Michael Busch Vielleicht starten wir mal mit den nackten Fakten, Verzeihung den harten Fakten, auch nicht gut - die Zahlen erst einmal: Wer bei Google die Kombination Liebe und Erlangen-Höchstadt eingibt, erhält 249 000 Ergebnisse. Dort finden sich Seiten der Caritas, dem Bündnis für Familie, die Seite des Landkreises selber. Wer also Liebe im Landkreis sucht, wird gut bedient. Allerdings geht es um die tatsächliche Liebe.

Bei der Kombination Sex und Erlangen-Höchstadt ploppen rund 126 000 Seitenangebote auf. Die Überschriften lassen darauf schließen, dass man sich nun im richtigen Feld bewegt, wenn auch wiederum der Landkreis und ein Hinweis auf Grundwassernutzung in der langen Liste auftaucht. Dass der Landkreis "Sexualpädagogische Angebote" offeriert, ist sicher noch nachvollziehbar, der Hinweis auf die Energie-Beratungsangebote verführt ebenfalls, allerdings eher zum Schmunzeln.

Die wirkliche Anzahl an zwei- oder mehrdeutigen Angeboten herauszufinden, ist dann allerdings eine Sisyphusarbeit. Denn es gibt Amateure und Profis, Zufallsbekanntschaften und gezielte Anfragen. Bis zu 6000 möglicher Kontakte werden auf der einen Seite präsentiert, andere sprechen davon, dass "jeder Vierte auf der Suche nach (käuflicher) Liebe ist" - untermauert wird dies mit dem Satz: "Ihr Nachbar könnte auch dabei sein!"

Mein Nachbar? Niemals!

Nun gut. Auf alle Fälle ist das Angebot im weltweiten Netz erfragbar. Es fällt auf: In Höchstadt gibt es mehr Angebote als in Herzogenaurach. Aber auch in kleineren Gemeinden klappt es mit dem Nachbarn. Hemhofen punktet mit drei Angeboten, in Lonnerstadt findet sich ein Angebot, in Möhrendorf sind zwei Angebote gepostet. Bevor an dieser Stelle nun Aufregung entsteht und der Dörfler entrüstet ausruft: "Unser Dorf? Niemals nicht!" sei erwähnt, dass Profis im Netz sich auf die kleinen Dörfer spezialisiert haben. Es sind oft Angebote von Hausbesuchen, die aber gar nicht aus dem Nachbarhaus kommen. Profis, die Kilometer auf sich nehmen, um dann die Liebe anzubieten und mit einer Stange Geld wieder heimzufahren.

Es bleibt die Frage: Was findet der Liebessuchende denn so? Die Angebote sind nicht immer ganz klar und lassen bereits beim Bestellvorgang alle Fantasien sprießen. In Aurachtal wird zum Beispiel angeboten: "Dienerschaft bei älteren Damen." Weiter führt der 44-jährige Anbieter aus, dass er "die mollige Sie ab 66" sucht.

In Herzogenaurach wird eine ganz andere Verbindung gesucht. "Wer bringt mir das Kiffen bei? Du müsstest das mitbringen und mich einweisen. Die Kosten übernehme ich. Wenn wir dann weggechillt sind, geht es weiter." Womit? Wird nicht erklärt. Aber hier wird der Liebesrausch ganz anders zelebriert. Das könnte durchaus ein Profi sein. Denn in einer Studie von Urologen der Universität Stanford in Kalifornien im "Journal of Sexual Medicine" heißt es: "Das Team um Andrew Sun verglich Zahlen aus einem großen US-Gesundheitssurvey. 28 000 Frauen und 23 000 Männer zwischen 25 und 45 Jahren hatten darin Angaben zu ihrem Cannabiskonsum im Vorjahr und der Sexhäufigkeit gemacht. Knapp 25 Prozent der Männer und knapp 15 Prozent der Frauen gaben an, im Vorjahr Cannabis konsumiert zu haben. Ungeachtet von Alter, Geschlecht, Ethnie oder Lebenssituation zeigte sich: Wer täglich kiffte, hatte im Mittel sogar etwas häufiger Geschlechtsverkehr als Cannabis-abstinenzler. Frauen hatten demnach in vier Wochen 7,1 statt sechsmal Sex, Männer 6,9 statt 5,6 mal."

