zum Beispiel stamme die Anregung, bei der Belebung des Post-Areals in der Stadt den verrohrten Hahnfluss einzubeziehen. Dort ließe sich ein Kneippbecken bestimmt integrieren. Seit Jahren wird auch darüber diskutiert, die Itz und ihr Ufer "erlebbar" zu machen. Warum nicht dort einen naturbelassenen Kneippbereich mit einplanen?

Doch trotz aller Ideen, ein neues Kneippbecken ist für den Verein vorerst in weite Ferne gerückt. Schaal: "Das ist frustrierend, ein Armutszeugnis für die Stadt!"