Zu den Pflichtaufgaben jeder Welterbestätte gehört die Erstellung eines Steuerungsinstruments. Was die Unesco einfordert, wurde in Bamberg vor etwa fünf Jahren begonnen und liegt nun in schriftlicher Form vor bzw. kann im Internet eingesehen werden: ein Welterbemanagementplan.

Sinnvoll und zielführend ist dieses Instrument insbesondere mit Blick auf eventuelle Gefährdungsfaktoren, die den Wert, die Valorisierung und nachhaltige Entwicklung des als universelles Erbe der Menschheit klassifizierten urbanen Ensembles beeinträchtigen könnten.

Seinerzeit wurden fünf Fachgruppen initiiert, die für relevante Bereiche kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen erarbeiten sollten. Patricia Alberth, Leiterin des Welterbezentrums, ist stolz darauf, dass "über 100 Menschen und Institutionen" mitgewirkt haben. Eine Sichtraumstudie, die einige für das Welterbe Bamberg elementare Sichtbeziehungen dokumentieren soll, ergänzt die Liste der von den Fachgruppen vorgestellten Maßnahmen und Empfehlungen. Diese enthält insofern keine großen Überraschungen, als viele der angesprochenen Probleme bzw. Defizite oft genug Gegenstand öffentlicher Debatten waren.

Im Bereich "Bauliches Erbe und Stadtentwicklung" werden die "Aufwertung des öffentlichen Raumes" und "welterbeverträgliche Mobilität" propagiert, letzteres durch Förderung von ÖPNV und Radverkehr. Als "Korrekturen der kartographischen Erfassung des Welterbes" werden u.a. die "parzellengenaue Schärfung der Welterbegrenze" und die "Anpassung der Pufferzone an das Gebiet des Stadtdenkmals" vorgeschlagen. Der Bereich "Bildung und Forschung" plädiert für mehr Vernetzung, die Initiierung von Schulprojekten und eine stärkere Einbeziehung universitärer Forschung.

Die Fachgruppe "Welterbe und Wirtschaft" schlägt u.a. die Einführung eines Labels "Made in Bamberg" vor, fordert die konsequente Darstellung des Welterbes als wichtigen Standortfaktor und hält die Dokumentation und Pflege alter Handwerkstechniken und Wissensformen für wünschenswert. Die Fachgruppe "Urbaner Gartenbau" hat sich die Erhaltung und Nutzung der innerstädtischen Gärtnerflächen sowie des Erwerbsgartenbaus zum Ziel gesetzt.

Tourismus im Fokus

Bleibt der Komplex "Welterbe und Tourismus", der mit der pandemiebedingten Abwesenheit von Gästen die Bedeutung des Tourismus nicht nur für die Wirtschaft (und die Wirtschaften!), sondern auch für die Atmosphäre in der Stadt in den Fokus gerückt hat. Von der Fachgruppe vorgeschlagen werden u.a. die Verbesserung der Aufenthaltsqualität (Sitzgelegenheiten, Cafés, Toilettenanlagen), die Entflechtung der Touristenströme, die Erhöhung der Sichtbarmachung des Welterbes im Stadtbild und eine gesteigerte Wahrnehmung der Gärtnerstadt.

Die im Anhang des Managementplanes vorgestellte Sichtraumstudie weist auf das dichte Netzwerk von Sichtverbindungen im Welterbegebiet und dessen Umfeld hin - sowie auf dessen Gefährdungen. Die bereits bestehenden Beeinträchtigungen sind teils irreversibel, teils reversibel, woraus die Aufgabe erwächst, die aufgeführten Sichtkorridore kontinuierlich zu überprüfen und mit den Plänen der Stadtentwicklung abzugleichen. Auffallend häufig werden im innerstädtischen Bereich "üppiger Baumwuchs" und überdimensionierte Baukomplexe als Beeinträchtigungen genannt.

Freilich erstaunt es, dass für diese Studie ein kostenträchtiges Münchner Architekturbüro bemüht werden musste, liegt doch der ausführliche Sichtachsenkatalog Alexandra Schmölders schon seit 2013 vor.

Andere Gefährdungsfaktoren bezüglich der materiellen Substanz des Welterbes werden nur recht vage erwähnt, dabei wären es gerade solche konkreten Hinweise, an denen sich die Praktikabilität des Managementplanes vornehmlich bewähren könnte. Dass dieses Oeuvre mit manchen Allgemeinplätzen aufwartet, ist bei einer ersten Edition verständlich. Doch auf Dauer wird man konkreter werden müssen. Wozu beispielsweise im urbanen Gartenbau von Nachhaltigkeit und Premiumprodukten sprechen, wenn die Gärtner eher am Wasserpreis oder an einer verbilligten Jahresgebühr für die Marktstände interessiert sind?

Der Managementplan ist insgesamt sehr gut strukturiert und findet sich wertig präsentiert. Schade nur, dass zahlreiche Rechtschreib-, Grammatik- und Stilfehler das Bild ein wenig trüben, von dem possierlichen Kampf mit der "gendergerechten Sprache" ganz zu schweigen.

Nützliches Instrument

Gleichwohl wird man im Welterbezentrum aufatmen können, denn eine elementare Unesco-Auflage ist erfüllt, und wenn dieses Steuerungsinstrument sich als "work in progress" begreift, wird es als nützliches Instrument dem Welterbe dienen können.

Patricia Alberth betont denn auch, dass ein solcher Plan "alle fünf bis zehn Jahre fortgeschrieben" wird.