Noch immer herrscht in Tettau Fassungslosigkeit über den abgebrannten Wildberg-Hof. Seit dem Großbrand in der Nacht auf den 9. August, bei dem der komplette Bauernhof nebst Ferienwohnungen und Café abbrannte, erfährt die Inhaberfamilie eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft. Nach wie vor geht Geld auch von weit außerhalb des Landkreises auf dem vom Markt Tettau eingerichteten Spendenkonto ein - so auch noch am Tag der offiziellen Spendenübergabe durch Bürgermeister Peter Ebertsch im Tettauer Rathaus.

Durch den Brand am Wildberg sei ein Stück Identität und Heimat verloren gegangen, bedauerte der Bürgermeister, der in der besagten Nacht selbst an die Brandstelle geeilt war. "Das einzig Tröstende der Katastrophe ist, dass keine Menschenleben zu beklagen waren", betonte er. Zu verdanken sei dies insbesondere auch der Feuerwehr-Drehleiter, über deren Anschaffung es vorher von einigen Seiten noch starke Diskussionen gegeben habe. Die überragende Spendenbereitschaft habe selbst ihn überrascht, so der Bürgermeister. Sehr freute er sich, an dem Tag Benjamin Schütze - in Vertretung für seine Eltern, den Hof-Inhabern, den symbolischen Spendenscheck von nahezu unglaublichen 55 076,36 Euro überreichen zu können.

Weitere 2492,87 Euro gingen auf Wunsch der Spender an die Schwestern Stefanie Traut, Pächterin des Cafés, und Katharina Heimann, die sich um die Pferde auf dem Hof kümmerte und dort als Reitlehrerin und Tierheilpraktikerin arbeitete. Kurt Hirschke aus Tettau, der bei dem Brand zu Schaden gekommen war, wurde von den Spendern mit 802,87 Euro bedacht; er konnte jedoch bei der Spendenübergabe nicht anwesend sein.

Großen Wert legte der Bürgermeister auf die Aussage, dass die Hof-Inhaber sich hinsichtlich eines Neuaufbaus von niemandem unter Druck setzen lassen sollten. "Sie sollen das machen, was ihnen ihr Herz sagt", appellierte er. Ein solches Brandereignis sei mit vielen Emotionen behaftet. Es obliege aber alleine ihnen, ob und wie es am Wildberg weitergehe, zumal beide schon fortgeschrittenen Alters seien. Der Wildberghof sei für ihn auch ein Symbol für ein nunmehr 30 Jahre vereinigtes Deutschland. Viel Zuspruch habe man gerade auch aus Thüringen erhalten. Für Misstöne habe - so der Bürgermeister - ein anonymes Schreiben hinsichtlich der Verwendung der Spendengelder gesorgt, das er vorlas. Leider könne er gerade in der aktuellen Zeit ein sehr Ich-bezogenes Verhalten mancher Menschen feststellen.

Noch keine Entscheidung

Seine Eltern hätten noch keine Entscheidung über einen eventuellen Wiederaufbau getroffen, erklärte Benjamin Schütze. Sollte der Hof nicht wieder aufgebaut werden, dann werde man davon die Spender in Kenntnis setzen, damit diese - wenn es deren Wunsch sei - ihr Geld zurückerhalten. Aktuell glühten die Drähte zu den Versicherungen, die die Unglücksstelle mittlerweile freigegeben hätten. Die an eine Fachfirma vergebene Räumung soll spätestens am 2. November losgehen. Man hoffe, die Stelle heuer noch bis Weihnachten sauber zu bekommen. "Der Schmerz ist noch allgegenwertig. Ich wache - symbolisch gesprochen - mit Tränen auf und schlafe nachts damit ein", bekundete er, dass der Verlust riesig sei; gerade für seine Eltern. Mit 76 Jahren seien diese in eine sehr missliche Situation geraten - mit anderen Entscheidungskriterien als junger Menschen. Glücklicherweise seien beide sehr rüstig für ihr Alter. Sein Vater, der Verletzungen dritten Grades an den Füßen erlitten hatte, sei bereits nach zehn Tagen wieder herumgelaufen. Körperlich seien die Verletzungen weggeheilt, aber ihre Seele sei gebrochen. "Auch mir blutet mein Herz", verdeutlichte Benjamin Schütze.

Bewegend sei für ihn die unglaubliche Hilfsbereitschaft und Solidarität. Allen Spendern sei man sehr dankbar, zumal nicht alle Posten über die Versicherung abgedeckt werden.

Seinen Worten schlossen sich Stefanie Traut und Katharina Heimann an. "Das große Mitgefühl, die Hilfe und Empathie der Menschen war uns in dieser Zeit ein Lichtblick, gleichsam wie Sonnenstrahlen am Horizont ", meinte Stefanie Traut. Sie verwendet das Spendengeld für ihr neues Projekt, den Umbau eines Zirkuswagens. hs