Mit seinem Antrag und dem Stichwort "Fairkehr" hatte Wolfgang Hoderlein (SPD) bei der Oktobersitzung des Stadtsteinacher Stadtrats "wie schon vor Jahren" angesprochen, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen sei, die Probleme mit der Verkehrssituation in der Kernstadt zu lösen. Insbesondere die eingeschränkte Fußläufigkeit zwischen Marktplatz und der Brücke am Abzweig zur Gumpersdorfer Straße ("Tarantellabrücke"). Im Klartext: Ab Marktplatz stadtauswärts sind Gehsteige zu schmal bis gar nicht vorhanden, und für Radfahrer sind keinerlei Wege vorgesehen, denn der motorisierte Verkehr dominiert.

Mit der Eröffnung der Stadtumgehung sei "die bisherige Hauptablehnungslinie weggefallen", dass man nichts machen könne, solange die Kulmbacher Straße Bundesstraße ist. Eine Patentlösung für diese Engstelle ist allerdings bis heute nicht gefunden. Der Stadtrat erwartet Vorschläge des Büros "Planwerk", das mit der Neustrukturierung der Innenstadt beauftragt ist. Ob die Planer Hoderleins Maximalforderung umsetzen können, nämlich, dass sich Autos, Fußgänger und Radler gleichberechtigt bewegen können, muss sich noch erweisen.

Für die weitere Verkehrsführung in der Stadt haben die einzelnen Stadtratsfraktionen mittlerweile auch eigene Vorstellungen. Die CSU hält eine generelle Temporeduzierung in der Stadt nicht für notwendig. "Es ist fraglich, ob man bei unseren Straßengegebenheiten vernünftigerweise überhaupt mit 50 durch die Stadt fahren kann", meinte Lars Leutheußer bei einem Ortstermin. Eine durchgehende Beschränkung auf der vormaligen Bundesstraße würde einen Schilderwald verursachen, da an jeder Zufahrtsstraße ein 30-km/h-Schild angebracht werden müsste. Denkbar wäre für die CSU allenfalls eine Beschränkung auf 30 Stundenkilometer zwischen dem Blumengeschäft und dem Heimatmuseum. Damit wäre auch der Marktplatz und der innerstädtische Handel abgedeckt - "mit Kurzzeit-Parkmöglichkeiten für Kunden, vielleicht bis 30 Minuten; denn wir wollen ja die Stadt nicht totberuhigen, sondern die Innenstadt beleben", sagte Jonas Gleich.

Auch sollen die Pkw-Stellplätze auf dem Marktplatz bleiben. "Doch vor einer solchen Entscheidung sollte man erst die neue Verkehrslage beobachten", meinte Tobias Schöffel. "Durch Kurzzeitparker an der Fahrbahn wird der fahrende Verkehr ja schon mal verlangsamt." In jedem Fall möchte die CSU keine kostenaufwendigen Test- und Zwischenlösungen, sondern wartet auf ein Gesamtkonzept.

Für den Bereich Marktplatz bis Tarantellabrücke hatte Wolfgang Heiß die Idee, durch eine Verkehrsinsel die Engstelle weiter zu verengen, so dass die Straße nur im Wechsel einspurig passierbar wäre. Ansonsten seien mit der Beschränkung auf 30 Stundenkilometer in der Hammergrund- und Hainbergstraße nahezu alle Straßen in Siedlungen und Wohngebieten innerhalb der Stadt verlangsamt.

"Netz von gefahrlosen Verbindungen"

Wolfgang Martin (BLS) erinnerte daran, dass der Stadt bereits seit 1997 ein Ergebnisbericht "Altstadtsanierung Stadtsteinach" eines Bayreuther Büros vorliege. Darin werde unter anderem gefordert, "die bestehenden Fußwege zu einem attraktiven Netz von gefahrlosen Verbindungen" zu machen. Das bedeute für die BLS Parkverbote auf Gehsteigen und zum Beispiel auch, den Weg zur Staffel als Anbindung zur "unteren Stadt" (Wehrstraße) offen zu halten. Zudem weist er darauf hin, dass außerhalb des städtischen Kernbereichs wenigstens Fußgängerstreifen entlang der Friedhofstraße ab der ehemaligen Rettungswache notwendig seien, wenn nicht sogar ein Verweilbereich mit Bäumen an der Mündung Friedhofstraße/Kronacher Straße" angebracht wäre, mit Tempo 30 oder gar als Spielstraße (Schritttempo) und einer Raumkante für den Fußgängerweg.

In einem Schreiben an den Stadtplaner sucht der ehemalige SPD-Stadtrat Knud Espig für die Vereinigung "Pro Stadtsteinach" nach der "geeignetsten Möglichkeit der Einrichtung einer verkehrsberuhigten Zone im Bereich Heimatmuseum bis mindestens Kreuzung Bahnhofstraße/Knollenstraße (besser noch bis Sparkasse/Einfahrt Friedhofstraße)". Espig: "Speziell im Innerortsbereich muss der Schwerpunkt lauten: Der Stärkere muss auf den Schwächeren besondere Rücksicht nehmen." Jetzt, nach Freigabe der Ortsumgehung B 303 Stadtsteinach und damit der Freischaltung der Ortsdurchfahrt vom Schwerlast-Transitverkehr, biete sich eine Umgestaltung zu einer verkehrsberuhigten Innenstadt an.

Die Freien Wähler (FW) halten von einschränkenden Regulierungen sehr wenig und selbst die 30 Stundenkilometer in der Hammergrund- und Hainbergstraße nur so lange für angebracht, bis die direkte Zufahrt in die Stadt ab dem Kreisverkehr wieder möglich ist. "Danach wird sich das Verkehrsaufkommen ab der Umgehung über Stadtsteinach-Mitte wieder normalisieren, so dass dort kein erhöhtes Gefahrenpotenzial mehr besteht." Überhaupt brauche es keine unnötigen Tempobeschränkungen, "da bereits im Zuge der Umgehung schon sehr viel Verkehr aus Stadtsteinach weg ist", fasste Theresa Will zusammen. Für die FW müssen nun auch "die Gewerbetreibenden im Fokus stehen, die es während des Baus der Umgehung schwer hatten". Deshalb sei der Abbau von Parkplätzen in der Innenstadt für die FW auch kein Thema. Veränderungen in der Stadt seien für die Freien Wähler "kein Modernisierungs-, sondern ein Belebungsprojekt". Deshalb schlägt Theresa Will vor, nach der Fertigstellung der Zufahrt vom Kreisel her die Bürger zu einer Ortsbegehung aufzurufen und deren Gedanken und Verbesserungsvorschläge einzuholen, die das Planungsbüro bündeln und gezielt umsetzen sollte.