56,6 Prozent mehr Übernachtungen als im Vorjahr - das Landesamt für Statistik registriert für Kulmbach beeindruckende Zahlen. Mit dieser Zuwachsrate nimmt die Stadt eine Spitzenposition im bayernweiten Vergleich ein. "Das sind verdammt gute Zahlen", sagt Helmut Völkl, Leiter des Tourismus- und Veranstaltungsservice. Diesen Erfolg wolle er nicht kleinreden, man müsse die Zahlen aber in Relation sehen. Von 2019 auf 2020 habe es aufgrund der Corona-Pandemie einen starken Rückgang bei den Übernachtungszahlen gegeben. Daher bewegten sich die Vergleichswerte aus 2020 auf relativ niedrigem Niveau. "Dennoch: Wir haben einiges aufgeholt und sind jetzt etwa auf dem Stand von 2017. Das ist ein Wort! Und nicht so weit weg von den Zahlen aus 2019, dem letzten coronafreien Jahr", erklärt Völkl.

Urlaub in Deutschland ist beliebt

Für das gute Abschneiden sind aus seiner Sicht zwei Entwicklungen verantwortlich: Zum einen würden die Menschen wegen der Pandemie verstärkt Urlaub in Deutschland machen. Zum anderen, das sei allerdings nur eine Vermutung, hätten die Menschen 2021 aufgrund der starken Einschränkungen im Vorjahr, den großen Wunsch gehabt, wieder zu verreisen. "Kulmbach ist offenbar eine Reise wert", sagt Völkl. Die Stadt profitiere dabei auch von ihrer Lage inmitten dreier beliebter Tourismus-Regionen: Frankenwald, Fränkische Schweiz und Fichtelgebirge. Es sind im vergangenen Jahr aber nicht nur mehr Gäste gekommen - sie sind auch länger geblieben. Die Verweildauer hat sich von durchschnittlich 1,8 Tagen auf 2,2 Tage erhöht. Eine weitere gute Nachricht für die Tourismus-Branche in der Region: Der Campingtrend der vergangenen Jahre hält an. "Das wird uns guttun", sagt Völkl. Die 60 Camper-Stellplätze am Schwedensteg seien jedenfalls sehr gut besucht.

Schlechtes Geschäft im Winter

Ulrike Berger, Inhaberin des Hotel Kronprinz, ist froh über die Entwicklung: "Der Sommer des vergangenen Jahres war sehr gut, es gab kaum einen Unterschied zu einem 'normalen' Sommer." Allerdings seien der November und der Dezember nicht überragend gewesen. "Vereinzelt waren noch Geschäftsleute unterwegs, aufgrund der verschärften Maßnahmen sind aber zahlreiche Firmen-Veranstaltungen und private Weihnachtsfeiern wieder abgesagt worden." Das habe sich letztlich negativ auf die Übernachtungszahlen ausgewirkt. Mit Blick auf das wirtschaftlich schlechte Jahr 2020 sagt Berger: "Wir hätten damals nie gedacht, dass es so lange dauert." Dank ihrer vorsichtigen Planung könne sie eine kurze Phase ohne Verdienst überbrücken. Doch 2020 sei eine Katastrophe gewesen, auch für die Mitarbeiter. Ohne Soforthilfen, wäre es kritisch geworden. "Ich war aber immer optimistisch, dass es irgendwie weitergehen wird", betont Berger. Umso mehr dürfte sie die Entwicklung freuen.

"Aus meiner Sicht sind die Zahlen 2021 im Vergleich zu 2020 recht stabil geblieben", sagt Stefan Ertl, Vorsitzender der Kreisstelle Kulmbach des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), mit Blick auf seinen Hotelbetrieb. "Allerdings hinken wir dem Jahr 2019 natürlich noch weit hinterher." Bis dahin habe der Wander- und Radtourismus, der Städtetourismus sowie die zahlreichen geschäftlichen Übernachtungen für ein beständiges Wachstum gesorgt.

Wie wird es 2022 aussehen? Das steht laut Ertl in den Sternen. Da nach wie vor unklar sei, ob Großveranstaltungen stattfinden können oder nicht, herrsche in Sachen Planung große Unsicherheit. "Wir hatten mit der Motorradsternfahrt geplant. Dann kam die Absage, und wir mussten alles über den Haufen werfen", sagt Ertl. Wenn Großveranstaltungen kurzfristig abgesagt werden, ließen sich die Stornierungen nicht mehr anderweitig auffangen. Mit Blick auf die Bierwoche, für deren Dauer sein Hotel bereits ausgebucht sei, sagt Ertl: "Für uns in der Hotellerie ist eine langfristige Planung sehr wichtig. Wir müssten bis allerspätestens April Bescheid wissen." Nur dann bliebe genug Zeit, um die für die Bierwoche reservierten Zimmer neu zu vergeben.

"Vorsichtig optimistisch"

2021 habe der Tourismus- und Veranstaltungsservice der Stadt so viele Prospekt-Anfragen erhalten wie nie zuvor. Das Interesse an Kulmbach scheint also gestiegen zu sein, sagt Helmut Völkl. Woran das genau liegt, lasse sich aber nur schwer abschätzen. Er blicke jedenfalls "vorsichtig optimistisch" nach vorne. Viel werde davon der unvorhersehbaren Entwicklung des Pandemiegeschehens abhängen und davon, ob geplante Großveranstaltungen wie das Spartan-Race, die Bierwoche und damit zusammenhängend die internationale Zinnfigurenbörse stattfinden können.