Schon wieder ein Streiktag - das zehrt an den Nerven der Fahrgäste, wie unter anderem Zuschriften ans Tageblatt beweisen. Auch die Streikenden würden mit erbosten Reaktionen konfrontiert, bestätigt Michael Blümlein, ehrenamtlicher Vorsitzender des Fachbereichs Verkehr im Bezirk Oberfranken-West der Gewerkschaft Ver.di. "Uns ist bewusst, dass es für die Fahrgäste nicht einfach ist. Aber es war bundesweit zum Warnstreik aufgerufen, und die Kollegen in Coburg waren bereit dazu. Schuld an den Streiks sind diejenigen, die keine höheren Löhne zahlen wollen."

Und da ist die Situation bei den SÜC einigermaßen kompliziert, denn für den Verkehrsbetrieb gelten zwei Tarifverträge: Diejenigen Mitarbeiter, die noch bei der Stadt eingestellt wurden, werden nach dem TVN der öffentlichen Arbeitgeber bezahlt. Diejenigen, die bei der SÜC-Tochter Bus und Aquaria angefangen haben, erhalten den Tarif des Landesverbands der bayerischen Omnibusunternehmen (LBO). Dadurch verdienen sie weniger als ihre Kollegen im TVN: "Der Grundlohn beim LBO-Tarif liegt in der höchsten Stufe bei 2338 Euro, beim TVN bei 2915 Euro", sagt Blümlein. Zwar kämen bei den SÜC freiwillige Zulagen dazu, aber trotzdem bleibe ein Gehaltsgefälle. Deshalb würden die SÜC-Busfahrer auch dafür kämpfen, dass alle künftig nach TVN bezahlt werden. Gleichzeitig wollen sie höhere Tarife beim LBO durchsetzen - doch der wolle bislang gar nicht verhandeln. Für den TVN habe es eine Verhandlungsrunde gegeben, aber ohne Angebot der Arbeitgeber, sagt Blümlein, der auch der Tarifkommission angehört.

Strenggenommen waren nur die TVN-Beschäftigten am Dienstag zum Streik aufgerufen. Die LBO-Beschäftigten streikten aber aus Solidarität mit. Bei den beiden vorangegangenen Streiktagen war es umgekehrt. "Wenn wir zwei Tarifverträge haben, sind wir zweimal dabei", sagt Blümlein. "Wenn man als Unternehmen meint, sich zwei Tarifverträge leisten zu müssen, muss man auch mit den Konsequenzen leben."