Fachkräfte verschiedener pädagogischer Einrichtungen im Landkreis Forchheim waren in der Informations- und Bildungsstätte für die regionale Umweltbildung in Unterstürmig zusammengekommen, um "Streuobst zu erleben und Begeisterung an Kinder weiterzugeben".

Mit diesem vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz geförderten Projekt möchten der Landschaftspflegeverband Forchheim und die Umweltstation Lias-Grube das Kulturgut Streuobstwiese in den Mittelpunkt stellen. Deutlich gemacht werden soll dabei nicht nur die ökologische und ökonomische Wertigkeit, sondern ebenso die kulturelle Bedeutung des Streuobstes - von der Sommerpflaume bis zum Herbstapfel.

Ulrike Schaefer, Leiterin und Geschäftsführerin der Umweltstation, ging auf die "Wurzeln" der Streuobstanlagen ein, die in der Region weit ins Mittelalter zurückreichen. Mit der Pflege und dem Erhalt der Streuobstbestände sowie gezielt angelegten Sortengärten wie in Weigelshofen und Pinzberg soll dieser besondere Lebensraum für viele, teils selten gewordene Pflanzen- und Tierarten vor dem Verschwinden bewahrt werden. "Gerade die alten Obstbaumsorten sind dabei so wichtig, da sie ideal an unsere klimatischen Bedingungen angepasst sind", führte Ulrike Schaefer aus, "das Motto lautet dabei: je bunter, desto besser - und umso nachhaltiger!"

Einen Einstieg in den großen Themenkomplex der Nachhaltigkeit bereitete die stellvertretende Leitung der Lias-Grube, Ceara Elhardt. Unter anderem wurden im "Weltverteilungsspiel" die unterschiedliche Verteilung von Einkommen und CO2 -Ausstoß auf den Kontinenten in Relation zur jeweiligen Einwohnerzahl visualisiert. Auch das Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) wurde vorgestellt. "In der Lust am gemeinsamen Forschen und Entdecken können mit diesem Bildungskonzept Zusammenhänge verstanden werden", erläuterte Ulrike Schaefer, "denn auch die Meinungen der Allerkleinsten gilt es zu berücksichtigen."

Dann ging es hinaus auf die Streuobstwiese der Umweltstation. Hier zeigte Ulrike Schaefer verschiedenste Zugangswege auf, mit denen sich - nicht nur - Kinder für die Themenbereiche Natur, Umwelt und Streuobst gewinnen lassen können. Ganz spielerisch näherte man sich dabei beispielsweise dem Grünspecht: Ihm bieten die hochstämmigen Obstbäume der strukturreichen Streuobstwiesen einen idealen Lebensraum. Nachdem in der ornithologischen Sammlung schon einiges über ihn in Erfahrung gebracht werden konnte, gesellte er sich während einer kleinen Naturmeditation tatsächlich auch live dazu und ließ seinen markanten Ruf ertönen.

Auch ein kleiner Crashkurs in Sachen Anlage und Pflege einer Streuobstwiese stand auf dem Fortbildungsprogramm: Ein Gewürzluiken - eine alte Herbstapfelsorte - sollte seiner neuen Bestimmung als Schattenspender vor dem Tor zum Erdkeller zugeführt werden. Unter der Anleitung von Ulrike Schaefer führten die Teilnehmer den Pflanzschnitt aus. Dabei durfte beherzt ans Werk gegangen werden. "Der Pflanzschnitt sieht brachial aus und ist es ja auch", bestätigte Ulrike Schaefer, "aber auf diese Weise wächst der Baum gut an und auf seine spätere Wuchsform kann damit ebenfalls schon eingewirkt werden. Sie wies auf die Besonderheiten des schweren, lehmigen Lias-Gruben-Bodens hin. Tatsächlich reichte der Spaten als Arbeitsgerät nicht aus; erst mit der Hacke und vereinten Kräften konnte im Boden ein ausreichend tiefes Pflanzloch ausgehoben und der Gewürzluiken eingesetzt werden.

Im Anschluss demonstrierte Ulrike Schaefer an einem Apfelbaum, wie mit dem Erziehungsschnitt die Äste im Wuchs gelenkt werden können und genügend Licht in die Baumkrone gebracht werden kann. "Ein Ball sollte zwischen den Ästen hindurch passen", gab sie als Faustregel mit auf den Weg, "die kleinen, senkrecht wachsenden Ästchen, die sogenannten Wasserschosser, dürfen hingegen getrost entfernt werden."

Am Ende der Veranstaltung erhielten die Teilnehmer einen Ordner voller Informationsmaterial, Projekt- und Spielanleitungen. Außerdem durften sich alle eine Tasche mit einer bunten Mischung duftender Streuobstäpfel füllen.

Anmeldung möglich

Die Grundfortbildung "Streuobst erleben" für pädagogische Fachkräfte aus Kita, Hort und Schule findet als inhaltsgleiche Veranstaltung nochmals am 13. und 14. November jeweils halbtägig statt. Für Teilnehmer und Einrichtungen aus dem Landkreis Forchheim ist sie im Rahmen des Projektes kostenfrei. Kontakt und Anmeldung: Umweltstation Lias-Grube, Telefon 09545/950399, E-Mail info@umweltstation-liasgrube.de. Alexandra Kraus