von unserem Mitarbeiter Klaus Gagel

Michelau — Ein Volk trauert. Selten zuvor war der Symbolgehalt des Volkstrauertags spürbarer als in diesem Jahr. Millionen Tote der beiden Weltkriege mahnen die Lebenden. Doch ihre Mahnung scheint ungehört, wie die jüngsten Ereignisse in Paris beweisen. Frankreichs Präsident François Hollande spricht davon, dass sich sein Volk im Krieg befindet. Millionen Flüchtlinge haben den Krieg in ihrem Heimatland am eigenen Leib erlebt.
Sowohl Bürgermeister Helmut Fischer (CSU) als auch Dekan Johannes Grünwald gingen bei ihrem Totengedenken am Ehrenmal auf dem Michelauer Friedhof auf die jüngsten Entwicklungen ein.
Helmut Fischer sah in der Kranzniederlegung eine Demonstration für den Frieden. "Wir sollten ständig Frieden suchen und vermitteln, auch unter uns Menschen. Ansonsten verzichten wir auf unseren inneren Frieden", forderte er die Anwesenden auf und verlas anschließend das Totengedenken des Bundespräsidenten.


Zur Wachsamkeit ermahnt

Noch detaillierte ging Dekan Johannes Grünwald in seiner Ansprache auf die vergangenen und aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen ein. "Krieg und Terror machen offenbar, wozu der Mensch in seinen Abgründen fähig ist. Krieg kann niemals ,gerecht' sein." Die Trauer und die Erfahrungen der Kriegsgeneration sollten jeden Tag zu der Erkenntnis führen "Nie wieder Krieg."
Auf die aktuellen Flüchtlingsströme eingehend sprach er von "Elend pur". Gleichzeitig rief er zur Wachsamkeit auf gegen die neue Gewalt von Populisten und Nationalisten, die die Vergangenheit verdrehen und nicht anerkennen wollen.
"Deshalb gibt es den Volkstrauertag - nicht um die Vergangenheit nicht loszulassen und Wunden nicht heilen zu lassen. Es gibt den Volkstrauertag, um das Grauen dem Vergessen zu entreißen und durch die positive Kraft der Erinnerung Vergangenheit in Zukunft umzuwandeln."


"Menschen wie du und ich"

Gleichzeitig erinnerte er an das höchste aller Gebote: "Du sollst Gott von ganzem Herzen lieben und deinen Nächsten wie dich selbst." Damit forderte er zum aktiven Einsatz dafür aus, dass Menschen nicht vor Gewalt, Hungertod und Unterdrückung fliehen müssen. "Denn es sind Menschen wie du und ich."
Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkfeier vom Posaunenchor, der dabei auch das "Lied vom guten Kameraden" zu Gehör brachte. Neben vielen Gläubigen nahmen die Vertreter der Michelauer Vereine mit ihren Fahnenabordnungen am Gedenken teil. Im Rahmen der Gedenkfeier wurde das Ehrenmal mit Kränzen der Gemeinde, des VdK, der Soldatenkameradschaft, des CSU-Ortsverbandes und des SPD-Ortsvereins geschmückt.