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Soll die Stadt als Außenstelle beim Volkshochschulverbund Bad Kissingen-Hammelburg bleiben oder soll sie aussteigen? Diese Frage diskutierte der Bad Brückenauer Stadtrat erneut. Anders als zuvor traf er eine Entscheidung.

In der Sitzung am 8. September hatte der scheidende Bibliotheks- und Kulturbüroleiter Jan Marberg über maue Nutzerzahlen im jüngsten VHS-Semester berichtet. Von 26 angebotenen Kursen fanden nur neun statt.

Gleichzeitig verwies der 34-Jährige auf stark gestiegene Kosten. Statt bisher 3300 Euro müsste die Stadt ab dem nächsten Jahr rund 8000 Euro an den VHS-Verbund leisten.

Dennoch empfahl Marberg, die Zusammenarbeit zu verlängern, wollte aber seiner Nachfolgerin Dagmar Drescher nicht vorgreifen. Diese solle sich nach ihrem Arbeitsbeginn am 19. September ein Bild machen und vielleicht eine Empfehlung abgeben. Eine Entscheidung wurde vertagt (wir berichteten).

Eile ist dennoch geboten, denn die VHS-Kooperation lässt sich spätestens zum 30. September kündigen. Ansonsten verlängert sie sich um mindestens weitere zwölf Monate.

Dürftige Nutzerzahlen

Drescher brach eine Lanze für die VHS. Sie finde es "grundsätzlich wichtig, dass eine Stadt Erwachsenenbildung anbietet". Und auch, dass die Angebote vor Ort stattfänden. Mit Blick auf die Kosten sagte Drescher: "Bei der Volkshochschule steckt ein Apparat dahinter." Dazu gehöre neben der Organisation auch das Anmeldeportal.

Allerdings musste sie auch die dürftigen Teilnehmerzahlen präsentieren. Die "Einführung in die Feldenkrais-Methode" war mit zwölf Anmeldungen, davon fünf aus Bad Brückenau, noch am besten gebucht.

Mehr erwartet hatten sich die Organisatoren sicher von den Jüdischen Kulturtagen. Auf die "Spuren jüdischer Bürgerinnen von Brückenau" begaben sich noch 13 Teilnehmer, davon neun aus der Kurstadt. Die Angebote zu "J. S. Agnon" und "Fußball unterm gelben Stern in Theresienstadt" waren weit schwächer besucht. Zwei Kurse fanden nur je drei Interessenten, davon keiner aus Brückenau.

Stadträtin Adelheid Zimmermann (FDP) fragte sich, ob man bei der VHS gut laufende Kurse nicht über andere Anbieter, wie das Lernwerk Volkersberg, anbieten könne. Emanuel Fritschka (PWG) sagte, von der Stadt aus habe man keinen wirklichen Einblick, wohin die 8000 Euro fließen. Dirk Stumpe zweifelte, "ob die VHS noch zeitgemäß und für wen sie gedacht ist". Die Hauptzielgruppe der älteren Menschen werde immer kleiner.

Robert Eder (PWG) schlug vor, die Kooperation für ein Jahr auszusetzen und dann eventuell wieder einzusteigen. Er glaubte aber nicht an höhere Anmeldezahlen. Dieter Seban (CSU) hielt einen sofortigen Ausstieg für zu kurzfristig. Er überlegte, ob Drescher nicht ohne die VHS Freiräume für die Arbeit in Bücherei und Kulturbüro gewinnt.

Schließlich verlängerte der Stadtrat die VHS-Kooperation mit 12:6 Stimmen. Im Mai soll die Lage neu geprüft werden.