Streitberger kämpfen um ihr Freibad

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Planer Claus Kalb (r.) stellte seine Vorschläge vor. Foto: Pauline Lindner
Planer Claus Kalb (r.) stellte seine Vorschläge vor.  Foto: Pauline Lindner

Sie wollen ihr Kleinod nicht zerreden, die Marktgemeinderäte von Wiesenttal. Und ein "Kleinod" ist für sie das denkmalgeschützte Freibad in Streitberg allem...

Sie wollen ihr Kleinod nicht zerreden, die Marktgemeinderäte von Wiesenttal. Und ein "Kleinod" ist für sie das denkmalgeschützte Freibad in Streitberg allemal. Deshalb luden sie auch den Fachplaner Claus Kalb zur Ratssitzung ein. Doch bevor sie sich mit Umbauplänen und den nicht geringen Kosten herumschlugen, mussten sie sich erst einmal mit der gnadenlosen Beurteilung durch das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) auseinandersetzen.
"Katastrophale Zustände" hat die Fachbehörde bei einem Besuch am 24. März festgestellt. "Ein Tiefschlag", wie Konrad Rosenzweig (CSU) bekundete. Besonders schlimm empfand Bürgermeister Helmut Taut (FWW), dass "das Urteil schon vorher gefällt war". Er wie auch Rosenzweig setzen auf pragmatisches Vorgehen. Sie wollen ausloten, ob mit geringem Einsatz doch noch eine Öffnungserlaubnis für dieses Jahr erreicht werden kann. Eine Art Teilöffnung, eventuell mit Sperrung des Planschbeckens, schwebt ihnen vor. Auch der Vorsitzende des Schwimmbadfördervereins Joachim Gebhardt (BGS) teilt das Urteil seiner Ratskollegen über die Gutachter: "Eine teilweise absurde Veranstaltung", sagte er angesichts moniertem möglichen Laubeintrag oder zwischenlandenden Enten.


Ein Übermaß an Hygiene?

Es gibt einen Katalog der Sofortmaßnahmen, die, so Gebhardt, um diese Jahreszeit sowieso gemacht werden müssten. Hier will sich der Förderverein durch kräftiges Zulangen einbringen. Er will aber auch 5000 Euro bereitstellen, damit eine Wasseraufbereitung angeschafft werden kann, die später - nach einer Sanierung - fürs Kinderbecken verwendet werden kann.
Keine Alternative ist für ihn eine mögliche Schließung. "Wir lassen das Wasser raus und die Leute schwimmen auf eigenes Risiko in der Wiesent", sagte er voller Ironie. Karl-Peter Schwegel (BFMW) rief zum "öffentlichen Ungehorsam" auf. Die treuen Badegäste sollten zum Landrat ziehen. Ihn ins Boot zu holen, erscheint ihm außerordentlich wichtig. Den ungünstigen Besichtigungsgtermin hielt Hans Heißenstein (WU) für auslösend. Er hätte gern vom LGL Vorschläge gehört, doch die Kontrolleure des Amts hätten sich beim Termin, so Taut, dem gegenüber äußerst ablehnend verhalten.
"Das zweite Schwimmbad darf nicht schließen", forderte Marco Trautner (FWW). Denn das Muggendorfer Bad wurde schon vor einigen Jahren dichtgemacht. Rund 20 000 Euro dürften die Interimsmaßnahmen kosten. Davon entfällt auf eine Wasseraufbereitung die Hälfte. Die Kabinenbodenbeschichtung will man vorziehen. Und für die Holztreppe ins Becken soll es nach einer Aufbereitung nochmals eine Zulassung für vier Monate geben.


Sondersitzung am 18. April

"Wir wollen keine Hygienisierungsanstalt", polterte Rosenzweig nochmals. Bei ihm steht der Gedanke im Vordergrund, dass viele Badbesucher gerade die altmodische Atmosphäre schätzen, weil sie sich in Bädern "übersterilen Zuschnitts" nicht wohlfühlen.
Man will nun das Paket der Maßnahmen an das LGL und das Gesundheitsamt schicken. Da das Thema noch nicht abgeschlossen ist, hält der Rat am 18. April eine Sondersitzung ab. Dann wird auch ein mögliches Sanierungskonzept diskutiert. Zur Vorbereitung stellte Fachplaner Claus Kalb etliche Ideen vor. Zwei Varianten für das neue Schwimmbecken gibt es: mit und ohne Steg zur Abtrennung zwischen Nichtschwimmern und Schwimmern; mit und ohne Sitzrand zur Wiesent hin, aber immer mit barrierefreiem Zugang von Westen.
Das Planschbecken, so der Planer, sollte nach Osten in die Nähe von Kiosk und Toiletten verlegt werden. Eine zusätzliche Toilette besonders für Eltern mit Kindern wäre seiner Meinung nach dort sinnvoll. Diese Maßnahmen allein verschlingen mindestens 420 000 Euro.