Nach dem Klassenerhalt in der Kreisklasse Schweinfurt 3 verzichtet der TSV Westheim auf die Liga und geht ab dem Sommer ganz unten - in der B-Klasse - an den Start. Warum? Das hat Trainer Werner Rößler im Gespräch erklärt.
Zweimal 1:7, zweimal 0:6, zweimal 1:5 oder gar dreimal 0:4 - es sind Resultate wie diese, die Werner Rößler und den Verantwortlichen des TSV Westheim in den Sinn kamen, als sie eine schwierige Entscheidung treffen und den freiwilligen Abstieg in die B-Klasse besiegeln mussten.
Kassiert hat die Mannschaft die Schlappen nahezu im Spieltagestakt in der Saison 2016/2017 - damals noch in der Kreisliga. 25 Niederlagen, aber nur einen Sieg gab es damals in 28 Partien, in denen der TSV 97 Gegentreffer kassierte. Chancenlos stieg Westheim als Tabellenletzter in die Kreisklasse ab. "Das war damals schlimm und hat Spuren hinterlassen."
Nicht wieder ein Horrorszenario
"So etwas wollten alle nicht noch einmal erleben", sagt Werner Rößler, der das Team damals in der Winterpause in schon aussichtsloser Lage übernommen hatte, im Gespräch mit unserem Partnerportal anpfiff.info. Genau ein solches Horrorszenario sah der Trainer aber auf seine Jungs zukommen, wäre man erneut in der Kreisklasse an den Start gegangen.
"Wir haben einfach nicht die nötige Qualität, um bestehen zu können", führt der erfahrene Coach aus und befürchtet, dass ein Szenario, in dem man erneut als Kanonenfutter herhalten muss, dem Verein und dem Fußball in Westheim nachhaltigen Schaden zugefügt hätte. "Dann hätte es zum endgültigen Aus kommen können." Gerade die vielen jungen Spieler, die in der kommenden Runde aufrücken und teilweise noch im Herrenbereich spielberechtigt sind, hätten mit jeder klaren Niederlage mehr und mehr die Lust verloren und wären womöglich von Bord gegangen. "Ein Risiko, das wir nicht eingehen wollen und auch nicht eingehen durften."
Stattdessen soll in der B-Klasse mit einer jungen Mannschaft etwas aufgebaut werden. "Begeistert bin ich natürlich vom freiwilligen Abstieg nicht", macht Werner Rößler klar. "Natürlich würde ich lieber weiter in Kirchaich oder Fatschenbrunn spielen, wo mich jeder kennt." Dennoch brachte der Coach - so etwas wie das Urgestein der Kreisklasse 3 - den Rückzug nach unten selbst auf die Tagesordnung.
"Es ist sportlich die einzig mögliche und richtige Entscheidung." Eine, die, als sie vor wenigen Wochen mehr und mehr reifte, auch von Spielern und den Verantwortlichen begrüßt und mitgetragen wurde. "Wer mich kennt, der weiß, dass ich zu meinem Wort stehe und das durchziehen werde", zerstreut der Übungsleiter jeglichen Gedanken an seinen Abschied in dieser für Verein und Mannschaft nicht einfachen Lage.
Zahlreiche Abgänge
Entstanden ist die Entscheidung vor allem durch zahlreiche Abgänge, die schon länger bekannt waren und aus Sicht von Werner Rößler auch nachvollziehbar sind. Thiemo Persch und Julian Langer - zwei der letzten verbliebenen Akteure aus der Mannschaft, die einst in die Kreisliga aufstieg - versuchen bei der DJK Dampfach in der Bezirksliga Fuß zu fassen. "Das Potenzial haben beide. Sie müssen es einfach mal probieren", wünscht ihr Ex-Trainer ihnen alles Gute. Mit dem Duo gehen auch 26 der gerade einmal 43 Tore, die der TSV in der vergangenen Runde erzielt hat. Weitere fünf Treffer sowie zehn Vorlagen fehlen mit der Rückkehr von Patrick Babel zum TSV Wonfurt, wo der frisch gebackene Vater kürzere Wege und damit mehr Zeit für seinen Nachwuchs hat.