Maria-Luise Lehnard, die Vorsitzende des Sozialverbandes VdK Burk, hatte als Referenten den Stadtarchivar Rainer Kestler in das Burker Sportheim eingeladen. Gleich zu Beginn seines Lichtbildervortrags "100 Jahre Forchheim in alten Ansichten - von 1870 bis 1970" ermutigte er die Zuhörer, Kommentare zu den gezeigten Bildern abzugeben.
Außerdem bot er an, Kopien zum Beispiel aus dem Geburtsjahr für Jubilare und Interessenten zur Verfügung zu stellen. Und tatsächlich wurde in Erinnerungen geschwelgt, und eine Dame erzählte die Anekdote von der schwankenden Eisenbahnbrücke, an der die "Amis rüttelten, um den darüberschreitenden Mädchen unter die Röcke zu schauen".
Nun schon seit 1992 trägt der 65-jährige Forchheimer die Verantwortung für die Aufbewahrung der Schriften und Bilder im Stadtarchiv Forchheim. Und dieses Amt führt Rainer Kestler mit Leidenschaft aus. Zu vielen Bildern weiß er Hintergrundgeschichten zu erzählen. Von Hauseigentümern, Wirtschaft, Politik, Dramen und Festen.


Ins "Wohnheim" eingekauft

Wussten Sie, dass Forchheim bereits 1405/06 erbaut wurde? Warum ist die Haustüre des Häuschens an der Kreuzung, Bamberger Straße "in der Luft"? Oder ist bekannt, dass das Katharinenspital aus dem Jahre 1611 der Stadt Forchheim öfter aus finanzieller Not half? Da man sich in das "Wohnheim" einkaufen musste, war das Katharinenspital reich und so verbanden das Rathaus mit dem Spital gute Geschäfte.
Die älteste Postkarte des Bild-Vortrags zeigte eine Ansicht vom "Säumarkt im Jahre 1847". 1900 lag das Rathaus unter Putz - zum Schutz des Fachwerkes. "Wegen Verfinsterung der Amtsstuben" wurden die Linden vor dem Rathaus gefällt. Damals waren im Rathaus auch die Bäcker und Metzger untergebracht. Erst 1909 wurde das Fachwerk freigelegt.
1931 wurde das Forchheimer Freibad eröffnet (vorher Bad in der Regnitz). Eine Postkarte von 1934 zeigt Spinnerei und Weberei mit dem Hotel Zettelmeier, später Frankenhof, in dem die Gastarbeiter und Flüchtlinge untergebracht wurden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte man den Kanal wieder schiffbar zu machen, gab den Plan jedoch wieder auf, da man keine Möglichkeit fand, die Strecke bis Bamberg durchgängig zu machen.
Der Film "Der fröhliche Wanderer" (1955, mit Rudolf Schock und Waltraud Haas in den Hauptrollen) wurde in Forchheim gedreht. Diesen Film gibt es jetzt ganz neu auf DVD in der Bücherstube für 14,99 Euro. Dies sind nur einige Auszüge der vielen interessanten Informationen des sehr kurzweiligen VdK-Nachmittages.
Wer auf Forchheims Geschichte neugierig ist, kann das Stadtarchiv Forchheim besuchen. Öffnungszeiten: Dienstag 14 bis 16 Uhr, Donnerstag 14 bis 17 Uhr, oder nach Vereinbarung mit Rainer Kestler, Telefon 09191/714-314, E-Mail archiv@forchheim.de.