Jetzt ist man im Zeitplan hinterher. Die Ausgrabung und Rekonstruierung des keltischen Zangentors am Staffelberg geht nicht planmäßig voran. Der Witz daran aber ist, dass die Gründe dafür freudiger Natur sind. Ein gewichtiger Aspekt, der beim CHW-Vortrag in der ehemaligen Synagoge zur Sprache kam.

Es saßen ungewöhnlich viele Staffelsteiner im Publikum. Irgendwie ist es ja gerade auch ihr Thema, was da so seit 2018 am Staffelberg ausgegraben wird. Die ursprüngliche Absicht, wonach das Jahr 2018 der Ausgrabung des keltischen Zangentors und 2019 seiner Rekonstruierung zu dienen hätten, wird sich wohl nach 2020 verschieben.

"Jetzt wird erst Mal bis Mai gegraben", erklärte hierzu unserer Zeitung gegenüber die Regionalkoordinatorin Andrea Musiol vom Landratsamt. Auch sie war unter den wohl knapp 120 Zuhörern, die vom Lichtenfelser CHW-Bezirksgruppenleiter begrüßt wurden. Es lag dabei etwas in der Luft, eine besondere Aufmerksamkeit und Gespanntheit zu dem, was der mit dem Projekt betraute Chef-Archäologe Markus Schußmann wohl berichten wird.

Attraktion mit Strahlkraft

Immerhin ist die Rede von einem keltischen Zangentor, einer Seltenheit, einer künftigen Landkreis-Attraktion mit Strahlkraft. Wohl auch hinein in den Tourismus. Doch man hatte sich das alles kleiner vorgestellt. Die Dimensionen dessen, was die Kelten an ihrer Siedlung Menosgada am Staffelberg durch ihr Verschwinden um 30 vor Christus hinterlassen hatten, sind enormer. Das versöhnt mit dem Zeitplan, oder wie sagte ein Mann im Publikum gleich zu Beginn: "Naja, lieber etwas Zeit lassen und dafür was Gescheit's." Jetzt wird es gescheit groß, und als Referent Schußmann an die Leinwand projizierte, wie sehr, herrschte Überraschung. Das Mehr an Fläche, auf der Ausgrabungen zum Tor notwendig wurden, beträgt wohl um die 70 Prozent. Doch nicht nur das, auch das Tor selbst darf man sich nun entgegen früherer Annahmen höher vorstellen. Ging man einst von einer Wallhöhe bis zu 3,5 Meter aus, so legen neue Erkenntnisse nahe, dass diese wohl 5 Meter betrug. Die Fläche des Torgebäudes lag bei über 60 Quadratmetern, und auch das Torgebäude ist im Falle eines Verteidigungsfalles Teil einer wehrtechnisch tödlichen Idee. Dort wären Angreifer von dritter Seite auf Widerstand gestoßen, während sie sich, schon längst in einer spitz zulaufenden Gasse befindlich, nur noch schwerlich hätten geordnet zurückziehen können, derweil sie von drei Seiten unter Beschuss gestanden wären.

Doch in solche Handlungen ist das Zangentor vermutlich nie verwickelt worden. Das hätten die Ausgrabungen zudem nahegelegt. Man habe "keine gesplitterten Schwerter oder Ähnliches" gefunden. Dafür aber einen originalen Fußabdruck, dafür auch Fahrrinnen, durch Wagen hervorgerufen und diesbezüglich "einen frühen Beleg für Rechtsverkehr".

"Zu 250 Prozent", erklärte Schußmann, seien seine Erwartungen an das Projekt übertroffen worden. Was er damit meinte, stand auch im Zusammenhang mit der Mauertechnik des Tors. Die nämlich sei bislang nur links des Rheins aufzufinden gewesen, also eher in Gallien. Aufwendig auch die Zapfenverbindungen für die in die Mauer integrierten Pfähle und Mauerpfosten. Möglicherweise, "dass kann man noch nicht sagen", habe es sogar eine Bauschmiede in Menosgada auf dem Staffelberg gegeben.

Was es derzeit noch nicht gibt, so Andrea Musiol im Gespräch mit unserer Zeitung, ist eine Kenntnis über die Anzahl der Mitarbeiter, die für die Restaurierung verantwortlich zeichnen werden. Das Grabungsteam zählt derzeit um die neun Personen und seine Arbeiten gehen bis Mai voran. Dann erst geht es ans Restaurieren. Doch wie? Es wird wohl kleiner Schlepper und Maschinen bedürfen, denn um das Zangentor herum herrscht noch etwas: Naturschutz.