Kurz vor Jahresende droht in Deutschland erneut ein harter Lockdown. Bis in den Januar hinein sollen Geschäfte schließen, Schulferien verlängert und Kontakte aufs Allernötigste reduziert werden. An Veranstaltungen ist in dieser Situation überhaupt nicht zu denken.

Veranstalter wie Gaby Heyder vom Veranstaltungsservice Bamberg und Wolfgang Friedrich, Chef der Konzertagentur Friedrich, sprechen von einem "Berufsverbot", das seit dem 13. März für ihre Branche gelte. Und auch wenn niemand vorhersagen kann, ob und wann wieder "Normalität" einkehren kann, müssen sie sich mit ihren Programmen für 2021 oder auch schon 2022 befassen.

Dem Sommer 2021 kann Gaby Heyder insoweit gelassen entgegensehen, dass die Termine für den HUK-Open-Air-Sommer und auch für das Open-Air in Schloss Eyrichshof stehen. Vier der drei für 2020 geplanten Coburger Konzerte (Sido, Avantasia und Sarah Connor) konnten um ein Jahr verschoben werden. Nur die Toten Hosen hatten schon anderweitig Termine, dafür kommt Peter Maffay. "Unser Publikum hat dankenswerterweise fast zu hundert Prozent die Tickets behalten, so dass die Konzerte im Sommer, so sie dann stattfinden werden, schöne Events werden können."

Aktuell hat Gaby Heyder andere Sorgen: "Wir verlegen gerade erst wieder unsere Dezember- und Januar-Termine", berichtet sie. "Teilweise leider auch bis ins späte Frühjahr hin werden schon Gastspiele verschoben, da die Künstler bundesweite Tourneen haben und sich für eine komplette Verlegung der Tournee nach 2022 entscheiden."

Ganz ähnlich beschreibt Wolfgang Friedrich seine Situation: Viele geplante Veranstaltungen mussten mehrfach verschoben, ein großer Teil ersatzlos abgesagt werden. "Spaß geht anders!", sagt Friedrich. Der Lockdown light im November sei sicher nicht überraschend gekommen, sei aber bezeichnend für die Situation der Veranstaltungsbranche: "Planen ist momentan einfach nicht möglich."

Immerhin habe seine Agentur das Glück gehabt, dass alle Künstler, die für den Tambacher Sommer 2020 geplant waren, auch im nächsten Jahr dort spielen werden. Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit. "Wir sind sehr dankbar, dass 99 Prozent der Leute ihre Karten im nächsten Sommer einlösen werden", so Friedrich.

Sambaco-Geschäftsführer Rolf Beyersdorf fährt, was das Sambafestival 2021 betrifft , auf Sicht und mit angezogener Handbremse. "Wir planen verschiedene Optionen für das kommende Jahr, immer mit dem Blick auf die aktuellen Entwicklungen der Corona-Pandemie."

Weil es durch die vielen Verschiebungen jetzt schon 2022 eng werde, habe sein Team gar keine richtige Lust, Termine für 2023 zu buchen, sagt Friedrich. "Nur durch Verlegungen oder Absagen kann kein Unternehmen überleben - die Soforthilfen sind einfach nur ein Witz, die sogenannte Novemberhilfe lässt auf sich warten."

"Das zehrt tatsächlich an den Nerven, wir wollen ja arbeiten, wir wollen unseren Job machen, dürfen aber nicht", sagt auch Gaby Heyder. Immerhin habe sich die öffentliche Wahrnehmung der Probleme in der Veranstaltungsbranche zum Positiven gewandelt, was Unterstützung, Hilfestellung und Förderprogramme ermögliche. Damit lasse sich auch im nächsten Jahr die Situation meistern - wie auch immer sie aussehen möge.