Unter tosendem Applaus betritt Zwergriese aus Essen die Bühne. Er greift ans Mikrophon und sofort verstummt das Publikum und blickt gespannt auf den Lichtkegel der Scheinwerfer, um den ersten Text des Abends zu hören. Das ist ein Grund, warum Zwergriese es liebt, "lyrisches Gold in fremde Städte zu tragen."
Am Freitagabend traten sieben Teilnehmer beim achten Höchstadter Poetry Slam gegeneinander an. Den Kampf lieferten sie sich mit wohl gewählten Worten, die sie selbst verfasst haben. "Wenn die Gedanken kreisen, lassen sie uns einfach nicht gehen. So werden aus sich verzweigenden Wegen, sich zu Texten vereinende Zeilen der Seele", beschreibt Zwergriese den Prozess des Schreibens und seine Liebe zur Poesie. "Bei uns gibt es alles außer lyrischer Engpässe, denn mit Gefühl und Finesse wächst aus Worten Magie und in Minuten ist der Raum ein stiller Ort der Poesie."
Die Stille hielt am Freitagabend jedoch nie länger als sieben Minuten, da sie dem Beifall weichen musste. Die sieben Minuten sind nämlich ein Zeitlimit, an das sich die Teilnehmer zu halten haben. Daneben gelten beim Poetry Slam noch zwei weitere Regeln, wie der Moderator Michael Jakob erklärte. "Die vorgetragenen Texte müssen selbst verfasst sein. Außerdem dürfen, abgesehen von einem Textblatt, keine Hilfsmittel mit auf die Bühne genommen werden."
Die Bewertung der Auftritte erfolgte durch fünf freiwillige Zuschauer, die Punkte zwischen eins und zehn vergeben durften. Anschließend werden der höchste und niedrigste Wert gestrichen und die drei Poeten mit den meisten Punkten ziehen ins Finale ein.


Zuschauer entscheiden

Michael Jakob organisierte den Dichterwettstreit in Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum Höchstadt. Locker und humorvoll eröffnete er den Abend mit einem seiner Texte und führte durchs Programm. Nacheinander eroberten sieben Dichter die Bühne: Zwergriese aus Essen, Ingo Winter aus Lauf an der Pegnitz, Pascal Simon aus Regensburg, Frederike Jakob aus Erlangen, Josephine von Blueten Staub aus Halle an der Saale, Mega Martin aus Etzen-Gesäß und Steven aus Nürnberg.
Nach einer abwechslungsreichen Vorrunde mit knappen Ergebnissen zogen drei Teilnehmer ins Finale ein. Für Frederike Jakob, Josephine von Blueten Staub und Steven ging es zum zweiten Mal auf die Bühne, um ein weiteres ihrer Werke vorzutragen und das gesamte Publikum zu überzeugen.
Im Finale entscheiden nämlich nicht mehr nur die fünf Juroren, sondern alle Zuschauer. Ein tosendes Klatschen, Trampeln, Pfeifen und Rufen folgte auf das andere, sodass ein eindeutiges Ergebnis nicht zu vernehmen war.
Auch die zweite Abstimmung fiel so knapp aus, dass nicht nur ein Gewinner gefunden wurde, sondern Steven aus Nürnberg und Frederike Jakob aus Erlangen als gemeinsame Sieger die Bühne verließen.