Massage geht immer

Geschickter scheint da dann doch ein Angebot in Höchstadt zu sein: "Du bist müde und abgespannt oder einfach nur neugierig. Du sehnst Dich nach einem erotischen Abenteuer oder möchtest Dich einfach nur von Männerhänden verwöhnen lassen, dann bist Du bei mir richtig. Hobbymasseur Ü50, schlank, gepflegt, verwöhnt Dich von Kopf bis Zeh." Die Nummer mit der Massage klingt raffiniert.

In der Damenwelt ist man bei den Anzeigen in der Regel allerdings viel direkter. Schamlos wird ausgesprochen, was man denn so alles anbieten möchte. Selten bleibt der Fantasie Raum - Männer sind wohl einfacher gestrickt. Da stechen manche Angebote regelrecht heraus. Der Erlangen-Höchstadter soll mit einer Altkleidersammlung in Stimmung gebracht werden. "Biete Euch meine getragene Unterwäsche. Dabei ist es egal, welche Wünsche Du hast - ob Tanga oder Brazil Unterhöschen, egal ob schwarz oder weiß oder eine andere Farbe. Höschengröße 36."

Eine andere Dame weist in Bubenreuth darauf hin, dass sie selbst "attraktiv und Anfang 40 Jahre jung" ist sowie "tageslichttauglich". In Oberreichenbach geht es pragmatisch zu: "Ich finde, es ist immer so schwer, mich selbst zu beschreiben. Ich denke mein Name erklärt wohl schon, wonach ich suche." Die Dame trägt im Netz den Namen Karola91. Karola heißt übersetzt "die freie Frau" - nun kann sich jeder selbst seine Gedanken dazu machen.

Apropos Namen, auch da ist ein weites Feld abgedeckt. Neben echt klingenden Namen und einer Zahl, die in der Regel auf das Geburtsjahr hinweist (siehe Karola 91), finden sich auch Fantasieanreger. Eine Auswahl? Es gibt novizinlilly, AngelLove, NorinasuchtIhn26, laschi, Angel4U28, blondesgift66, activblond und happyromance. Und nur mal am Rande erwähnt: In der Regel gibt es bei den Angeboten kein Bild dazu. Zumindest keines vom Gesicht, dass ein wenig Rückschlüsse auf Alter und gewählten Namen geben könnte.

Was bleibt, um den richtigen Partner, die richtige Partnerin zu finden? Vielleicht ein Blick auf die poetische oder gar philosophische Ader der Anbieter. "Nicht immer nur den Alltag erleben, sondern auch mal gemeinsam entfliehen." Das klingt nach Hollywoodfilm. "In der Welt ist nichts umsonst, dafür bin ich sehr liebevoll zu Dir und offen für Deine Wünsche." Herzen schmelzen dahin. "Deine Lust steigt ... Reizt Dich dies Erlebnis Deiner Sinne?" Noch direkter geht es kaum. Vielleicht Carla aus Adelsdorf: "Ich möchte heute noch dem Alltag entfliehen. Jetzt und mit Dir!"

Fazit: Wer die Liebe im Landkreis Erlangen-Höchstadt sucht, der wird sie finden. Zumindest die käufliche ist reichlich vorhanden. Wem es um Gefühle, der wird vielleicht doch auf die althergebrachte Art aktiv werden müssen. Raus in die Welt und mit Menschen sprechen. Auch da finden sich Liebessuchende, man muss nur die Augen aufhalten.

Nachsatz: Der Lieblingssatz des Autors fand sich bei einem Angebot von Alena21 in Herzogenaurach. "Vergiss nicht, Sex ist wie ein Abendessen beim Chinesen. Es ist nicht vorbei, bis beide ihren Glückskeks erhalten haben."