Nach wie vor dürfen sich Musikvereine und Posaunenchöre nicht zum gemeinsamen Musizieren treffen, denn die Gefahr einer Infizierung mit dem Coronavirus ist beim Zusammensitzen und -spielen in geschlossenen Probensälen groß. Wie aber können Chöre in diesen Zeiten dennoch eine Probenarbeit gestalten? Der Veitlahmer Musiklehrer Peter Weiß hat sich aus der Not heraus zu einer virtuellen Chorprobe seiner jungen Bläsergruppe und des Posaunenchors Veitlahm entschlossen. Daraus entwickelt hat sich ein wirklich interessantes Projekt.

"Die Ausbildungsklasse mit acht Leuten wird von mir seit Oktober tatsächlich auch über Zoom unterrichtet. Für die Jungbläser und für mich sind das völlig neue Erfahrungen und Herausforderungen", sagt Weiß. Den Gedanken einer virtuellen Chorprobe habe er erstmals im Herbst gehabt, als beim Posaunenchor Veitlahm eine Bläserklasse ins Leben gerufen wurde. "Es waren keine Kinder mehr, sondern alle waren von 18 bis Mitte 20. Wir hatten gerade mal fünf bis sechs Probenstunden hinter uns, als es auf einmal hieß, dass nichts mehr erlaubt sei. Es war ein Glücksfall für uns, dass so viel Bläser bereit waren, mitzumachen."

Peter Weiß, der in Nürnberg hauptberuflich Musikunterricht gibt, kannte die Möglichkeit des Online-Unterrichts. Natürlich habe es Zweifel gegeben, ob so etwas auch auf dem Dorf funktionieren würde, aber dann habe man sich online getroffen und mit den Proben begonnen.

Auch Peter Weiß selbst muss in der Pandemie selbst viele Übungsstunden leisten, um sein musikalisches Niveau zumindest zu halten. "Ich muss sagen, es ist trotzdem schwer, sich zu motivieren. Man braucht einfach auch Druck, um eine Leistung zu bringen. Man muss selbst immer wieder den eigenen Schweinehund überwinden, dass man wirklich dran bleibt." Der Einzel-Unterricht sei nicht das Problem, interessant werde es aber, wenn 30 Musiker bei der Zoom-Probe dabei seien.

Der Posaunenchor Veitlahm hat inzwischen mit vollen Mannschaft bereits den vierten Online-Unterricht hinter sich. Weiß ist mit den Ergebnissen zufrieden. Es sei wichtig, dass die Aktiven Kontakt zueinander halten. "Die Leute freuen sich einfach. Es geht einfach darum, das Wasser am Köcheln zu halten." Vor allem der Nachwuchs sei froh über dieses Angebot. Andy Trier (21), der in Bayreuth Maschinenbau studiert, ist einer dieser jungen Bläser: "Mir gefällt diese Art der Musik, sie macht mir Spaß."

Die Musik wurde ihm von seinem Großvater Otto Friedlein (70), der früher in der Jugendhilfe in Fassoldshof tätig war, in die Wiege gelegt. Der Opa ist seit seinem 13. Lebensjahr aktives Mitglied des Posaunenchors Veitlahm: "Im Posaunenchor zu spielen, das ist wie eine Sucht. Wenn man mal angefangen hat, dann kann man es nicht mehr lassen. Und wenn man so viele junge Bläser hat, muss man einfach mitmachen.

Dass er sich als 70-jähriger auf eine virtuelle Chorprobe einlässt, verdient Respekt: "Ich wollte mich überraschen lassen" , sagt er. Mit Patrick Lanzendörfer (28) hat sich ein Musiker zum Instrumentenwechsel entschlossen. "Ich spiele schon zehn Jahre im Posaunenchor Veitlahm und bin jetzt mit der Bläserklasse von der Trompete zum Tenorhorn gewechselt." Auch ihn hat der Großvater - der spielte über 50 Jahre im Posaunenchor in der Petrikirche - für die Musik begeistert. Vom Online-Unterricht ist der kaufmännische Angestellte, der auch noch beim Musikverein Marktleugast aktiv ist, begeistert: "Ich finde, es ist eine tolle Geschichte, weil man auch in der aktuellen Corona-Krise virtuell zusammenkommt. Man muss sich zwar erst etwas einfinden, aber um es einfach auszudrücken: Es ist besser als nichts und eine Option, aber es ersetzt natürlich nicht die Präsenzprobe."

Seit sage und schreibe 63 Jahren gehört Klaus Weiß (73) zum Veitlahmer Posaunenchor: "Unser Pfarrer Söllner hat mich damals geworben, und der Posaunenchor ist bis heute mein Hobby geblieben." Gerade der Corona-Krise habe ihm der Posaunenchor besonders gefehlt. Dass er in dem Alter noch an einer virtuellen Chorprobe teilnimmt, das ist für Weiß gewöhnungsbedürftig. "Aber ich habe jetzt wieder meinen Notenständer hergesucht, um am Ball zu bleiben. In dem Alter muss man auch viel mehr üben, um mitzukommen."

Wenn die Corona-Beschränkungen irgendwann in diesem Jahr gelockert und gar aufgehoben werden, werden die Aktiven des Posaunenchores Veitlahm mit Sicherheit zu ihrer alten Stärke zurückfinden. Werner Reißaus