Gerhard Deutschmann Das aus den Leipziger Thomanern hervorgegangene Männerquintett "Amarcord" gastierte bereits vor elf Jahren beim "Verein" und sprang gerne für ein erneutes Konzert in Coburg ein.

Mit rund 1500 Konzerten in 50 Ländern der Welt, zweifache Echo-Preisträger sowie Gewinner zahlreicher internationaler Wettbewerbe gehört das Ensemble mit Wolfram Lattke, Robert Pohlers (Tenor), Frank Ozimek (Bariton), Daniel Knauft und Holger Krause (Bass) zu den wichtigsten Repräsentanten ihrer musikträchtigen Heimatstadt. Bewandert in sämtlichen Stilen von der Renaissance bis zur Moderne hatten sie für Coburg ein Programm mit romantischer Vokalmusik und im zweiten Teil mit internationaler Folklore in eigenen Arrangements mitgebracht. Lebendig moderierten sie abwechselnd die gehaltvolle Vortragsfolge.

"Leipzig und Europa" hieß das Motto des ersten Teils. In der Elbe-Stadt wurde das erste Konservatorium von Schumann und Mendelssohn gegründet. Dessen wichtigster Pädagoge war Carl Reinecke, von dem zu Beginn sein lyrisch-dramatisch gestalteter Männerchor "Wenn der Frühling kommt" erklang.

"Rastlose Liebe"

Das Vokalensemble konnte hier sogleich alle Vorzüge seiner hohen Stimmkultur wie glasklaren, durchsichtigen Klang ohne Tremolo, lupenreine Intonation, vorbildlich deutliche Aussprache und eine große Ausdrucksbreite zeigen.

Robert Schumann war mit dem nahe am Textinhalt vertonten Lied "Rastlose Liebe" und Felix Mendelssohn-Bartholdy mit dem humorvollen "Liebe und Wein" vertreten, das laut Komponist "in betrunkenen Ton" zu singen ist. Schließlich wird hier Liebesqual mit Wein geheilt. Die europäischen Komponisten begannen mit Franz Schubert, dessen stimmungsvolle "Die Nacht" mit schöner mezza voce wiedergegeben wurde. Sein umfangreicher "Gesang der Geister über den Wassern" erlebte eine dichte, mit jähen Stimmungswechseln versehene Wiedergabe.

Mit zwei melancholischen Liedern des Norwegers Edvard Grieg (der einige Jahre bei Reinecke in Leipzig studierte) und der im Rhythmus der Tarantella komponierten "Saltarelle" des Franzosen Camille Saint-Saëns ging der erste Teil schwungvoll zu Ende.

Die musikalische Weltreise nach der Pause begann mit einer virtuos dargebotenen Bearbeitung des Volkslieds "Es klappert die Mühle" von Bernd Engelbrecht. Im Folgenden wurden die Länder Australien, Irland, Schweden, Nordamerika, Korea und Afrika bereist, mit jeweils typischen, in der Originalsprache gesungenen Liedern. Im letzten durften auch die Zuhörer nach kurzer Probe mit einstimmen.

Der kurzweilige Abend auf hohem Niveau endete nach anhaltendem Beifall mit einer jazzigen Zugabe in Form des "Hit the road, Jack" von Ray Charles.