Bei der Kerwa in Großenseebach werden noch Bräuche gepflegt, die andernorts nicht mehr auf dem Programm stehen. Dazu gehören am Sonntag das "Kiegli zammspiln" und der Kerwaswagen zu einem aktuellen Thema.
Ganz geheimnisvoll geht es auf jeden Fall zu, wenn der Kerwaswagen vorbereitet wird. Zunächst muss ein Thema gefunden werden, das auch gut aufbereitet werden kann. Da bot sich in diesem Jahr die Schließung der Raiffeisenbankzweigstelle an. Auf den Seiten finden sich Vorschläge für die Weiterverwendung des Gebäudes. Der eine bezieht sich auf die Kerwa. Denn für das Geeger rausschlagen am Montag mussten die Burschen einen Hahn im Dorf organisieren. Der wäre vermutlich nur in der ehemaligen Bank "diebstahlsicher" verwahrt, so ihr Vorschlag. Die Texte wurden erst kurzfristig vor der Abfahrt aufgepinselt. Mit dem Wagen zogen sie durch das Dorf, um ein verstecktes Fass zu suchen, mit dem sie dann zum Festplatz zurückzogen.
Am Sonntagmorgen fand das "Kiegli zammspilln" zur Aufbesserung der Finanzen statt. Dabei wurden die Ortsburschen früher, wie der Name schon sagt, mit Naturalien in Form von Gebackenem bedacht. Sie zogen bekleidet mit weißem Hemd und schwarzer Hose durch das Dorf.
Möglichst jedes Haus im Ort wurde nach Spenden "abgeklopft". Dazu gehörte natürlich die Musik auf einem Traktoranhänger und ein Fass Bier. Damit wurden die Einwohner "geködert". Jeder durfte aus den mitgeführten Maßkrügen trinken, erhielt aber anschließend auch eine Sammelbüchse vorgehalten, mit dem Wink, den Einsatz der Ortsburschen doch möglichst zu unterstützen. In einigen Häusern erhielten die Sammler aber auch noch eine kleine Brotzeit oder aber Hochprozentiges zum Aufwärmen.


Ein Lied als Dank

Waren die Bewohner großzügig, dann lautete das Lied: "Do hommer wos grichd und dangn rechd schee, do wä mä im nechsdn Joar widdä her gee!" Blieb die Haustür dagegen verschlossen, dann sangen sie: "Heid is Kerwassundoch, spill mer unser Kiegli zamm, Kreizna alla Muggn, scho widdä kaans daham."