Der bayerische Sportartikelhändler Udo Siebzehnrübl will am kommenden Montag zumindest zwei seiner fünf Intersport-Läden wieder öffnen. "Ich bin kein Corona-Leugner und kein Querdenker", sagte Siebzehnrübl am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Aber sein Familienunternehmen mit 100 Mitarbeitern mache Millionenverluste, habe das Lager voller Winterware und habe vom Staat seit März gerade einmal 15 000 Euro Hilfe bekommen. Weil sein Umsatzeinbruch unter 40 Prozent lag, habe er auch keinerlei Aussicht auf Überbrückungshilfe. Zuvor hatten mehrere Medien über Siebzehnrübls Plan berichtet.

Der Handelsverband Bayern sprach von einem "Hilfeschrei", der die Wut und Verzweiflung unzähliger Einzelhändler zeige, die um ihre Existenz kämpften. Während das Gastgewerbe Umsatzausfälle durch die Novemberhilfe zu 75 Prozent ersetzt bekomme, lasse die Politik den Handel "am ausgestreckten Arm verhungern", sagte Geschäftsführer Bernd Ohlmann: "Bis jetzt ist nur heiße Luft gekommen."

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe im September versichert, man werde "keinen Einzelhandel mehr schließen. Das wird nicht noch mal passieren." Im Vertrauen darauf hätten Textil-, Schuh- und Sporthändler Winterware für hunderte Millionen Euro bestellt, sagte Ohlmann. Viele Händler äußerten jetzt Verständnis und Respekt für Siebzehnrübls Aktion: "Viele schimpfen über die Politik."

Siebzehnrübl sagte, der Fachhandel müsse schließen, während Aldi und Lidl Jacken und Sportartikel verkauften. Er sei CSU-Mitglied, aber die Politik handle einäugig und ignoriere die langfristigen Zerstörungen. Er wolle am Montag zumindest seine Läden in Rosenheim und Altötting öffnen - ob auch die drei Filialen in Passau und München, kläre er noch mit Blick auf die rechtlichen Konsequenzen. Aus der Bevölkerung bekomme er viel Zuspruch. Händlerkollegen aus anderen Städten hätten sich aus Solidarität für Montag zum Einkaufen bei ihm angekündigt. Bei einer Ladenöffnung im Lockdown droht dem Händler ein Bußgeld von 5000 Euro, im Wiederholungsfall mehr. dpa