Andreas Lösch Wer ein Brauhaus hat, der soll auch brauen! Vor über 20 Jahren war das der Leitgedanke von sieben Männern aus Dörflis, die beschlossen, es wieder zu tun. Sie wussten: Es ist noch alles da - Maischbottich, Sudpfanne, Kühlschiff, Gärkufe. Und dass die alten Gerätschaften funktionieren, wussten sie auch: "Wir haben ja früher schon bis in die 80er Jahre gebraut", erklärt Horst Hornung.

Der 74-Jährige erinnert sich an die Zeiten, in denen das ganze Dorf, das zur Stadt Königsberg gehört, seinen Bierbedarf über das Kommunbrauhaus abgedeckt hat. Nach dem Krieg war das in den 1950er Jahren Gang und Gäbe, bis eben in den 1980er Jahren das Ganze einschlief - die alte Dorfbrauergeneration ließ das Maischen sein.

Fortan saßen die Dörfliser zwar nicht auf dem Trockenen, aber ein eigenes Bier hatten sie nicht mehr. Bis die besagten sieben unbeugsamen Dörfliser beschlossen, dass das nicht so bleiben soll. Sie renovierten das Kommunbrauhaus, setzten alles wieder instand, und weil sie auch noch das Wissen aus der alten Braugeneration in sich trugen, ging das im Grunde genommen glatt über die Bühne: Im März 1998 wurde das erste Mal im ertüchtigten Brauhaus gebraut. Das Bier war offensichtlich lecker genug, um nicht sämtliche Beteiligten dermaßen abzuschrecken, dass sie schon nach dem ersten Sud das Weite gesucht hätten.

Stabil und lecker

Im Gegenteil: Der Ehrgeiz war da, ein stabiles Hausbräu herzustellen, das man auch mal jemandem anbieten kann, der sich zum Beispiel als Gast nach Dörflis verirrt (etwa am Hausbraufest, das dieses Jahr am 28. Juli stattfindet). Auch der Reporter des Fränkischen Tags durfte probieren und kann guten Gewissens sagen: Es mundet!

Mittlerweile sitzen alle Handgriffe aus dem Effeff, am vergangenen Samstag haben die Dörfliser wieder eingemaischt. "Da weiß jeder, was er machen muss", sagt Uwe Koch. "Das ist eingespielt." Der mit 50 Jahren Jüngste unter den Brauern (außerdem dabei sind: Karl Geuß, 68; Willi Koch, 72; Berthold Geuß, 55; Erich Schramm, 60; Theo Gehring, 67, und Horst Hornung, 74) ist immer noch alt genug, um sich an die Braueinsätze der alten Riege zu erinnern.

Und Horst Hornung, der Älteste, ist so etwas wie der Miraculix unter den Dörfliser Brauern, der Bierdruide, er überwacht den Brauprozess, achtet auf die richtigen Temperaturen und Ruhezeiten beim Einmaischen, macht die Jodprobe, entscheidet, wann die Würze in die Sudpfanne gepumpt wird. Letzteres übrigens ein Kraftakt, wie Karl Geuß erklärt: Per Hand werden 21 Hektoliter (2100 Liter) in den befeuerten Kupferkessel gepumpt, "bei vollem Hub vier Liter", realistisch eher zwei bis drei Liter pro Zug. Dann wechseln sich alle ab - 700 Pumpzüge macht selbst kein zaubertrankgestärkter Dörfliser allein am Stück.