Steffen Standke

Der Stadtwald soll natürlicher und widerstandsfähiger dem Klimawandel gegenüber werden. Das ist auch Ziel der Forstverwaltung Rupboden. Sie bewirtschaftet die rund 255 Hektar "Waldbodenfläche", die sich vor allem östlich der Stadt und der Staatsstraße 2790 (ehemals B 27) rund um den Buchrasen erstrecken.

Dazu möchte sie ein neues Förderinstrument zur "Honorierung der Ökosystemleistung des Waldes und von klimaangepasstem Waldmanagement" nutzen. Heißt: Der Bund gibt Geld, damit die Forstverwaltung einzelne Bäume und sogar ganze Flächen aus der Nutzung nimmt, der Natur zurückgibt.

Laut Birgit Badde, die den Stadtwald als Mitarbeiterin der Forstverwaltung betreut, stehen für die Jahre 2022 bis 2026 insgesamt 900 Millionen Euro im Förderprogramm bereit, heuer sind es 200 Millionen. Vergeben werden die Mittel nach dem Windhundprinzip. Das heißt: Wer schnell beantragt, erhöht die Chance, etwas ausgezahlt zu bekommen. Und wenn der Topf leer ist, ist er leer.

Um die Förderung zu erhalten, müssten die Bad Brückenauer fünf Prozent ihres Stadtwaldes für zwölf Jahre aus der Bewirtschaftung nehmen. Das wären 12,5 Hektar. Außerdem fordert der Bund als Zuschussgeber, dass pro Hektar fünf Biotopbäume ausgewiesen und kartiert werden. Biotopbäume erfüllen bestimmte Kriterien, sind zum Beispiel gespalten oder weisen Löcher auf, die unter anderem Fledermäusen oder dem specht bessere Lebensbedingungen bieten. Diese Gewächse müssten für zehn Jahre aus der Nutzung fallen.

Zwei naturnahe Flächen im Visier

Birgit Badde sieht für den Stadtwald "jetzt schon kein Problem", die Förderkriterien zu erfüllen. Der Forstexpertin schweben auch schon zwei Flächen vor, die sich besonders eignen würden. Die eine befindet sich auf einem recht felsigen, mit Altbuchen bestandenen Höhenrücken Richtung Breitenbach, bei dem aber schon viel Baumverjüngung im Gange ist. Die andere mit ihrem Erlen-Buchenbestand spinnt sich rund um das Wasserhäuschen und das Hofgrundwasser.

Allerdings ist für Badde nicht klar, ob die stillzulegenden Flächen zusammenhängen müssen oder gesplittet sein dürfen. Der Stadt entstehen auch Kosten: drei Euro pro Hektar für stichprobenartige Kontrollen, ob die Kriterien eingehalten werden.

Der Stadtrat nahm ihre Idee, sich an der Förderung zu beteiligen, wohlwollend auf. Emanuel Fritschka (PWG) rechnet aus, dass die Stadt über das Programm 25.000 Euro "verdienen" könne. Adelheid Zimmermann (FDP) hielt es "grundsätzlich für sinnvoll, einen naturnahen Wald zu haben, mit oder ohne Förderung". Eva Reichert-Nelkenstock (Grüne) sah diese Entwicklung konform mit dem Ziel, einen Kur- und Heilwald entwickeln zu wollen. Einstimmig beschloss der Stadtrat, dass die Verwaltung den Förderantrag stellen soll.

Nicht anfreunden konnte er sich mit dem Gedanken, den Stadtwald als Ausgleichfläche für Straßenbauprojekte des Staatlichen Bauamtes abzugeben.