Eine barrierefreie Stadt hat nicht nur behindertengerechte Zugänge zu bieten - zu Inklusion und Barrierefreiheit gehört mehr. Das machte das Heilpädagogische Zentrum (HPZ) Lichtenfels des Caritasverbandes der Erzdiözese Bamberg gestern auf dem Marktplatz in Lichtenfels klar.
Das Motto: "Gemeinsam für eine barrierefreie Stadt". Vorsitzende Maria Wiehle unterstrich: "In diesem Jahr haben wir uns den Bereich Sprache als Barriere zum Thema gemacht. Viele Schreiben von Behörden machen es schon gesunden Menschen nicht leicht, alles, was da steht, auch zu verstehen."
Die Trommelgruppe des HPZ eröffnete den Nachmittag. Vor dem Rathaus stellten sich die Lichtenfelser Einrichtungen vor. Dort wurden unterschiedliche Kommunikationsgeräte vorgeführt. Das Wohnheim St. Elisabeth machte ein Quiz dazu. Der Hort St. Martin präsentierte einen Sinnespfad mit verschiedenen Stationen. Die Kreuzberg-Kindertagesstätte zeigte Beispiele der Mundmotorik und die Abteilung "Betreutes Wohnen" gab Beispiele zur leichten Sprache aus der laufenden Arbeit und bot einen Fragequiz an.
Höhepunkt der Aktionen war ein Schreibwettbewerb mit Landrat Christian Meißner (CSU) und Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD). Von ihnen wurde verlangt, einen Text in "Bürodeutsch" in verständliche Sprache umzusetzen. Beiden fiel diese Aufgabe schwer.
Meißner betonte, dass in den vergangenen Jahren schon viel erreicht worden sei. Dem pflichtete der Bürgermeister zu. In Lichtenfels werde vorbildliche Arbeit geleistet, wandte er sich an die Verantwortlichen der Caritas. Sein Lob galt den Ehrenamtlichen, die den Menschen mit Behinderung beistehen würden. Neben dem barrierefreien Rathausumbau wolle man auch die Bushaltestellen behindertengerecht gestalten.
Maria Wiehle freute sich über die Unterstützung durch Lokalpolitiker: "Ich habe bisher immer ein offenes Ohr gefunden", sagte sie. So hätte es in Lichtenfels bei der vergangenen Kommunalwahl eine Informationen in "leichter Sprache" gegeben und inzwischen gebe es sie auch in einer Landkreisbroschüre.
"Wichtig ist uns aber heute die Barriere Sprache. Wir wollen ihnen zeigen, wie schwierig es ist, Texte zu verstehen und sie in leichter Sprache auszudrücken", sagte Wiehle. Ihr Dank galt der Offenen Behindertenarbeit Lichtenfels, die den Protesttag organisiert hatte.
Viele Ziele der Protestbewegung seien zwischenzeitlich erreicht worden. Unter anderem auch die Gleichstellungsgesetze. Dennoch setze sich die Bewegung weiter dafür ein, dass eine umfassende Inklusion von behinderten Menschen - von der Wiege bis zur Bahre - erreicht wird und Ausgrenzung der Vergangenheit angehört. Die Bewegung sieht sich weiterhin in der Verantwortung, für Menschenrechte und die Würde behinderter Menschen zu kämpfen.