Ein überglücklicher Bauherr, ein modernes und interessantes Bauvorhaben und ein gelassener Architekt - der Spatenstich im "Biotop 51" war für Michael Faltum ein ganz wichtiges und besonderes Ereignis. Für ihn geht ein Traum in Erfüllung. Der Traum von einem Haus in der Rhön, von naturnahem und zeitgemäßem Wohnen, ohne größere Eingriffe in die Natur. Fasziniert, ja regelrecht begeistert ist er vom Blick auf den Kreuzberg, den er jetzt schon genießt und künftig täglich wird genießen können.

Dabei sieht der Bauplatz in der Haselbachstraße auf den ersten Blick gar nicht so aus, als würden in den nächsten Tagen Bagger und Co anrücken. Einige Bäume wurden herausgenommen und Gebüsch entfernt. Wie soll gebaut werden, wenn noch so viele Bäume stehen? Architekt Klaus Abert schmunzelt verschmitzt, während der Bauherr voller Leidenschaft seinen Bauplan und die Geschichte seines Vorhabens erläutert. "Das Haus wird auf Stelzen stehen. Wir brauchen kein Fundament, nur für die Säulen. Der Eingriff in die Natur soll so gering wie möglich sein", fasst es Faltum zusammen.

Es wird ein besonderes Haus, das ist jetzt schon klar. Ein Haus auf Stelzen an einem Steilhang. Der Bauplan verrät, dass es ein Rundbau wird. Dieses Bauvorhaben beschäftigte den Bischofsheimer Stadtrat schon bei der Antragstellung. Ursprünglich hatte Faltum eine zwei Meter hohe Kuppel geplant, um den Rhöner Sternenhimmel ungehindert genießen zu können. Dieser extravaganten Bauweise konnte das Gremium nicht zustimmen. Abert und Faltum planten um, erfüllten die Vorgaben und bekamen die Genehmigung, diesen, als "futurisch" betitelten Bau zu errichten.

Michael Faltum ist glücklich. Die Rhön liebt er schon seit Kindertagen, wenn er in den Ferien die Angehörigen in Wegfurt besuchte und traumhafte Ferien in der Natur verleben konnte. "Ich bin verliebt in die Region und die Rhön", schwärmt er. Mit 50 Jahren hat er sich entschlossen, seinem bisherigen Leben in Stuttgart den Rücken zu kehren und sich in der Rhön ein Refugium zu schaffen.

Über die Kreuzbergallianz und die Stadt Bischofsheim wurde er auf den Bauplatz in Haselbach aufmerksam. "Das Grundstück hat mich ausgesucht", kann er sich noch gut erinnern. Die Hanglage habe ihn nicht abgeschreckt, sondern gereizt. "Die Nähe zum Himmel und zum Kreuzberg war's", lachte er. "Ich habe mich sofort in das Grundstück verliebt." Mit Klaus Abert habe er einen erfahrenen Architekt an der Seite, der Erfahrung mit ungewöhnlichen Bauplätzen in der Osterburgsiedlung habe und zugleich offen sei für alternative und kreative Lösungen. "Unsere Vorstellungen haben sich gegenseitig befruchtet", fassten es Faltum und Abert zusammen.

Im Fokus stand von Anfang an, die Natur so unberührt wie möglich zu lassen. Der Baumbestand sollte soweit wie möglich erhalten werden. Faltum war auch klar, dass er ein Flachdach möchte, damit das Haus so unscheinbar wie möglich in den Bäumen "verschwindet". Außerdem wollte er durch sein Bauvorhaben, den Blick zum Kreuzberg nicht verbauen. Der Steilhang sei dafür wie gemacht und so freut sich Faltum auf: "Ein Leben in den Baumwipfeln" und "Verweilen im Wald". "Ich möchte mich anschmiegen und einfügen", beschreibt er die außergewöhnliche Bauweise.

Das komplette Grundstück und die umliegenden Flächen sind als Waldbiotop ausgewiesen. Für Faltum eine weitere Herausforderung und zugleich Auftrag, die Natur nicht mehr als unbedingt notwendig zu verändern. "Ich möchte mit und in der Natur und zugleich modern bauen." Einen klassischen Garten möchte Faltum daher nicht anlegen, sonder den Wald Wald sein lassen. Gemäht werden soll nicht, stattdessen werden künftig einige Ziegen den Aufwuchs im Zaum halten.

Das Gebäude selbst hat Architekt Klaus Abert als "Sonnenfalle" konzipiert. Der großzügige Rundbau werde so errichtet, dass den ganzen Tag Sonne in die Räume falle. Natürlich werde der notwendige Strom für den Eigenbedarf über Solarkollektoren erzeugt. "Es wird nahezu ein Null-Energiehaus", erklärt Abert. Lediglich für Warmwasser werde eine Wärmepumpe benötigt.

Die Heizung soll als Niedertemperatur-Strahlungsheizung ausgelegt sein, und natürlich werde ein zeitgemäßer Dämmungsstandart eingehalten. Die Deckenhöhe der Räume werde 2,80 Meter betragen. "Um des Ambientes Willen", erklären Abert und Faltum. Das Dachwasser werde in einer 16 000-Liter-Zisterne aufgefangen, um die umfangreiche Dachbegrünung zu bewässern und als Option für Grauwasser in der Toilette. Mitte Dezember soll Richtfest gefeiert werden. Zu Beginn des Sommers 2022 möchte Faltum einziehen.