Eigentlich müsste man die drei Fußballer des Fußballclubs Neuenmarkt für einen Bürgerpreis "Light" vorschlagen, so mutig und außergewöhnlich war ihre Aktion, am Kerwa-Sonntag zu einer "Kerwa to go" einzuladen. Das, was Marco Kunz, Fabian Bauerschmidt und Andre Warzecha mit ihren Sportkameraden auf die Beine gestellt haben, verdient aber zumindest Respekt und Anerkennung, nicht zuletzt auch deshalb, weil coronabedingt im zweiten Jahr in Folge die Kerwa ins Wasser fiel und mit ihr bislang auch die 100-Jahr-Feier des FC Neuenmarkt.

Andre Warzecha brachte das gemeinsame Engagement auf den Punkt: "Wir wollten nicht in Vergessenheit geraten und mal wieder als FC auftreten." Die Idee, den Kerwa-Sonntag zumindest etwas aufleben zu lassen, kam dem engagierten Berufsschullehrer Marco Kunz (30) mit seinen zwei Mitstreitern erst drei, vier Wochen vorher: "Mit Blick auf die Lockerung der Corona-Beschränkungen kamen wir zum Ergebnis, wir müssen etwas machen, damit der Sonntag nicht wieder ohne Kerwa abläuft. Es sollte symbolisch auf die Kerwa aufmerksam gemacht werden und dabei ging es uns nicht etwa um einen Gewinn, sondern es sollte einfach wieder etwas im Ort stattfinden." Eine große Organisation war nicht notwendig, aber trotzdem gab es jede Menge Arbeit. Die erste Hürde, die es zu bewältigen galt, war, die Vereinsleitung von dem Plan zu überzeugen. Rat holte sich Marco Kunz auch von anderen Vereinen im Landkreis Bayreuth, die eine ähnliche Veranstaltung anboten. Über die eigens vor mehr als einem Jahr installierte Whatsapp-Gruppe "Festausschuss" lief dann alles wie am Schnürchen ab. Im Nu waren weitere Mitstreiter aus den beiden Fußballmannschaften rekrutiert.

Fabian Bauerschmidt (28), der als Portfolio-Manager bei einer Frankfurter Bankgesellschaft tätig ist, räumte ein, dass man sich im Freundeskreis der Fußballer aufeinander verlassen kann: "Wir mussten die Helfer für den Kerwa-Sonntag nicht ewig anbetteln, sondern jeder hat dabei relativ gleich zugesagt, das war für uns der große Vorteil, die Logistik sehr schnell auf den Weg zu bringen." Andre Warzecha (26), IT-Performance-Manager bei der DB, hatte schnell die Flyer für die Plakate entworfen und mit Marco und Fabian abgestimmt. Dabei kam Fabian Bauerschmidt auf den Gedanken, "Kerwa"-Pakete anzubieten und dafür mussten natürlich entsprechende Papiertüten beschafft werden.

Andre Warzecha: "Ein wichtiger Punkt war auch, wie können wir mit dem vom Marco erarbeiteten Hygienekonzept den Ablauf strukturieren. Das war nicht einfach und wir hatten im Endeffekt bis Samstag um 13 Uhr nicht hundertprozentig gewusst, wie wir alles aufbauen. Es ist aber vom Ablauf her ganz gut gelungen."

Run auf die Kuchentheke

Das große Fragezeichen war für die Kerwa-Organisatoren, welche Menge an Bratwürsten und Steaks bestellt wird und wie viele Kuchen und Torten müssen bei den Spielerfrauen und -freundinnen sowie Müttern und Omas in Auftrag gegeben werden. Keine einfache Entscheidung, aber auch da hatte man das Glück der Tüchtigen. Marco Kunz: "Die Kuchentheke war um 14.30 Uhr leergeräumt." Und Fabian Bauerschmidt fügt hinzu: "Wir hätten nicht gedacht, dass es so gut ankommt. Unser Ziel war, keinen Verlust zu machen und wir sind auch finanziell ordentlich rausgekommen." Erfreulich für die "Jungs", die sich trauten, die "Kerwa to go" anzubieten, es gab nur positives Feedback. Andre Warzecha: "Wir hatten es vor allem an der Kasse gemerkt, denn viele Besucher würdigten unser Angebot auch mit einem Trinkgeld."

Ein dickes Lob erhielten die "Macher" der "Kerwa-to-go" nicht nur am Montagabend am Beginn der Gemeinderatssitzung aus dem Munde von Bürgermeister Alexander Wunderlich, sondern auch vom FC-Vorsitzenden Dieter Mühlbauer: "In einigen Online- und Telefon-Sitzungen haben die Jungs coronakonform die Vorbereitungen getroffen und auch am Sonntag selbst alles unter den Bestimmungen abgewickelt. Viele Neuenmarkter haben mit ihrem Besuch unseren Verein in einer schwierigen Lage unterstützt und das Engagement der Fest-Ausschuss-Truppe gewürdigt. Wir freuen uns aber jetzt schon auf 2022, wenn wir hoffentlich dann wieder eine richtige Kerwa in Neuenmarkt feiern können." Außerdem will der Verein auch noch das 100-Jährige nachholen.