Sebastian Schanz Verantwortung ist überall dort gefragt, wo Menschen Macht haben. Die Medien werden gemeinhin als vierte Gewalt im Staat bezeichnet. Also ist es angebracht, uns im Zuge dieser Themenwoche auch an die eigene Nase zu fassen: Werden wir unserer Verantwortung gerecht? Gerade in Zeiten, in denen ständig von Fakenews und Lügenpresse die Rede ist, sollte man sich als Journalist diese Frage immer wieder selbst schonungslos stellen. Ein schlechter Reporter kann am Morgen einen Menschen unschuldig in die Pfanne hauen, sich mittags kaufen lassen, am Nachmittag eine fabelhaft lesenswerte Geschichte erfinden, am Abend seinen Einfluss ausnutzen und nachts - wird er dann von seinem schlechten Gewissen geplagt? Macht wird immer dann gern ausgenutzt, wenn es keine Kontrolle gibt. Die ist auch bei den Medien wichtig. Neben den Kollegen sind vor allem die Leser die täglichen Kontrolleure, die kritischen Köpfe, die sich nicht alles weismachen lassen. Auch die Leser haben also eine Verantwortung, das Geschriebene mit ihrer Wirklichkeit abzugleichen und gegebenenfalls dazwischenzuhauen. Gerade in einer Heimatzeitung wie dieser, ist dieses Wechselspiel wichtig. Wenn Claas Relotius im Magazin "Der Spiegel" an der syrischen Grenze Kinder erfindet, die in einer Sklavenfabrik arbeiten, gewinnt er Journalistenpreise und der Betrug bleibt Jahre lang unbemerkt. Wenn ein Bamberger Lokalreporter an der Grenze zu Hallstadt Kinder erfinden würde, die dort im Hafenbecken nach Perlen tauchen, würde er schnell seinen Job verlieren, denn er würde sofort auffliegen. Es würde Leserbeschwerden hageln. Gut so. Das ist die Verantwortung des Leser.