von unserem Redaktionsmitglied 
Josef Hofbauer

Kirchehrenbach — Eingebettet zwischen die "Ungarischen Tänze Nummer eins und fünf" nahmen Geigerin Anna Möllers und der Pianist Uwe Thieme das Publikum im Gasthaus Sponsel mit auf einen musikalischen Streifzug durch drei Jahrhunderte. Wiener Kaffeehaus-Musik hatte dabei genauso ihren Platz wie Filmmusik, Jazz oder Eigenkompositionen des Nürnberger Multitalents Thiem.


"Karl-May-Musik"

Karl-May-Stücke nennt der mit dem Kulturförderpreis der Stadt Fürth ausgezeichnete Musikpädagoge, Jazzpianist, Komponist und Karikaturist Uwe Thiem seine Kompositionen. "Ich war nie da, stelle mir aber vor, wie ein spanisches Stück klingen könnte", erklärt der 59-Jährige lächelnd. Für ihn sind Komponisten wie Johannes Brahms, den er liebevoll Johnny nennt, Fritz Kreisler, Anton Dvorak, der Brite Sir Edward William Elgar oder der italienische Violinvirtuose und Komponist Vottorio Monti die musikalischen Superstars ihrer Zeit. Die Kompositionstechniken sind heute die gleichen wie vor ein paar hundert Jahren, argumentiert "Budde" Thiem.
Auch die musikalischen Themen haben sich kaum geändert, wie Friedrich Kreislers Alt-Wiener Tanzweisen "Liebesfreud", "Liebesleid" und "Schön Rosmarin" beweisen. Beim "französischen Walzer" ersetzt die Geige von Anna Möllers das Akkordeon, das den Pianisten im Original begleitet.


300 Jahre alte Geige

Dieses Instrument der jungen Virtuosin, die ihr künstlerisches und pädagogisches Diplom an der Musikhochschule Rostock erworben hat, ist übrigens eine Pretiose. "Leider weiß ich kaum etwas über die Geschichte dieser Geige. Sicher ist aber, dass sie aus der Geigenbauerfamilie Guarneri stammt. Ebenso wie die Stradivaris wurden die Guarneri-Geigen in Cremona gefertigt. Ein Zertifikat bescheinigt die Echtheit der 1690 gefertigten Violine. "Ich habe einmal ein Konzert vor nur zehn Zuschauern gegeben", erklärt die in Nürnberg geborene und in Bamberg lebende Anna Möllers. "Da hat mich ein Zuhörer angesprochen, ob ich auf einer schönen Geige spielen wolle. Ich hatte Interesse und habe sie gekauft", strahlt Möllers, die seit ihrem vierten Lebensjahr Geige spielt und auf Grund ihres Könnens ein Stipendium der Menuhin-Stiftung bekommen hat.


Mit viel Gefühl

"Mit dieser Geige fällt mir das Spielen noch leichter", bekennt Anna Möllers, die bereits bei den Berliner und Wiener Philharmonikern gespielt hat, der aber der unmittelbare Kontakt mit dem Publikum wie hier im Gasthaus Sponsel besonders wichtig ist. "Mit dieser Geige kann ich mit ganz wenig Aufwand ganz viel Gefühl ausdrücken", bekennt die Virtuosin, die wie Thiem gerne experimentiert.
So präsentiert das Duo den Gospelsong "Down by the Riverside" wie das Standard-Stück des Jazz zur Zeit der Romantik geklungen haben könnte. Ein interessantes, gelungenes Experiment. Mit im Repertoire hat das Paar auch Weisen aus der ungarischen Puszta und eine der acht Humoresken von Anton Dvorak. Anna und ihr Partner spannen den Bogen aber auch bis Irving Berlin (There's no business like Showbusiness), George Shearings "Lullaby of birdland" oder Dave Brubecks "Take five", weitere Klassiker der Jazz-Szene.
Ron Godwins Filmmelodie von "Miss Marple" hat Thiem ebenso für Piano und Geige arrangiert wie Csardas-Tänze oder Tango-Melodien. "Die sind meine besondere Leidenschaft", bekennt Anna Möllers, "ich liebe Tango". Das hat man bei ihrem Vortrag im Gasthaus Sponsel deutlich gehört.
Als Zugabe greift Thiem zum Banjo und zeigt so zusammen mit Anna Möllers eine weitere Facette der musikalischen Bandbreite dieses Duos.