Auch wenn die Bühne noch im Winterschlaf liegt - die Aktiven selbst sind hellwach, als sie am vergangenen Wochenende nach zwei Jahren Abstinenz im Foyer der Naturbühne sitzen und ihr Textbuch in der Hand halten. Im Klartext heißt das: Auf der Naturbühne haben die ersten Proben für die neue Saison begonnen.

Im Januar 2020 waren sie schon einmal in dieser Situation: gleicher Ort, gleiches Stück, gleicher Regisseur, (fast) gleiche Besetzung. Aber dann wurden sie jäh ausgebremst. "Wichtig ist, dass wir uns erst einmal wieder treffen", freut sich Routinier Walter Richter. "Ich bin optimistisch, dass wir dieses Jahr - wenn auch vielleicht mit gewissen Einschränkungen - endlich wieder für unser treues Publikum spielen dürfen." "Ich kann es noch gar nicht richtig glauben, dass es wirklich wieder los gehen soll", ist Marion ganz aufgewühlt. Nicht nur sie freut sich. "Das hat mir in den letzten zwei Jahren sehr gefehlt", stimmt Werner Eberhardt zu. "Wir hoffen alle sehr, dass es dieses Jahr klappt und auch möglichst viele Zuschauer kommen können."

Auch wenn der Titel des Stückes "Nicht öffentlich" auf den ersten Blick irritiert: "Wir wollen dem Publikum wieder Vergnügen bereiten und wollen dieses doofe ‚C‘ (orona) aus den Köpfen bekommen", ist das Ziel von Regisseur Rainer Streng. "Erst einmal für unsere Proben und dann auch für eine Zeitlang aus den Köpfen unserer Besucher." Auch wenn er weiß, dass es ein schwieriges Jahr werden wird. "Wir wissen nicht, was noch alles an Unvorhersehbarem auf uns zukommen wird."

In Bezug auf die Aktualität des Stückes ist er zuversichtlich. "Hier wird die lokale Kommunalpolitik ins Visier genommen. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit einem gewissen Augenzwinkern und Schmunzeln. Jeder Besucher wird darin irgendwo seine Gemeinde wiederfinden."

Auch die neue künstlerische Leiterin des Theaters, Anja Dechant-Sundby, hatte ihre erste Begegnung mit dem Ensemble des Klassikers "Diener zweier Herren". "Fast das komplette Team, dem bereits Anfang 2020 ihre Rollen zugeteilt wurden, hat bis heute durchgehalten. Das ist ja auch nicht selbstverständlich", ist die Regisseurin hoch erfreut. Und sie ist zuversichtlich, dass die Ampel wieder auf "grün" springt und das herrliche Areal am Wehlitzer Berg wieder mit Leben erfüllt werden kann. "Wir wollen mit dieser Komödie von Carlo Goldini versuchen, Venedig auf die Trebgaster Bühne zu bringen."

Wer Lust und Zeit hat und mal Theaterluft schnuppern will, kann sich gerne bei der Betriebsleitung melden. "Für die meisten Bereiche, sei es für den Kulissenbau, die Maske oder den Gästedienst, werden immer zusätzliche Hände gebraucht", ermuntert Anja.

18 Gastspiele geplant

Insgesamt 45 Schauspieler werden in den vier Stücken dieser Saison zum Einsatz kommen. Für sie bedeutet das wieder viel Zeitaufwand für ihr Hobby, das sie ehrenamtlich ausüben, und dadurch wenig freie Wochenenden bis in den Sommer hinein. Noch einmal so viele Aktive werden vor und hinter der Bühne dafür sorgen, dass die Besucher von Mitte Mai bis Mitte August wieder ganz entspannt einige Stunden Theaterkultur erleben können. Wenn das Publikum am Ende jeder Vorstellung zufrieden ist und das mit Beifall zum Ausdruck bringt, ist das für die Akteure die schönste Belohnung.

Vielfältige Abwechslung bieten zusätzlich 18 Gastspiele mit einem hochkarätigen Musik-, Comedy- und Kabarettangebot, bei dem sicher jeder etwas Passendes für sich finden wird.